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AMRISWIL: Das Sterben ist vorbei

Gleich zwei Katastrophen haben den Hegibach in den letzten Jahren heimgesucht. Dank Fischereiaufseher Thomas Zellweger vermehren sich dessen Bewohner aber wieder.
Tobias Bolli
Gülle floss bei Hagenwil in den Hegibach und verursachte ein Massensterben. Der Bach erholte sich seither nur langsam. (Bild: Donato Caspari)

Gülle floss bei Hagenwil in den Hegibach und verursachte ein Massensterben. Der Bach erholte sich seither nur langsam. (Bild: Donato Caspari)

Tobias Bolli

tobias.bolli@thurgauerzeitung.ch

Sechs Jahre ist es her, seit die Fischpopulation im Hegibach dezimiert wurde. Gülle floss bei Hagenwil ins Gewässer und verursachte ein Massensterben – auf einer Länge von mehreren Kilometern. Für den kantonalen Fischereiaufseher Markus Zellweger war das eine Katastrophe: «Hinter jedem Fisch, der da getötet wurde, standen Tausende andere», bedauert Zellweger. Fische sind sogenannte R-Strategen. Das bedeutet, sie setzen bei der Fortpflanzung auf möglichst viele Nachkommen – für einen, der überlebt, verenden zahllose schon im Frühstadium.

Dieser gigantische Aufwand der Natur wurde 2012 schlagartig durch Gülle zunichte gemacht. «Natürlich hat mich das getroffen», gibt Zellweger zu. Der Hegibach sei damals in einem phänomenalen Zustand gewesen. Für Fische und Krebse herrschten ideale Lebensbedingungen, alles präsentierte sich so, wie sich das der Fischereiaufseher vorstellte. «Leider konnte dieser Zustand nicht von einem auf den anderen Tag wiederhergestellt werden», bedauert Zellweger.

Der Fisch ist des Fisches Wolf

Sechs Jahre nach der Gülle-Katastrophe sei es um den Hegibach zwar wieder gut bestellt. Doch vollständig erholt habe sich die Fischpopulation noch nicht. Die Anzahl der Fische müsse noch gesteigert und die Durchmischung verstärkt werden. Zu diesem Zweck siedelt Zellweger jeden Frühling Tausende junge Forellen an. Diese werden zunächst im Mühlebach für ihre neue Umwelt tüchtig gemacht. Ein Jahr lang verbringen sie da, bis sie eine Grösse von 13 bis 15 Zentimetern erreichen.

Warum aber werden sie nicht gleich im Hegibach ausgesetzt? «Fische sind erbarmungslose Wesen», sagt Zellweger. Kleine würden von den Grossen gejagt und ohne viel Federlesens aufgefressen. Selbst innerhalb der Artengrenzen gibt es kein Pardon: Der Hecht isst Hecht, der Barsch isst Barsch und auch die Forelle stürzt sich mit Heisshunger auf Ihresgleichen. Ausgerechnet diese so harmlos anmutenden Geschöpfe sind mithin eigentlich Kannibalen.

Stösst man beim Spazieren auf einen toten Fisch, könne dieser getrost liegen gelassen werden. Es gebe Leute, die solche Fische aus dem Bach entfernen und meinen, der Natur so einen Dienst zu erweisen. Tatsächlich aber erweisen sie ihr einen Bärendienst. «Die Natur regelt sich am besten selbst», erklärt Zellweger. Tote Fische würden in den Nahrungskreislauf eingespiesen und kämen dann etwa den Krebsen, der Gesundheitspolizei des Baches, zugute.

Finanziert werden die Wiederbesiedlungsmassnahmen von den lokalen Fischereipächtern. Sie werfen ihre Angel eher sporadisch aus und halten so den Druck auf das Gewässer tief. Etwa zehn Fische fangen sie laut Zellweger pro Jahr. «Sie betrachten das nicht als Leistungssport, sondern tun es aus Freude an der Natur», sagt Zellweger.

Neben Gülle gibt es noch eine andere Gefahr, die vor allem die im Bachgewässer wohnenden Edelkrebse bedroht. 2011 kamen sie mit der sogenannten Krebspest, einem hochansteckenden Pilz, in Berührung. Darauf wurde der ganze Bestand innert Kürze dahingerafft. Die Tierseuche war vor circa 200 Jahren aus Amerika eingeschleppt worden.

Damit sich das Massensterben nicht wiederholt, ruft Zellweger dazu auf, unter keinen Umständen Aquariumkrebse in Bächen auszusetzen. Einerseits sei das Leben dort nicht schöner; andererseits könnten die Tiere Träger der Krebspest sein. «Früher waren die Krebsbestände in Schweizer Bächen riesig», sagt Zellweger. Noch seine Mutter habe da, ohne lange suchen zu müssen, Krebse für das Abendessen geholt.

Von einer solch grossen Population lässt sich heute nur träumen. Dennoch geht es aufwärts: mit den Krebsen und im Allgemeinen. Dem Hegibach ist eine blühende Zukunft bestimmt – vor­ausgesetzt er bleibt weiterhin von Pest und Gülle verschont.

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