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AMRISWIL: Ein allerletztes Konzert – vielleicht

Die Mundart-Rockband B’hörde kommt noch einmal zusammen. Am Samstag treten die Musiker im Bistro auf. Schlagzeuger Matti Fleischer erfüllt sich damit einen Wunsch, der einen tragischen Hintergrund hat.
Manuel Nagel
Martin Egli (Keyboard), Mino Mühlemann (Bass), Matti Fleischer (Schlagzeug), Beat Schmid (Gesang) und Fabiano Pede (Gitarre) proben im Sekundarschulhaus Grenzstrasse für ihr Konzert am kommenden Samstag im Bistro cartonage. (Bild: Manuel Nagel)

Martin Egli (Keyboard), Mino Mühlemann (Bass), Matti Fleischer (Schlagzeug), Beat Schmid (Gesang) und Fabiano Pede (Gitarre) proben im Sekundarschulhaus Grenzstrasse für ihr Konzert am kommenden Samstag im Bistro cartonage. (Bild: Manuel Nagel)

Manuel Nagel

manuel.nagel@thurgauerzeitung.ch

«Hatten wir das immer so schnell gespielt?», fragt Beat Schmid nachdem er die letzten Takte des Liedes «2 Arte vo Lüüt» gesungen hat, und dreht sich zu seinen Kollegen um. «Ich kann auch von 135 auf 125 runter», antwortet Matti Fleischer, der als Schlagzeuger das Tempo vorgibt. Die meisten Bandmitglieder sind um die 50 rum, aber nicht ihr Alter ist der Grund für die geforderte Temporeduktion. Viel eher feilen die Musiker noch am letzten Schliff für kommenden Samstag.

Denn es ist eine Weile her, als die Band ihre Hochphase hatte. Es war noch im letzten Jahrtausend, als «B’hörde» am 13. März 1999 in der alten Festhütte spielte. Auch auf anderen Konzertbühnen in der Region standen die Musiker und nahmen gegen Ende des Jahres 1999 bereits ihr drittes Album «Vera» auf.

Vier Jahre zuvor erschien die CD «Was ich dir wünsche isch» mit dem Lied «Nochbor» – und Nachbaren waren auch Schmid und Fleischer, die zusammen an der Weiherstrasse aufgewachsen sind. «In unserer Kindheit konnten wir uns aber nicht leiden», verrät Fleischer. Erst während ihrer Ausbildung am Semi Kreuzlingen fanden die zwei angehenden Lehrer menschlich und musikalisch zueinander. Zu den Gründungsmitgliedern gehörte nebst den zwei Amriswilern auch Marcel Anderwert, der ebenfalls am Lehrerseminar studierte.

Eine Verspätung brachte den Namen

Keyboarder Anderwert fehlt bei der Geberalprobe an diesem nebligen Samstagnachmittag im Februar. Wegen beruflicher Verpflichtungen konnte er nur am Vormittag dabei sein. Martin Egli ersetzt ihn nach der Mittagspause – was er auch schon früher gelegentlich tat. Am Konzert ist das Keyboard dann doppelt besetzt. Auch Martina Sommerau, Martin Eglis Frau, gehört zur neuen Formation. Sie spielt Blockflöte. Auf der Bühne fehlen werden hingegen die ursprünglichen Bandmitglieder Gregi Jeggi an der Leadgitarre und Sibi von Siebenthal am Bass. Letzterer wird vertreten von Mino Mühlemann, und für Jeggi springt Fabiano Pede ein, der mit seinen 36 Jahren der Jüngste ist – und der sichtlich Spass hat, zur «B’hörde» Ausgabe 2018 zu gehören.

Rund 30 Jahre ist es nun her, seit die Band ihren Namen bekommen hat. Zahlreiche andere Namen standen ebenfalls zur Diskussion, wie sich Matti Fleischer erinnert: «Ich unterrichtete 1988 als 21-Jähriger in Lommis. Ich liess meine Kollegen wissen, dass ich noch ‹B’hördesitzig› hätte und deshalb später zur Probe erscheinen würde. Da hat’s bei Beat klick gemacht.»

Nun sind also die meisten «B’hörde»-Mitglieder wieder vereint und musizieren zusammen. «Himmelwärts» nennt Matti Fleischer dieses Projekt, und so heisst auch die CD, welche «B’hörde» extra für dieses Konzert am Samstag hergestellt hat – in einer Auflage von nur 30 Stück. «Ich will nicht auf den CDs hockenbleiben», sagt Fleischer und lacht.

«Himmelwärts» ist aber auch eine Herzensangelegenheit für ihn. «Im vergangenen Jahr sind einige liebe Leute aus meinem Umfeld gestorben», sagt Fleischer und erzählt von einer Bekannten mit der Diagnose Krebs. «Scheiss drauf! Ich mach das, was ich noch will», habe sie gesagt – und der Satz ging Fleischer nicht mehr aus dem Ohr.

Fast alle haben zugesagt

Er wollte noch einmal seine Band zusammentrommeln und mit ihren Liedern auf der Bühne stehen. «Die Texte sind uns wichtig», sagt Matti Fleischer. Darauf habe die Band immer sehr viel Wert gelegt und sie hätten lange daran herumgefeilt. Deshalb singen sie auch Mundart: «Englisch konnten wir einfach nicht sagen, was wir wollten.»

Einige Bandmitglieder konnten nebst Familie und Beruf den zeitlichen Aufwand für das Comeback nicht bewältigen. Aber letztlich sagten fast alle zu, sodass das Projekt letzten Sommer ins Rollen kam und nun an diesem Samstagabend im Bistro cartonage abgeschlossen wird.

So war’s zumindest gedacht. Doch wer die Musikern beim Üben beobachtet, den überkommen leichte Zweifel, ob das Ende des Konzerts wirklich auch das Ende von «B’hörde» sein wird, denn die beiden Urgesteine Fleischer und Schmid scheinen wieder vom Bandvirus infiziert worden zu sein. Auf die Äste hinauswagen will sich aber noch keiner der beiden. Beat Schmid umschreibt ihre Situation wie folgt: «Wir fahren jetzt im Segelboot im Hafen herum – und vielleicht nehmen wir doch noch mal die Ausfahrt.»

Letztes Konzert «B’hörde»

Samstag, 25. Februar, 20.00 Uhr, Bistro cartonage, Bahnhofstr. 22, Eintritt 10 Franken.

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