AMRISWIL: Ein Appenzeller aus dem Kongo

Micael Dikantsa ist neuer Dirigent des Brassband-Posaunenchors Amriswil. Der 36jährige gebürtige Kongolese hat einen spannenden Weg hinter sich und ist nun «Music & Gospel Arts»-Leiter der Heilsarmeen Schweiz, Österreich, Ungarn.

Manuel Nagel
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Micael Dikantsa dirigiert die Bläser vom Brassband-Posaunenchor Amriswil während ihrer Probe im Hemmerswiler Schulhaus. (Bild: Manuel Nagel)

Micael Dikantsa dirigiert die Bläser vom Brassband-Posaunenchor Amriswil während ihrer Probe im Hemmerswiler Schulhaus. (Bild: Manuel Nagel)

AMRISWIL. «Ich bin ein stolzer Appenzeller», sagt Micael Dikantsa lachend, und schiebt gleich noch seinen Bürgerort hinterher: «Von Trogen.» Die Geschichte, in welcher der Afrikaner schliesslich in der Ostschweiz landet, besteht aus vielen Kapiteln.

Alles beginnt im Kongo, wo Micael Dikantsa gut Englisch spricht. In der ehemals belgischen Kolonie – und somit frankophon – keine Selbstverständlichkeit. Dadurch ergeben sich für den musikbegeisterten Autodidakten Kontakte nach London, zu Leuten von der Salvation Army, der Heilsarmee.

«Wäre noch in England»

«Durch diese Beziehungen und wegen der schwierigen Situation im Kongo mit Bürgerkrieg» bekam Dikantsa die Gelegenheit, ein Praktikum in England zu finden, «und um meinen Horizont zu erweitern», wie er es selber ausdrückt.

In den siebeneinhalb Jahren auf der Insel lernt Micael auch seine zukünftige Frau Claudia kennen. «Sie war in Kanada, wo sie auf eine gute Kollegin von mir getroffen ist», verrät Dikantsa und sagt: «Wenn ich Claudia nicht getroffen hätte, wäre ich sicher noch irgendwo in England.»

Von Zürich nach Wil

So kam Dikantsa also 2006 in die Schweiz, aber nicht in die Ostschweiz. Sechs Jahre lebte das Paar in Zürich, bis sie dann nach Wil zogen, weil seine Frau in der Gegend aufgewachsen ist. In Wil leben sie immer noch, mittlerweile aber zu Dritt mit der dreijährigen Tochter Kehla.

«Wir konnten das Haus von der Grossmutter meiner Frau übernehmen. Sonst hätten wir uns wohl eher in Richtung Bern orientiert, weil ich für die Heilsarmee arbeite», erklärt Micael Dikantsa, den jedoch alle nur Mike nennen.

Bei der Heilsarmeezentrale in Bern ist er als «Music & Gospel Arts»-Leiter zuständig für die Schweiz, Österreich und Ungarn. Und so pendelt er nun zwischen der Ostschweiz und Bern, jedoch nicht täglich. «Da ich ja zuständig bin für die Schweiz, Österreich und Ungarn, bin ich etwa in die Mitte gezogen», meint er nicht ganz ernst und lacht dabei.

Mit 14 schon Berufsmusiker

Dikantsa erzählt, dass er bereits mit 14 im Kongo als Musiker sein Geld verdient hat. «Aber nicht einen Riesenlohn», stellt er gleich klar. Dennoch stellten sich für ihn schon früh die Weichen, wohin es beruflich gehen soll.

Dass dieser Weg auch nach Amriswil führt, hat mit Robert Bührers Rücktritt als Dirigent beim Brassband-Posaunenchor Amriswil zu tun, der diesen zwölf Jahre lang leitete.

«Ich hatte gerade Zeit»

Präsident Walter Schindler erkundigte sich unter anderem auch bei der Heilsarmee nach möglichen Kandidaten und stiess so auf die Mailadresse von Mike, der jedoch gerade im Ausland weilte und Sommerprogramm hatte. Es habe dann rund zwei Monate gedauert, bis er sich nach den Sommerferien meldete und zurückschrieb. «Und dann ergab sich eins nach dem andern», erinnert sich Walter Schindler.

«Ich hatte gerade Zeit», erklärt Dikantsa die Beweggründe für sein Engagement in Amriswil. Zudem wollte er neue Leute kennenlernen, da er vor allem mit Personen aus der Heilsarmee Kontakt hat. «Umso besser noch, wenn diese neuen Bekanntschaften auch im Glauben sind», betont der neue Dirigent.