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AMRISWIL: Er hat eine Chance verdient

Jawad Danishyar macht eine zweijährige Ausbildung zum Plattenleger bei der Rinox AG. Als ehemaliger Flüchtling war für ihn der Berufseinstieg nicht einfach.
Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
Jawad Danishyar und Thomas Rhyn an der Arbeit mit dem Kernlochbohrer. Mit diesem werden Löcher in die Platten gebohrt, damit beispielsweise Lampen in die Löcher eingesetzt werden können. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Jawad Danishyar und Thomas Rhyn an der Arbeit mit dem Kernlochbohrer. Mit diesem werden Löcher in die Platten gebohrt, damit beispielsweise Lampen in die Löcher eingesetzt werden können. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

AMRISWIL. Nicht alle Jugendlichen finden problemlos eine Lehrstelle. Auch Jawad Danishyar hatte Mühe damit. Als ehemaliger afghanischer Flüchtling hatte er unter anderem mit Sprachbarrieren zu kämpfen. Vor vier Jahren sei er in die Schweiz gekommen. «Mit der Sprache tue ich mich noch ein bisschen schwer», erzählt der 24-Jährige mit einem herzlichen Lächeln und er ergänzt in gebrochenem Deutsch : «Es gefällt mir hier tiptop.»

Jawad Danishyar ist im ersten Ausbildungsjahr als Plattenleger beim Plattenlegergeschäft Rinox AG in Amriswil. Der junge Mann ist zufrieden im Beruf – für ihn sei es der Traumjob. Als er vor rund vier Jahren nach Arbon kam, habe er eine Anstellung als Hilfskraft bei einem Plattenleger bekommen. Seit über einem Jahr arbeitet er bei Rinox AG in Amriswil, anfangs als Praktikant. Im vergangenen Sommer hat er seine zweijährige Ausbildung begonnen.

Arbeitsschutz und Sicherheit sind entscheidend

Plattenleger verkleiden und gestalten Wände, Böden und Treppen mit Platten aus Keramik, Kunst- und Naturstein sowie Mosaik. Sie arbeiten in Neu- und Umbauten. «Heute gibt es mehr Umbauten als früher», erklärt Danishyars Chef Thomas Rhyn. Werden Badezimmer saniert, seien Badelandschaften besonders gefragt. In den zwei Ausbildungsjahren lernt Jawad Danishyar die unterschiedlichsten Materialien und ihre Verarbeitungstechniken kennen.

Nebst guter Konstitution seien ausserdem Genauigkeit, räumliches Vorstellungsvermögen, Teamfähigkeit und mathematisches Verständnis einige der Voraussetzungen, um den Beruf zu erlernen. Plattenleger haben anstrengende Arbeiten zu verrichten, sie heben und tragen schwere Lasten. Knieschutz ist bei länger knienden Tätigkeiten ganz wichtig. «Wird mit der elektrischen Nassschneidemaschine gearbeitet, braucht es den vorgeschriebenen Gehörschutz und die Schutzbrille», erläutert der Lehrmeister. Arbeitsschutz und Sicherheit spielen eine entscheidende Rolle auf der Baustelle.

Unter fachkundiger Anleitung darf der Auszubildende auch Abdichtungsarbeiten ausführen. Dabei werde der Untergrund abgedichtet, damit kein Wasser eindringe, führt Thomas Rhyn aus. «Zudem kann Jawad auch selbständig ausfugen.» Das Wichtigste für die beiden: «Man sieht abends, was man getan hat.»

Während des Praktikums konnte sich der ehemalige Flüchtling auf die Ausbildung vorbereiten und sich Deutschkenntnisse aneignen. Das Arbeiten im Betrieb sei für den jungen Mann kein Problem. Schulisch müsse er bestmöglich gefördert werden. An der Berufsschule in Winterthur besucht der Lernende deshalb einen Deutsch-Stützkurs, seine Muttersprache ist Persisch. Die Sprache sei der Schlüssel zur Integration. «Unser Ziel ist es, dass Jawad das Qualifikationsverfahren mit dem eidgenössischen Berufsattest (EBA) abschliesst», sagt der Berufsbildner. Wenn sich jemand engagiere und einsetze, habe er eine Chance verdient. «Ich möchte ihm diese Chance geben und hoffe, dass er sie auch nutzt.»

Plattenschneider, Zahnkelle und Fussball

Tagsüber arbeitet der auszubildende Plattenleger mit Plattenschneider, Zahnkelle und Schwamm. Abends frönt er seinem Hobby Fussball. Einmal wöchentlich kommt er als Stürmer beim FC Romanshorn zum Einsatz. Dort pflegt er die gesellschaftliche Kollegialität und erweitert im Übrigen seinen deutschen Wortschatz.

Die Baubranche kämpfe gegen Lehrlingsmangel, weiss Thomas Rhyn. Der Plattenleger-Beruf sei bei den Jungen nicht besonders beliebt. «Vielleicht liegt es daran, dass man den ganzen Tag auf der Baustelle arbeiten muss», mutmasst Rhyn.

Vor einigen Jahren war die Durchfallquote bei der Lehrabschlussprüfung sehr hoch. Der Schweizerische Plattenverband SPV habe darauf reagiert. «Mindestanforderungen müssen erfüllt sein, um den Beruf zu erlernen», weiss der Plattenlegermeister. Was während der obligatorischen Schulzeit nicht gelernt wurde, könne in der Ausbildung nicht nachgeholt werden. «Ein Grundgerüst muss vorhanden sein», betont er.

Ob Platten aus Keramik oder Naturstein – Plattenleger ist ein interessanter und kreativer Beruf, sind sich die beiden abschliessend einig.

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