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AMRISWIL: Das Schweigen der Glocken

Weil die evangelische Kirche das alte Jahr nicht ausläutete, gab es einige Spekulationen. Nun stellt sich heraus: Es war nur ein Missverständnis.
Rita Kohn
Der Glockenstuhl der evangelischen Kirche Amriswil. (Bild: Donato Caspari)

Der Glockenstuhl der evangelischen Kirche Amriswil. (Bild: Donato Caspari)

Rita Kohn

rita.kohn@thurgauerzeitung.ch

14 Minuten hätten die Glocken läuten sollen. Aber es blieb still. Das Ausbleiben des Silvesterläutens gab zu manchen Spekulationen Anlass. Die schweigenden Kirchenglocken seien ein Zeichen dafür, dass der Islam die christlichen Werte verdränge, wurde von einigen Amriswilerinnen und Amriswilern vermutet. Andere bedauerten das Schweigen der Glocken als eine langsam verschwindende Tradition.

«Nächsten Silvester werden die Glocken wieder läuten», versichert aber Eliane Grossen. Sie ist Messmerin der evangelischen Kirche in Amriswil. Es sei nämlich einzig ein Missverständnis gewesen, dass die Glocken nicht läuteten. Eliane Grossen hat das Amt der Messmerin erst Mitte des Jahres übernommen. Damit auch die Zuständigkeit für das Glockengeläute. Das aber ist elektronisch gesteuert. Einzig das Aus- und Einläuten der Jahre war vom bisherigen Messmerpaar manuell gemacht worden. «Sie haben das als eine Art Ritual gesehen», erklärt Liliane Germann, Sekretärin der evangelischen Kirche Amriswil-Sommeri. Bei der Amtsübergabe ging dann der Hinweis vergessen, dass dieses Läuten nicht fest einprogrammiert ist.

Die Tradition ist den Leuten wichtig

«Es tut mir so leid, dass das passiert ist», sagt Eliane Grossen zerknirscht. Das ganze Team ist dennoch erstaunt, wie viele Reaktionen es auf das Ausbleiben des Läutens gab. «Den Leuten ist die Tradition wichtig», sagt Liliane Germann. Deshalb sei es auch kein Thema, das Glockengeläut zu reduzieren. «Wenn, dann müssten ohnehin die Kirchbürgerinnen und Kirchbürger darüber entscheiden», sagt sie.

Ein Geläut der Kirchenglocken gibt es bei Evangelisch Amriswil üblicherweise täglich um 6, 11 und 20 Uhr (im Winter um 18 Uhr) – dann aber jeweils nur von einzelnen Glocken. Dazu kommen das Samstagabendgeläute und das Ausläuten am Sonntag dazu. «Dann läuten die Kirchenglocken auch zu besonderen Anlässen wie etwa Trauungen oder Abdankungen», erklärt Liliane Germann.

Es gibt kaum Beschwerden gegen das Läuten

Obwohl die Kirchenglocken in vielen Kirchgemeinden immer mal wieder für Ärger sorgen, weil sich Anwohner beklagen, ist das bei der evangelischen Kirche kaum ein Thema. Seit Protesten im Jahr 2006 und dem damaligen Entscheid, das Geläut in der bisherigen Form beizubehalten, gab es keine Proteste mehr.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Katholischen Kirchgemeinde. Messmer Giuseppe Palmisano sagt, dass es in den vergangenen Jahren zwei Stimmen waren, die den Verzicht auf das nächtliche Läuten verlangten. Doch auch hier ist klar: Ohne zwingenden Grund wird nichts geändert oder weggelassen. «Es ist unsere Tradition, die hier gepflegt wird», sagt Palmisano.

Den Rücken gestärkt hat den Kirchgemeinden ein Bundesgerichtsentscheid von Ende 2017. Das höchste Schweizer Gericht hatte die bisherige Rechtssprechung bekräftigt, wonach der Viertelstundenschlag auch nachts ertönen darf. «Es ist ja auch nicht ein eigentliches Glockengeläute», erklären die Messmer Giuseppe Palmisano und Markus Schaltegger (Evangelisch-Amriswil) übereinstimmend. Da wird nur jeweils mit einem Hammer auf die Glocke geschlagen.

«Die Glocken haben wahrscheinlich geläutet»

Das fehlende Ausläuten bei der evangelischen Kirche hatte auch Beschwerden bei der katholischen Kirche zur Folge. «Ich kann mir nicht erklären, weshalb unsere Glocken das alte Jahr nicht ausgeläutet haben sollen», wundert sich Giuseppe Palmisano. Die Steuerung sei korrekt programmiert. «Wahrscheinlich war der Lärm durch das viele Feuerwerk einfach zu gross, sodass das Glockengeläute untergegangen ist», vermutet Palmisano.

Auch bei den Katholiken gibt es eine klare Läute-Ordnung. Diese stimmt in vielem mit derjenigen der evangelischen Kirche überein. Für Giuseppe Palmisano wäre es deshalb auch denkbar, sich untereinander zu einigen und die täglichen Morgen-, Mittag- und Abendläuten jeweils nur von einem Kirchturm erklingen zu lassen. Das sei aber nur seine ganz persönliche Meinung, schränkt er auch gleich ein.

Keine Beschwerden gibt es in Oberaach, obwohl die dortige evangelische Kirche die selben Läutzeiten kennt, wie die Kirche in Amriswil. In Oberaach ist das Ausläuten des alten Jahres in der Silvesternacht auch planmässig erfolgt.

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