Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

AMRISWIL: Eine Frau, ein Velo und ein Cello

Die dänische Cellistin Ida Johanne Kühn Riegels reist mit ihrem Fahrrad entlang des Rheins. Ab und zu verlässt sie die Route, um ein Konzert zu geben – so wie morgen Abend um 19 Uhr im Kirchgemeindehaus.
Manuel Nagel
Nach dem gestrigen Mittagskonzert in der Kirche St. Laurenzen in der St. Galler Altstadt fahren Ida Johanne Kühn Riegels und ihr Freund Esben in Richtung Amriswil weiter. (Bild: Manuel Nagel)

Nach dem gestrigen Mittagskonzert in der Kirche St. Laurenzen in der St. Galler Altstadt fahren Ida Johanne Kühn Riegels und ihr Freund Esben in Richtung Amriswil weiter. (Bild: Manuel Nagel)

Manuel Nagel

manuel.nagel@thurgauerzeitung.ch

«Ich habe so eine wunderschöne E-Mail von Dagmar Grigarova bekommen», erzählt Ida Riegels von ihrem ersten Kontakt mit Amriswil. Morgen Freitagabend macht die Dänin Halt auf ihrer Tournee im Kirchgemeindehaus.

Die Konzerttournee der Cellistin ist in mehrerer Hinsicht speziell: Zum einen hat sie ihr Instrument selbst gebaut, zum anderen legt sie die ganze Strecke mit dem Velo zurück – vom Ursprung des Rheins bis nach Holland, wo der Fluss in die Nordsee fliesst. «1000 Kilometer Cello» nennt Riegels deshalb ihr Projekt.

Ein Duett mit dem Rhein

Die Idee für diese Tournee dem Rhein entlang kam ihr schon vor rund einem Jahr. Im Januar begann sie dann mit den Vorbereitungen. «Viel zu spät», hadert Ida Riegels mit sich selbst und erzählt, wie die Konzertorte zustande gekommen sind. «Ich habe auf der Strecke entlang des Rheins jeweils ‹Kirche› bei Google Maps eingegeben. Und in der Nähe von Amriswil bin ich dann auf eure evangelische Kirche gestossen», sagt die Musikerin. Sie habe viele Anfragen geschrieben, doch nicht immer habe sie eine Antwort bekommen – und schon gar nicht so eine nette wie von der Amriswiler Organistin Grigarova.

Letzten Freitag startete Ida Riegels in Tschamut bei der Rheinquelle, wo sie ein «Duett mit dem Fluss» spielte. Zuhörer waren nur wenige vor Ort. Doch schon auf dem Weg nach Chur, wo sie ein Strassenkonzert gab, habe es viele schöne Begegnungen mit Velofahrern gegeben. Ein Artikel in der «Südostschweiz» machte die Bündner auf Riegels aufmerksam und so sei sie mit ihrem auffälligen roten Cello-Kasten auch einige Male angesprochen worden.

Sie sieht sich als Botschafterin der klassischen Musik. Diese dürfe sich nicht in einem Elfenbeinturm abspielen, sondern müsse für alle zugänglich sein und die Leute müssten auch nicht besonders gekleidet an ein Klassikkonzert kommen, findet sie.

In einem Sommerkurs zum eigenen Cello

Ihre ungewöhnliche Tournee, so hofft sie, würde es erleichtern, dass Leute zu ihrem Konzert kommen, die sonst vielleicht kein Klassikkonzert besuchen würden. Das Verbindende der Musik, die Kommunikation, die dadurch entsteht, ist Ida Riegels wichtig.

Eine besondere Beziehung hat sie auch zu ihrem Instrument. Für ihr Projekt brauchte sie ein Cello mit besonderen Massen. Es sollte etwas kürzer sein, damit sie das Cello beim Velofahren auf dem Rücken transportieren kann, und dennoch eine gewisse Breite haben. «Ich konnte keinen Geigenbauer überzeugen, dass er mir ein solches Instrument herstellt», erzählt Ida Riegels. Und so beschloss sie, ihr Cello selbst zu bauen. Dazu ging sie im letzten Sommer nach Cambridge in eine Sommerschule und lernte dort, wie man ein Cello baut. Die zwei Wochen im Juli reichten jedoch nicht, um das Instrument fertigzustellen. Also musste sie zu Hause in Kopenhagen den Rest erledigen. Weil sie keine Werkstatt hat, musste sie sich sämtliche Werkzeuge über Ebay besorgen, sagt Riegels. «Im letzten Monat habe ich jedoch die Werkstatt eines Geigenbauers in der Nähe von Kopenhagen benutzt, weil ich sonst nicht fertig geworden wäre.»

Kleiner Kratzer, grosse Operation

Dass die Tournee entlang des Rheins fast ins Wasser gefallen wäre, lag jedoch nicht am knappen Fertigstellungstermin ihres Instruments, sondern an einer Operation am Zeigefinger ihrer rechten Bogenhand. «Es war ein Unfall, nur ein kleiner Kratzer, aber es hatte nichts zu tun mit dem Cellobau, obwohl man sich dort immer wieder mal einen Holzspliter einfängt», stellt Ida Riegels klar. Aus dem kleinen Kratzer wurde eine Entzündung und die Musikerin musste vier Tage ins Krankenhaus und sich zweimal unter Vollnarkose operieren lassen – dies nur wenige Tage vor ihrem Tourneestart. Es schmerze zwar, aber der Bogen liege nicht direkt auf dem Schnitt.

Somit konnte sie im Vorfeld ihr neues Cello noch nicht häufig ausprobieren. Wie eine Person, so müsse man auch ein Cello kennen lernen und eine Beziehung aufbauen. Sie habe sich immer schnell in ihre Instrumente verliebt, doch zu ihrem Eigenbau sei es etwas ganz Besonderes, sagt Riegels. «Ich freue mich nun zu hören, in welche Richtung sich unsere Beziehung entwickelt.»

Hinweis

Ida Riegels hat einen Blog auf ihrer Website: www.ida-riegels.dk

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.