AMRISWIL: Das teuerste Spiel der Welt

Gordana Simic und Marco Beck reisen und spielen für ihr Leben gern. Um beide Leidenschaften ausüben zu können, hat das Paar «Catch the guest» entwickelt, welches sich vor allem an Erwachsene richtet.

Manuel Nagel
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Marco Beck heckt die nächste fiese Aktion aus, um Gordana Simic ein paar ihrer Hotelgäste abzujagen. (Bild: Manuel Nagel)

Marco Beck heckt die nächste fiese Aktion aus, um Gordana Simic ein paar ihrer Hotelgäste abzujagen. (Bild: Manuel Nagel)

AMRISWIL. «Es kann manchmal schon ein fieses Spiel sein», gibt Marco Beck unumwunden zu – und kurzerhand sabotiert er mit einem gemeinen Lächeln ein Hotel von Gordana Simic, das nun keine Gäste mehr aufnehmen kann.

Sonst mögen sich die Zwei jedoch. Simic und Beck wohnen in Amriswil, verreisen sehr gerne und sind zudem leidenschaftliche Spieler. Wieso also nicht ein Spiel zum Thema «Reisen» entwickeln, sagten sich die Juristin und der Maschinenbauingenieur.

Etwa tausend Stunden investiert

Das war anfangs 2015. Seither haben Simic und Beck viel Nerven, Geld und noch viel mehr Zeit in ihr gemeinsames Projekt gesteckt. «Rund tausend Stunden dürften es schon gewesen sein», schätzt Beck. «Andere leisten sich ein teures Auto oder sonst ein kostspieliges Hobby. Wir haben uns jetzt halt ein Spiel geleistet», sagt Simic. «Und wenn sich unser Spiel nicht verkaufen lässt, dann haben wir halt das teuerste Spiel der Welt», meint Beck lachend.

Deswegen tut es dem Paar schon weh, wenn sie mit dem Vorwurf konfrontiert werden, nur Geld damit verdienen zu wollen. Sie hätten das Spiel in China produzieren lassen können, «für einen Bruchteil der jetzigen Kosten», wie Beck verrät. Doch Qualität war ihnen wichtiger als Profit.

Um Geld geht es auch nicht bei «Catch the guest», was die Entwickler als eine Mischung aus Monopoly und Uno beschreiben. Man spielt um Hotelgäste. Wer zuerst eine bestimmte Menge «geschnappt» hat, gewinnt. Je nach Anzahl Gäste dauert das Spiel kürzer oder länger. Hat man nur 30 Minuten Zeit, spielt man halt um weniger Gäste. Diese Flexibilität ist eine der Stärken.

Neue Variante dank Kunden-Rückmeldung

Eine andere ist, dass man richtig gemein sein kann – ja sogar muss, um den Gegnern Hotelgäste zu klauen. «Das Spiel richtet sich deshalb eher an Erwachsene, auch wenn wir von Kindern wissen, die das Spiel lieben», sagt Beck. «Aber sie müssen damit umgehen können, dass man sie sabotiert und ihnen Knüppel zwischen die Beine wirft.»

Ein dritter Pluspunkt ist der Faktor Zufall, der durch Würfeln und Kartenglück gegeben ist. Es gewinnt nicht immer der mit der besten Taktik, auch wenn Leute, welche oft Spiele spielen, sicher einen Vorteil hätten, gibt Beck zu.

Aus seinem Ingenieurstudium konnte Beck viel in die Entwicklung einfliessen lassen. So führte er über Monate Statistiken, wie viele von welchen Karten es braucht, um das Spiel ausgeglichen zu gestalten. Und die Juristin Simic steckte alleine in die Spielanleitung zwei Monate, um jede Eventualität aufzuschreiben.

Trotzdem ist das Spiel noch ausbaufähig. Kunden fanden heraus, dass sich das Spiel zu viert auch in Zweierteams mit grossem Spass spielen lässt. Simic und Beck nahmen den Ball auf und ergänzten die neue Variante auf der Webseite ihres Spiels.