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AMRISWIL: Ein Haus mit Charakter

Ein vermutlich aus dem 17. Jahrhundert stammendes Bauernhaus im Ortsteil Gizehus wird zu einem Mehrfamilienhaus. Die Besitzerin arbeitet mit der Denkmalpflege zusammen.
Rita Kohn
Stefan Mayer blickt durch die Zimmerflucht im alten Bauernhaus in Gizehus. (Bild: Rita Kohn)

Stefan Mayer blickt durch die Zimmerflucht im alten Bauernhaus in Gizehus. (Bild: Rita Kohn)

Rita Kohn

rita.kohn@thurgauerzeitung.ch

Wann das Haus gebaut wurde, weiss niemand so genau. Aus dem späteren 17. Jahrhundert dürfte es stammen, zumindest der älteste Hausteil. Bald wird dem seit einiger Zeit leer stehenden Gebäude neues Leben eingehaucht. Die Hess Investment AG, der das Gebäude gehört, ist dabei, das alte Haus umzubauen und es in sechs Mietwohnungen aufzuteilen.

«Wir wollen das Gebäude nicht verkommen lassen», sagt Stefan Mayer von der Hess Investment AG. Lukrativ werde der Umbau ganz bestimmt nicht. Das unter anderem deshalb, weil das Gebäude im Schutzplan für Kulturobjekte als «wertvoll» eingestuft ist und damit eine Renovation aufwendig wird. «Die Denkmalpflege war von Anfang an in unser Vorhaben eingebunden», versichert Stefan Mayer.

Den Charme des Hauses beibehalten

Die Renovationsarbeiten sind bereits angelaufen. Stefan Mayer führt durch die Räume, die für den Umbau vorbereitet werden. Einzelne Bereiche, wie etwa die grossen Räume im jüngsten der drei Baukörper werden in ihrer Eigenart erhalten. «Wir haben beispielsweise die Böden sorgfältig herausgenommen. Wenn das Gebäude restauriert ist, kommen die Böden wieder hinein.» Auch Wände und Decken in diesen Räumen werden ihren Charakter behalten.

Andere Bereiche des Gebäudes waren bereits in einem so schlechten Zustand, dass sie nicht erhalten werden konnten. Das betrifft vor allem die Nordseite des Hauses. Hier entstehen die neuen Küchen und sanitären Einrichtungen der sechs Wohnungen, ohne dass dafür die Aussenhülle stark verändert wird. Erhalten bleiben damit auch die Lauben, die unter anderem den Charakter des alten Bauernhauses ausmachen.

Wo noch bis vor wenigen Jahren zwei Mietparteien wohnten, werden es nach dem Umbau sechs sein. Entstehen werden zwei 3-Zimmer-Wohnungen und vier 2-Zimmer-Wohnungen. «Wir haben uns bewusst für eine Mietlösung entschieden, um weiterhin über das Gebäude bestimmen zu können», bekennt Klaus Morlock von der Hess Investment AG. Er ist überzeugt, dass sich Mieter finden lassen, die den besonderen Charakter der Wohnungen und die Kombination von alter Bausubstanz und modernem Ausbau zu schätzen wissen.

Für jeden Mieter ein Stück Garten

Noch ist nicht ganz klar, wie die Zuteilung des Grundstücks um das Haus erfolgen wird. Doch plant die Eigentümerin, jedem Mieter ein Stück Garten zur Verfügung zu stellen, auf dem auch Gemüse angebaut werden kann. Die Lage und die Vergangenheit des Grundstückes um das einstige Bauernhaus seien ideal dazu, ist Stefan Mayer überzeugt. Der eigene kleine Garten stelle einen bedeutenden Mehrwert für die Wohnungen dar.

Das Interesse am Schicksal des Hauses ist gross. «Das Gebäude liegt an einem gut besuchten Spazierweg», sagt Stefan Mayer. Da würden viele mitbekommen, dass mit dem Gebäude nun etwas geht. Er ist froh, dass die Sanierung nun angelaufen ist. Seit die Mieter aus dem Gebäude ausgezogen sind und das Haus leer stand, sind immer wieder Vandalen eingezogen und haben ihre Spuren hinterlassen. «Im Dachboden hatten sie sogar eine Feuerstelle», sagt Mayer. «Die Vandalen liessen sich auch nicht davon abhalten, dass es längst keinen Strom und kein Wasser mehr gab im Gebäude.» Dank der örtlichen Nähe hätten immer mal wieder Hauswarte von der Hess Investment AG nach dem Rechten geschaut und die Zugänge neu mit Brettern vernagelt.

Bauernhaus und Restaurant

Wie alt das Haus wirklich ist, weiss niemand. 2014 bekam das Haus nach einer dendrologischen Untersuchung die Jahreszahl 1688 für die Erstellung des ersten Gebäudes. Damals vor 330 Jahren hatte das Haus nur etwa ein Drittel der heutigen Grösse. Zweimal wurde das Gebäude in der Zeit erweitert. In den Unterlagen wird darauf hingewiesen, dass das Bauernhaus früher auch eine Wirtschaft war. Der Name dieser Wirtschaft ist unbekannt.

Ursprünglich war es ein Riegelhaus. Im Inneren ist dies noch fast in jedem Zimmer zu sehen. Im Laufe der Jahrhunderte und durch die Vergrösserungen des Hauses bekam das Gebäude auch Bohlenständerwände und gemauerte Teile. Zuletzt trug die Fassade des Hauses einen Schindelschirm. Wegen der Vorgaben der Denkmalpflege muss mit einer Bausumme von 3,5 Millionen Franken gerechnet werden.

Ab 1955 bis 2013, also während fast 60 Jahren, wurde der Hof durch die Pächterfamilie Graf bewirtschaftet. Mit über 40 Milchkühen, einer beachtlichen Schweinezucht und einem grossen Obstgarten gehörte dieser Hof zu den grösseren Betrieben. Heute ist das Land an den jungen Agronomen Markus Oettli aus Hemmerswil verpachtet. 1955 war das Gebäude von der damaligen Besitzerfamilie Höhener an den Textilunternehmer Hermann Hess-Weiss verkauft. Heute gehört es der Hess Investment Gruppe, deren Inhaber Hermann Hess der Enkel des damaligen Käufers ist. (euf)

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