AMRISWIL: Der frühe Traum vom eigenen Restaurant

Die Pizzeria «Eufrat» steht morgen im Zentrum der Sendung «Mini Beiz – dini Beiz». Für den Wirt Musa Tozman waren die Aufnahmen eine besondere Erfahrung.

Rita Kohn
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Musa und Fehime Tozman in ihrem Restaurant «Eufrat». (Bild: Rita Kohn)

Musa und Fehime Tozman in ihrem Restaurant «Eufrat». (Bild: Rita Kohn)

Eine Pizza mit zweierlei Belag? «Das ist für uns doch keine grosse Sache», sagt Musa Tozman. Dem Gast muss es schmecken, findet der Wirt vom Restaurant Eufrat und lächelt. Dann wird er wieder ernst. Dass es für den Gast stimme, sei einer der Gründe gewesen, weshalb er vor ein paar Jahren einen Restaurant-Neubau verwirklicht habe. «Heute werden kaum mehr Restaurants neu gebaut.» Als er den Entscheid traf, wirtete er noch im «Vesuvio» in Oberaach. «Das war für Leute, die behindert sind, keine gute Situation», blickt er zurück. Deshalb hätten sie darauf geachtet, dass der Neubau in jeder Hinsicht rollstuhlgängig ist.

Seine Gastfreundschaft und der Wunsch, dass sich alle wohlfühlen, hat ihm auch die Teilnahme an der Fernsehsendung «Mini Beiz – dini Beiz» eingetragen. «Als das Filmteam kam, waren wir zuerst schon ein wenig nervös», sagt er. Das habe sich dann aber schnell gelegt. «Es waren sehr nette Leute und wir haben uns alle gut verstanden.» Gestaunt habe er einzig, dass fast alle Fernsehleute aus Deutschland kamen.

Seit Jahren mit dem Volleyball verbunden

Warum das «Eufrat» für die Sendung nominiert wurde, weiss Muso Tozman nicht genau. Sicher, weil es den Gästen gefalle, mutmasst er. Und vielleicht spiele auch das Volleyball eine Rolle. Denn seit einigen Jahren ist der Amriswiler Wirt einer der Sponsoren von Volley Amriswil. Auf die Frage, ob er denn selber einst Volleyball gespielt habe, wehrt er mit einem Schmunzeln ab. Nein, es sei eher ein Zufall gewesen, sagt er. Einer seiner Gäste sei damals bei Volley Amriswil für die Werbung zuständig gewesen und er habe sich ihm zuliebe engagiert. Ein Engagement, das sich erweitert hat. «Heute sind wir wie eine grosse Familie», freut sich Musa Tozman, der längst auch Gefallen daran gefunden hat, Spiele in der Sporthalle mitzuverfolgen. Hinter im Lokal, auf der Fensterbank, steht der grosse Pokal vom Supercup, den die Mannschaft schon zum zweiten Mal holte. Ein sichtbares Zeichen dieser Verbundenheit.

Kurz nach der Lehre ein eigenes Lokal

Musa Tozman hat sich den Traum, ein eigenes Lokal zu betreiben, kurz nach seiner Lehre als Koch beim Restaurant Gambrinus in Amriswil erfüllt. «Sechs Monate nach Lehrabschluss habe ich erfahren, dass das ‹Vesuvio› zu haben wäre», sagt der Wirt rückblickend. Es sei eine harte Zeit gewesen für ihn und seine Familie, als sie aus dem Nichts gestartet sind. Dennoch ist der froh, dass er es getan hat.

Wieso aber italienische Küche, wo er doch gar kein Italiener ist? «Wir sind Aramäer» erklärt Musa Tozman. Die aramäische Küche sei jedoch sehr zeitaufwendig und erlaube es nicht recht, in einem Restaurant flexibel gehandhabt zu werden. Deshalb hätten sie sich für die schnellere und beliebte italienische Küche entschieden. Sehr zur Freude der Gäste, wie die positiven Echos zeigen. Eine Hommage an seine Heimat stelle aber der Name des Lokals Eufrat dar. Der Eufrat ist der Fluss seiner ursprünglichen Heimat.

Heimweh nach der Türkei hat Musa Tozman nicht. Er kam schon früh nach Amriswil und hat hier längst Wurzeln geschlagen. «Ich lebe länger hier, als ich dort gelebt habe», sagt er. Er fühle sich wohl hier und wolle nicht weg. Die drei Kinder haben er und seine Ehefrau Fehime in Amriswil aufgezogen. «Als sie noch klein waren, habe ich mich vor allem um die Kinder gekümmert», sagt Fehime Tozman. Inzwischen hilft sie jedoch ihrem Mann im Restaurant. Es sei nicht immer ganz einfach, die Familie und das Restaurant unter einen Hut zu bringen.

Rita Kohn

rita.kohn@thurgauerzeitung.ch

Die Sendung «Mini Beiz – dini Beiz mit Musa und Fehime Tozman wird morgen, 8. November um 18.15 Uhr im Fernsehen SRF 1 ausgestrahlt.