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AMRISWIL: Ein Frühlingsbild aus einem Wintermantel

Im Ortsmuseum erzählte Armin Fehr von seiner Mutter Lina, einer naiven Künstlerin. Im Herbst 2014 vermachte er der Stadt über hundert vorwiegend textile Werke. Ergänzend zur vorhandenen Dokumentation ist nun eine weitere Broschüre erschienen.
Armin Fehr erzählt von den Werken seiner Mutter Lina Fehr-Spühler, einer naiven Künstlerin. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Armin Fehr erzählt von den Werken seiner Mutter Lina Fehr-Spühler, einer naiven Künstlerin. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

«Es war einmal ein Müller, der prahlte vor dem König, seine Tochter könne Stroh zu Gold spinnen», begann Armin Fehr mit der Erzählstunde im Amriswiler Ortsmuseum. Auf humorvolle Art erzählte er das Märchen vom Rumpelstilzchen und erklärte so die vierteilige Rumpelstilzchen-Wandbilderserie seiner Mutter Lina. Armin Fehr war nicht nur ein begnadeter Lehrer, er ist auch ein hervorragender Märchen- und Geschichtenerzähler. Mit seinen eindrücklichen Erläuterungen vermochte er die zahlreich erschienenen Zuhörer am Museumssonntag in seinen Bann zu ziehen.

Der pensionierte Lehrer, der während Jahrzehnten in Oberaach und Amriswil unterrichtete, wusste viel Spannendes von den ausdrucksstarken Werken seiner Mutter Lina Fehr-Spühler zu berichten. Gleichzeitig stellte er die neu erschienene Broschüre vor, die ergänzend zur Dokumentation aus dem Jahr 2016 mit allen Werken von Lina Fehr herausgegeben wurde.

Nach Vaters Tod blieb das Kleidungsstück im Estrich

Lina Fehr-Spühler war eine bekannte naive Künstlerin. Gegen 120 von Hand genähte Bildteppiche sowie Pastelle der im Jahr 1980 verstorbenen Niederaacherin haben Armin und Nelly Fehr-Trüb der Stadt Amriswil vermacht. Bei den überwiegend textilen Werken von Lina Fehr handelt es sich unter anderem um Sujets aus Amriswil und Umgebung sowie der klassischen Märchenwelt. Faszinierend an diesen Werken sind besonders die Details von der Natur und den Menschen. Nicht selten wurde Fehr mit der grossen amerikanischen naiven Künstlerin Anna Robertson verglichen und hat sie deshalb als «Grandma Moses aus Niederaach» bezeichnet.

Armin Fehr zeigte auf einen schwarzen Wandbehang mit Blütenbäumen und sagte: «Im Winter trug mein Vater seinen ‹Öberzücher›. Daraus hat meine Mutter dieses Bild gemacht.» Mit ‹Öberzücher› meinte der Erzähler den Wintermantel. Denn nach dem Tod seines Vaters blieb das Kleidungsstück in einem Kasten im Estrich, bis seine Mutter die Blütenbäume darauf applizierte und stickte.

Armin Fehr mag sich noch gut erinnern an die heruntergefallenen Schneekristalle, die auf dem dunklen Wintermantel sassen. «Stattdessen sitzen nun weisse Tupfen auf dem Stoff, es sind die Blüten an den Bäumen.»

Das Grab an einem anderen Ort platziert

Ganz am Ende der Schaffenszeit von Lina Fehr ist der Wandteppich mit der Kirche Sommeri entstanden. Darauf sind Bäume und Sträucher frei gestaltet. «Das Grab meines Vaters, der in Sommeri bestattet war, lag hinter der Kirche verborgen.» Seine Mutter habe das Grabmal aber zwischen Baum und Chor der Kirche platziert, damit es alle sehen können. Das textile Bild stamme aus dem Jahr 1977. «Ich habe meiner Mutter geholfen, das Entstehungsjahr hinzuschreiben. Sie war zu schwach, um es alleine zu machen, sagte Armin Fehr.

Die Dokumentation aus dem Jahr 2016 zeigt sämtliche Bilder von Lina Fehr. Armin Fehr erzählte bei verschiedenen Gelegenheiten, wie seine Mutter arbeitete und wie sie manche Werke kommentierte. Die neue Dokumentation gibt nun Auskunft über diese Erzählungen und Kommentare. Im Ortsmuseum kann eine Ausstellung mit einigen Wandbehängen Lina Fehrs zu Amriswiler und Thurgauer Themen besichtigt werden. Ab und zu werden die Werke ausgewechselt.

Enzian geschenkt bekommen

Mit einem kräftigen Applaus bedankte sich das Publikum beim Erzähler. «War das schön heute», äusserte sich so mancher Museumsbesucher zufrieden. «Armin Fehr war mein Unterstufenlehrer. Seine Mutter zeigte uns manchmal ihre Märchenwandbehänge und erzählte jeweils die Geschichten dazu», sagte Ursula Geiger-Fischer aus Amriswil.

Alfred Egli aus Oberaach führte ein Innendekorationsgeschäft. «Geschäftlich war ich ab und zu bei Lina Fehr. Dann hat sie mir ihre kunstvollen Märchenwandbehänge gezeigt – und ich musste erraten, um welches Märchen es sich handelt.»

Und Berti Frischknecht aus Niederaach sagte: «Lina Fehr war meine Nachbarin, eine ganz liebenswürdige Person. Sie hat mir einst ein Enzian-Pflänzchen geschenkt. Seither blühen diese Blumen jedes Jahr in meinem Garten und erinnern mich an die wunderbare Künstlerin.»

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer

amriswil@thurgauerzeitung.ch

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