AMRISWIL: Frust über Musical-Absage

Am Samstag hätte im Pentorama das Kindermusical «Bibi Blocksberg» stattfinden sollen. Aus logistischen Gründen fallen die Vorstellungen aber aus. Die Tickets seien aber für den Sonntag gültig.

Rita Kohn
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Die Stadt weist auf ihrer Facebook-Seite darauf hin, dass sie nicht zuständig ist für die Absage. (Bild: Rita Kohn)

Die Stadt weist auf ihrer Facebook-Seite darauf hin, dass sie nicht zuständig ist für die Absage. (Bild: Rita Kohn)

Rita Kohn

rita.kohn@thurgauerzeitung.ch

Der Frust bei den Betroffenen ist gross: statt eine Aufführung im Pentorama in Amriswil zu besuchen, sollten die Familien nun nach Bern fahren, um das Kinderstück «Bibi Blocksberg» zu sehen. Für viele Familien ist diese Verlagerung keine Option. «Einfach mal quer durch die Schweiz, ist ja nicht für jeden machbar», klagt eine enttäuschte Besucherin auf Social Media. Auch andere empfinden das Angebot des Vorstellungsbesuches am Sonntag in Bern als zynisch. «Alternativ könnt ihr auch die Vorstellung in Sydney oder New York besuchen ...», nimmt es ein Amriswiler mit Galgenhumor. Und eine Mutter, für die Bern als Veranstaltungsort ebenfalls keine Alternative ist, kommt zum Schluss: «Das gibt Tränen.»

Schnell drängt sich auch der Verdacht auf, dass die Vorstellungen in Amriswil und Bern zu wenig gut gebucht waren und deshalb die beiden Aufführungen in der Ostschweiz kurzerhand aus dem Programm gekippt worden sind. «Das ist nicht der Grund», wehrt Gad Fidler von der Pressestelle bei Good News ab. Was genau zur Absage geführt habe, könne er nicht sagen. Es habe einfach geheissen, die Vorstellungen könnten aus logistischen Gründen nicht stattfinden. Sie seien nur die Veranstalter, wenn von Seiten der Künstler eine Veranstaltung abgesagt werde, könnten sie nichts tun.

Eine Ersatzvorstellung vor Ort ist keine Option

Gad Fidler versteht den Unmut der Amriswilerinnen und Amriswiler zum Teil. Zwar ist er überzeugt, dass man mit der Möglichkeit, dass die Tickets für die jeweilige Vorstellung am Sonntag in Bern gelten würden, eine gute Alternative bieten könne. So habe jeder, der die Vorstellung sehen möchte, Gelegenheit dazu. Er gibt aber zu, dass eine Gesamtreisezeit von über vier Stunden doch recht viel ist, vor allem für eine Familie mit kleinen Kindern. Auch dass die Fahrt nach Bern mit erheblichen Kosten verbunden wäre, ob nun per Zug oder per Auto angetreten, ist ihm bewusst. Dafür könne aber die Veranstalterin nichts. Denn eine Ersatzvorstellung vor Ort zu bieten, sei nicht ganz so einfach. «Die Ensembles sind jeweils auf Tournee, da kann man nicht irgendwo einen Termin dazwischenschieben.»

Die Veranstalterin ist sich aber durchaus bewusst, dass nicht viele Familien die Tickets nun am Sonntag in Bern einlösen würden. Würden nämlich alle vom Angebot Gebrauch machen, wäre die Kapazität in Bern viel zu klein. «Wir haben aber Erfahrungswerte und mussten davon ausgehen, dass einige auf die Reise nach Bern verzichten würden.» Es sei also nicht so, dass man hier ein paar quasi leere Säle zusammenlegen wolle.

Daran gewöhnt, kurzfristig Veranstaltungen abzusagen, sind die Good-News-Mitarbeitenden nicht. «Das kommt zum Glück nur äusserst selten vor», sagt Gad Fidler. Sie seien auch bemüht gewesen, die Sache sofort zu kommunizieren. «Rund 95 Prozent der Ticketkäufer haben wir per E-Mail erreichen können», sagt er. Die anderen Betroffenen, hofft er, werden durch die verschiedenen Hinweise auf die Änderungen aufmerksam. «Wir werden nun noch darüber reden müssen, ob wir jemanden nach Amriswil schicken, um die Besucher, die nichts von der Absage der Vorstellung mitbekommen haben, vor Ort zu informieren, oder ob wir einen Aushang machen.» Auf jeden Fall würden die Leute nicht einfach vor dem verschlossenen Pentorama stehen.

Eine sehr unglückliche Situation

Enttäuscht über die abgesagte Veranstaltung ist man bei der Stadt Amriswil. «Für uns ist es eine sehr unglückliche Situation», sagt Barbara Langenegger. Viele hätten den Eindruck, dass die Stadt involviert sei. «Wir sind aber nur die Vermieterin der Örtlichkeiten», betont sie. «Wir mussten klar kommunizieren, dass wir nicht Ansprechpartnerin sind.» Sie hätten einigen Aufwand getrieben, um der Veranstaltung die besten Voraussetzungen zu bieten, so unter anderem ein Catering, das speziell auf Familien mit Kindern ausgerichtet sei. «Der Verein hatte bereits Vorkehrungen getroffen und ist nun vor den Kopf geschlagen.»