AMRISWIL: «Ein bisschen schüchtern»

Zweieinhalb Stunden lang kamen Musicalfreunde am Samstagabend auf ihre Kosten. Allerdings war der Besucheraufmarsch im Pentorama doch eher bescheiden.

Manuel Nagel
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Der Ungar Istvan Csiszar, hier als Phantom der Oper, und die Deutsche Katrin Mayer, hier als Christine, Protégée des Phantoms, schlüpfen an diesem Abend in viele Musicalrollen. (Bild: Manuel Nagel)

Der Ungar Istvan Csiszar, hier als Phantom der Oper, und die Deutsche Katrin Mayer, hier als Christine, Protégée des Phantoms, schlüpfen an diesem Abend in viele Musicalrollen. (Bild: Manuel Nagel)

Manuel Nagel

manuel.nagel@thurgauerzeitung.ch

«Grüezi wohl Amriswil! Geht’s Ihnen gut?», fragt Musicaldarstellerin Maria Anna Rosenberg ins Publikum. Es ist wohl auch als Weckruf gedacht, denn die rund 400 Personen im Pentorama sind während der ersten Dreiviertelstunde doch eher verhalten. Das liegt nicht an der Darbietung der vier Hauptdarsteller, welche nicht nur sämtliche rund 40 Lieder aus 16 Musicals mit klarer Stimme singen, sondern auch blitzschnell die Kostüme und somit die Rollen wechseln. «Wir wollen alle Hände ­sehen. Ihr könnt auch gerne mitsingen», sagt Rosenberg und versucht Stimmung zu erzeugen, als kurz vor der Pause das Medley aus dem Abba-Musical «Mamma Mia!» auf dem Programm steht. Das sei für sie zu sehr Halligalli gewesen, sagt Anna-Greta Roth aus Märstetten. Auch sei sie etwas enttäuscht über die Ton­qualität in den hinteren Rängen. «Wie wenn der Bass gefehlt hätte. Aber vielleicht war das auch, weil der Saal halbleer war.» Doch die Besucherin ist beeindruckt von der Leistung der vier Sängerinnen und Sänger. Einzig Stücke aus «Les Misérables» habe sie an diesem Abend vermisst.

Szenen aus "Rocky"... (Bild: Manuel Nagel)
9 Bilder
....mit Micha van de Weg als Boxer Rocky... (Bild: Manuel Nagel)
...mit Maria Anna Rosenberg als seine Frau Adrienne.... (Bild: Manuel Nagel)
...und mit Istvan Csiszar als Apollo Creed. (Bild: Manuel Nagel)
Die Pentorama-Bühne wird zum Boxring. (Bild: Manuel Nagel)
Katrin Mayer und Istvan Csiszar in "Das Phantom der Oper". (Bild: Manuel Nagel)
"The Rocky Horror Show" mit Micha van de Weg (als Dr. Frank N. Furter). (Bild: Manuel Nagel)
Das ganze Ensemble in «Ich war noch niemals in New York» . (Bild: Manuel Nagel)
Das Publikum im Pentorama wird zum Mitmachen animiert. (Bild: Manuel Nagel)

Szenen aus "Rocky"... (Bild: Manuel Nagel)

Musicals von Pop- und Rock-Gruppen kommen gut an

Dafür ist Erich Schrepfer aus Amriswil mit den Abba-Songs voll auf seine Kosten gekommen. Das sei sein Lieblingsmusical, und auch sonst sei er ein grosser Musicalfan.

Nebst den Popsongs von Abba kommt auch das Queen-Musical gut an beim Publikum. Zu «We will rock you» klatschen fast alle. Die einen singen dazu laut mit, andere leise vor sich hin. Beim Medley des Musicals «Ich war noch niemals in New York» von Udo Jürgens mit dessen Hits wie «Siebzehn Jahr, blondes Haar» oder «Aber bitte mit Sahne» wird es für einmal sogar richtig laut im Saal.

Bei den klassischen Stücken aus «Phantom der Oper» oder «Cats» lauschen die Besucher jedoch fast andächtig den wunderschönen Stimmen der Dänin Maria Anna Rosenberg und der Deutschen Katrin Mayer sowie des Ungarn Istvan Csiszar und des Niederländers Micha van de Weg. Alle vier bringen jahrelange Erfahrungen aus verschiedenen Musicalproduktionen mit. Beim Song «The Rose» aus dem gleichnamigen Musical, ursprünglich gesungen von Bette Midler, offenbaren sie vierstimmig und a cappella ihre gesangliche Klasse.

Nebst diesem Quartett stehen auch acht Tänzerinnen und Tänzer der Broadway Musical Dance Company auf der Bühne. Deren Choreographien und die prächtigen Kostüme zu jedem der 16 Musicals machen den Abend zum Erlebnis.

Zum Schluss der über zwei Stunden dauernden Show animiert Micha van de Weg die Besucher, aufzustehen und zu einem Lied von «The Rocky Horror Show» mitzusingen und zu tanzen. «Ein bisschen schüchtern», findet er die Bemühungen des Publikums beim ersten Versuch. «Das geht noch lauter.»

Und es ging tatsächlich lauter, und zum Ende kamen die Besucher doch noch aus sich heraus.