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AMRISWIL: «Das war übelstes Mobbing»

Schuldet das Kinderhaus Floh einer ehemaligen Angestellten rund 29000 Franken? Das Bezirksgericht Arbon wird darüber entscheiden müssen, ob die Klägerin zu Unrecht fristlos entlassen wurde.
Rita Kohn

Rita Kohn

rita.kohn@thurgauerzeitung.ch

Sie war eben zur Gruppenleiterin befördert worden, als es Beschwerden gab. Der jungen Erzieherin wurden happige Vorwürfe gemacht: Sie benutze während der Arbeit das Handy, mache damit Bilder von den Kindern und versende diese an die Eltern. Sie bevorzuge einige Kinder klar, stemple andere verbal ab: «Du redest wie ein kleiner Jugo». Manchmal esse sie mit dem Schöpfbesteck aus den Schüsseln, es reiche dann nicht mehr für alle Kinder, ohne dass sie in anderen Gruppen nachfrage. Und sie missbrauche ihre Stellung als Vorgesetzte.

Ein paar Monate, nachdem die Erzieherin verwarnt worden war, zog das Kinderhaus Floh die Konsequenzen und kündigte der jungen Frau fristlos. Eine ungerechtfertige Kündigung, findet der Anwalt der Klägerin. Sie fordert vom Kinderhaus Floh eine Zahlung von rund 29000 Franken. Darin enthalten ist auch eine Entschädigung für eine ungerechtfertigte Kündigung. Die Vorwürfe seien zwar bekannt gewesen, doch die Angestellte habe an sich gearbeitet und sei bemüht gewesen, ihr Verhalten zu ändern. Gegen sie sei aber übelstes Mobbing betrieben worden, macht der Anwalt vor Gericht geltend. Es sei nichts mehr vorgefallen, die Kündigung sei aus heiterem Himmel erfolgt. Das, nachdem man von Lernenden die Meinung über ihre Vorgesetzte eingeholt habe.

Schwangerschaft macht alles komplizierter

Was das Kinderhaus Floh zur Zeit der Kündigung noch nicht wusste: Die Erzieherin war gerade schwanger. Ist die Kündigung also unrechtmässig, so verlängert sich die Kündigungsfrist um einige Monate und damit auch die Zahlungspflicht der ehemaligen Arbeitgeberin. Der Anwalt des Kinderhauses stellt sich auf den Standpunkt, dass sehr wohl Gründe für eine fristlose Kündigung vorgelegen hätten. Die Befragung der Mitarbeiterinnen habe ergeben, dass gravierende Gründe vorlägen, das Arbeitsverhältnis per sofort zu beenden. «Wäre ich Eltern eines Kleinkindes, würde ich erwarten, dass eine Institution bei einem solchen Verhalten die Konsequenzen zieht», betont der Anwalt des Kinderhauses. Immerhin befänden sich die Kinder in einem für die Zukunft besonders prägenden Alter.

Von einer Selbstreflexion, wie sie die Klägerin vorgebracht hatte, habe das Kinderhaus nichts erfahren. Gegen die Unterstellung, man habe Auszubildende eine Leitungsperson beurteilen lassen, verwehrte sich der Anwalt. «Es sind Aussagen von Mitarbeiterinnen, die das Verhalten der Erzieherin aus eigenem Erleben beurteilen konnten.»

Während der Anwalt des Kinderhauses seine Überlegungen darlegt, schüttelt die ehemalige Mitarbeiterin immer wieder den Kopf oder zieht die Augenbrauen in die Höhe. Ihr Anwalt stützt sich in seiner Betrachtung auf einen Elternbrief, in dem 10 von 12 Eltern angeben, mit den Leistungen der Erzieherin zufrieden zu sein. Das sei unerheblich, findet der Anwalt des Kinderhauses. Denn die Eltern könnten nicht alles beurteilen, was die Leitung des Kinderhauses feststelle. Gerade wenn es darum geht, klare Grundsätze umzusetzen, wie etwa ein Handyverbot bei der Arbeit, sei dies für Eltern nicht nachvollziehbar. «Sie freuen sich über die Fotos von ihren Kindern und machen sich keine Gedanken über ein Handyverbot.»

Das Kinderhaus will kein Zeugnis ausstellen

Die Klägerin verlangt vom Kinderhaus Floh nicht nur Geld. Sie will auch, dass ihr ein Arbeitszeugnis ausgestellt wird, das sie in ihrem wirtschaftlichen Weiterkommen nicht behindert. Das aber verweigert das Kinderhaus. Es würde auf keinen Fall ein Zeugnis ausgestellt, das nicht mit den Erfahrungen übereinstimme, sagt der Beklagten-Anwalt vehement. Man wolle kein falsches Zeugnis ausstellen. Das Kinderhaus Floh sieht die Arbeitsbestätigung als geeignete Form. Der Anwalt der jungen Frau hingegen pocht darauf, dass sie ein Anrecht auf ein richtiges Zeugnis habe.

Vom Entscheid des Gerichts, ob die fristlose Kündigung gerechtfertigt war oder nicht, hängt ab, wie stark die Schwangerschaft und Niederkunft der Erzieherin Auswirkungen auf das Kinderhaus Floh hat. Die Richterin will mit den Parteien Gespräche führen – unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Alle Beteiligten sind überzeugt, dass ihr Standpunkt der Richtige ist. «Es sieht gut für uns aus», sagt einer der Vertreter der Arbeitslosenversicherung zufrieden. Die Arbeitslosenversicherung hat sich von Anfang an hinter die Klägerin gestellt und ihren Anspruch auf ein volles Taggeld anerkannt.

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