AMRISWIL: Die Babys tummeln sich im Frühbeet

Die Schildkröten-Auffangstation beherbergt zurzeit rund 150 Panzertiere. Hermann Koller bietet ihnen eine vorübergehende oder feste Bleibe.

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
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Hermann Koller zeigt zwei Sporenschildkröten, die sich bei warmem Wetter in seinem Garten aufhalten. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Hermann Koller zeigt zwei Sporenschildkröten, die sich bei warmem Wetter in seinem Garten aufhalten. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer

amriswil@thurgauerzeitung.ch

Im Schildkröten-Kindergarten-Frühbeet, zwischen Heu und Holzpalisaden-Tunnel, tummeln sich derzeit etwa 15 Babys. Die Kleinen sind zwischen einem und sieben Jahre alt. Hermann Koller hebt eine Baby-Landschildkröte auf und erklärt, dass in diesem Gehege keines der kleinen Panzertiere schwerer als 300 Gramm sei. Seit vielen Jahren schon kümmert sich Hermann Koller um das Wohl von Schildkröten und nimmt diese in Obhut. Derzeit beherbergt er rund 150 Schildkröten in der Auffangstation – in seinem Heim und Garten. «Ich habe ein Sammelsurium an verschiedenen Landschildkröten, beispielsweise Sporenschildkröten, Griechische und Maurische Landschildkröten sowie diverse Wasserschildkröten-Arten», erzählt Hermann Koller.

Etwa 100 bis 150 Panzertiere finden jedes Jahr in der Auffangstation eine vorübergehende oder feste Bleibe. Leider werde ein Teil dieser Tiere bewusst in freier Natur ausgesetzt, sagt Hermann Koller. «Im vergangenen Jahr, kurz nach Weihnachten, wurden drei Wasserschildkröten-Babys in einer Kartonschachtel bei einer Entsorgungsstelle gefunden», erinnert er sich. Kantonstierarzt Paul Witzig vom Veterinäramt in Frauenfeld sagt dazu: «Wer Tiere aussetzt und erwischt wird, muss mit einer hohen Geldstrafe rechnen.»

Aber auch ausgebüxte Schildkröten, die gefunden wurden, oder solche, die nicht mehr als Heimtiere gehalten werden können, nimmt Hermann Koller in seiner Station auf.

Die Anschaffung will gut überlegt sein

Eine Anschaffung sollte gut überlegt sein. Wer sich eine Schild- kröte zulegt, sollte nämlich bedenken, dass diese sehr alt und zum jahrzehntelangen Lebens- begleiter werden kann. Eine gut gepflegte Schildkröte könne zwischen 80 und 150 Jahre alt werden. Zudem gehöre eine Schildkröte nach draussen ins Freigehege und nicht in ein Terrarium. Eine Schildkröte soll nur gehalten werden, wenn eine artgerechte und dauernde Pflege gewährleistet werden kann.

Für Koller ist es wichtig, dass die Schildkröten einen guten Platz bekommen. Geeignete Abnehmer zu finden für die Tiere, die vorübergehend in der Auffangstation sind, sei schwierig. In einem persönlichen Gespräch kläre er ab, ob sich die Interessierten zur Aufnahme eines Panzertieres eignen. Schildkröten seien faszinierende und sehr intelligente Tiere. Jede Schildkröte habe ihren eigenen Charakter, weiss der Schildkröten-Kenner.

Eine Herpesinfektion stellt eine tödliche Gefahr dar

Koller vermittelt nur gesunde Tiere, die auf Herpesviren getestet wurden. «Wenn eine Schildkröte das Körpergewicht von etwa 300 Gramm erreicht hat, wird ihr durch einen spezialisierten Tierarzt Blut entnommen», erklärt er. Dies sei wichtig, denn so könne eine allfällige Herpesinfektion – eine tödlich verlaufende Schildkröten-Seuche – frühzeitig festgestellt werden.

Tierliebend ist Hermann Koller seit frühester Kindheit, doch das Faible für Schildkröten zeigte sich erst später. Seine Frau Ulrike habe eine Griechische Landschildkröte mit in die Ehe gebracht. Diese habe sie als kleines Mädchen von ihren Eltern geschenkt bekommen. «Damals konnte ich mich für Schildkröten noch gar nicht begeistern», sagt Koller und lacht. Seither seien fast 40 Jahre vergangen. Seine Frau habe sich weitere Schild- kröten gekauft, und so habe auch er daran Freude bekommen. Irgendwann habe es sich dann einfach so ergeben: Die Schildkröten-Auffangstation entstand.

Hermann Koller war auch Mitbegründer und langjähriger Präsident der Schildkröten-Interessengemeinschaft Schweiz (Sigs), Sektion Ostschweiz. Hermann Koller hat Bäcker/Konditors gelernt und während 34 Jahren, bis zu seiner Pensionierung, als Laborant gearbeitet. Gefragt nach den Ferien, meint Hermann Koller: «Wir haben keine Ferien. Wir verbringen unsere Ferien zu Hause bei den Tieren.»

Informationen zur Schildkröten-Haltung unter www.sigs.ch.