AMRISWIL: Einmal im Leben Nationalrat sein

Eine Delegation aus Oberstufenschülern reist in der kommenden Woche nach Bern, um im Bundeshaus eine eigene Initiative einzureichen und anschliessend im Parlament dafür zu kämpfen.

Manuel Nagel
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Lehrer Markus Lutziger diskutiert mit seinen Schülerinnen und Schülern über die eingereichte Initiative «Politische Rechte für alle». (Bild: Manuel Nagel)

Lehrer Markus Lutziger diskutiert mit seinen Schülerinnen und Schülern über die eingereichte Initiative «Politische Rechte für alle». (Bild: Manuel Nagel)

AMRISWIL. Es ist wohl die lebhafteste Form von Staatskundeunterricht. Fünf Schüler und zwölf Schülerinnen der Oberstufe fahren übermorgen Montag für eine Woche nach Bern ins Parlament und stimmen über fünf Initiativen ab.

«Schulen nach Bern» heisst das Projekt, welches Lehrer Markus Lutziger bereits das vierte Mal durchführt. Viele der 17 Jugendlichen besuchen bei Lutziger das Freifach Zeitgeschichte und Politik, aber es sind auch andere Schüler aus dem Sekundarschulzentrum Egelmoos in dieser Gruppe von Nachwuchsparlamentariern dabei.

«Unsere Volksschulgemeinde steht zur <DuSek>, der durchlässigen Sekundarschule», sagt Lutziger. Dementsprechend kämen die Schüler je zur Hälfte aus Stammklassen E und G. Dass in diesem Jahr jedoch viel mehr Mädchen als Buben mitfahren, sei eher aussergewöhnlich. Verstärkt wird die weibliche Fraktion noch durch Klassenlehrerin Eva Bruggmann als Begleitperson.

Wird eine Amriswilerin Nationalratspräsidentin?

Doch die Projektwoche in der Bundesstadt ist nicht etwa eine lockere Schulreise. Der Zeitplan für die Amriswiler Delegation, die in Bern als eine Fraktion auftritt, ist straff und intensiv. Nach dem Bezug der Unterkunft in einer Zivilschutzanlage nahe der Eishockeyarena müssen in der Fraktion noch letzte Vorbereitungen vor der Eröffnungsfeier getroffen werden.

In diesem Jahr nehmen nebst den 17 Amriswiler Jugendlichen auch Schüler aus Studen BE, Dietikon ZH und zwei Klassen aus Le-Mont-sur-Lausanne VD teil. Diese fünf Fraktionen wählen an der Eröffnungszeremonie Nationalratspräsidenten (oder die Präsidentin) und dessen Vize.

«Die meisten anderen Schulen schicken jeweils eine ganze Klasse», erzählt Markus Lutziger. Da käme es immer wieder mal vor, dass dort schon am ersten Tag Schüler aus disziplinarischen Gründen nach Hause geschickt würden. «Bei uns melden sich alle freiwillig für diese Woche und sind dementsprechend auch motiviert.» Probleme mit der Disziplin habe er deshalb noch nie gehabt, sagt Lutziger.

Schülerin Beata Schönenberger ist eine dieser Freiwilligen. Sie freut sich auf die ungewöhnliche Schulwoche und ist zugleich Kommissionspräsidentin der Amriswiler zur Initiative «Fairtrade – Menschenrechte für alle», welche die Klasse aus Dietikon lanciert hat.

Besuch der US-Botschaft einer der Höhepunkte

«Auch die Fraktions- und Kommissionssitzungen werden von den Jugendlichen geleitet», sagt Lutziger. «Das sind erste Momente im Leben, wo die Schüler sagen, <Hey, das ist schon noch eine Riesenkiste hier> und Verantwortung übernehmen.»

Beata Schönenberger freut sich darauf, am Rednerpult des Nationalrates zu stehen, aber auch auf das Zusammentreffen mit den Jugendlichen aus der Westschweiz. Alle Reden werden professionell und simultan übersetzt. Dennoch ist Schönenberger etwas nervös, auch wegen des Französischen. Sie wolle ja auch in der Wandelhalle mit den welschen Kollegen sprechen.

Für ihren Lehrer ist einer der Höhepunkte am Donnerstagmorgen. «Jedes Jahr können die Klassen eine Botschaft besichtigen», sagt Lutziger. «Und in diesem Jahr dürfen wir in die Gesandtschaft der USA. Ausgerechnet einen Tag nach den Präsidentschaftswahlen. Das ist toll.»

Aber auch ein Treffen mit Nationalrat Markus Hausammann oder eine historische Stadtbesichtigung erwarten seine Schützlinge. Es dürfte für sie eine unvergessliche Zeit werden, denn Lutziger weiss aus früheren Jahren: «Im Bundeshaus zu sein, das ist für die Schüler ein gewaltig emotionales Erlebnis.»