AMRISWIL: Das Leben der Stadt in Filmen festgehalten

Im Ortsmuseum kamen über 100 Besucher in den Genuss von Impressionen aus dem einstigen Dorfleben Amriswil. Gezeigt wurden neu digitalisierte Filme des ehemaligen Amriswiler Zahnarztes Ruedi Hess.

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Rolf Hess zeigt die Bolex-Paillard-Normal-8-Filmkamera seines Vaters Ruedi. (Bild: Yvonne Aldrovandi)

Rolf Hess zeigt die Bolex-Paillard-Normal-8-Filmkamera seines Vaters Ruedi. (Bild: Yvonne Aldrovandi)

Dass es sich um einen ganz ­besonderen Museumssonntag handelt, zeigte sich am grossen Publikumsaufmarsch schon eine halbe Stunde vor Beginn des Anlasses. Etwa 110 Besucher fanden sich im Ortsmuseum in Amriswil ein und hatten teils gar keine Sitzgelegenheit. Museumspräsident Eugen Fahrni freute sich, so viele interessierte Gäste begrüssen zu dürfen – allen voran Verwandte des ehemaligen Amriswiler Zahnarztes Ruedi Hess. Der vor 13 Jahren verstorbene Ruedi Hess war aktiver Filmamateur und hatte mit seiner Normal-8- und Super-8-Filmkamera das Leben von Amriswil festgehalten. Es sind geschichtliche Dokumente mit über 100 Filmen aus längst vergangenen Zeiten – meist aufgenommen an öffentlichen Anlässen. Gezeigt wurden am Sonntagnachmittag einige der neu digitalisierten spannenden und unterhaltenden Filme.

Mit den Kleidern ins Schwimmbad gesprungen

Die Museumsgäste bekamen einen Einblick in den Schulalltag von Dino Larese. Der im 2001 verstorbene Dino Larese war nicht nur Primarlehrer in Amriswil, sondern zudem Autor von Theaterstücken, Jugendbüchern und Biografien. Daneben verstand er es, die Prominenz von überall her nach Amriswil zu holen – beispielsweise die Bundesräte Hans-Peter Tschudi und Nello Celio. Aber auch Opernsängerin Anneliese Rothenberger sowie der Dalai Lama, das geistliche Oberhaupt aus dem Tibet, hatten durch Dino Larese den Weg nach Amriswil gefunden. Dabei wurde das Wasserschloss in Hagenwil zu einem bedeutenden Treffpunkt der Prominenz, weil dort im Restaurant viele Anlässe ihren Abschluss fanden.

Am 27. Juni 1964 konnte das Amriswiler Schwimmbad eröffnet werden. An der Einweihungsfeier wagte Ruedi Hess, der auch Präsident der Schwimmbadkommission war, den Sprung ins kühle Nass samt Kleidern. Unter anderem wurde das Kutschenmuseum von Robert Sallmann, das im Jahre 1970 eröffnet wurde, gezeigt. Sallmann wollte das Fuhrwerk im motorisierten Zeitalter festhalten – nach der Idee vom Schloss Schönbrunn in Wien. Des weitern hatte Ruedi Hess die Einführung des Frauenstimmrechtes im 1971 und der damalige Mi­gros-Neubau, der kürzlich abgebrochen wurde, gefilmt. Zu sehen war ausserdem die weitgehend automatisierte Kehrichtverbrennungsanlage der Region Oberthurgau in Moos (Eröffnung 1975). Zum 100-Jahr-Jubiläum der Herrenbekleidung Hess AG im 1978 wurde auch der Wandel der Bekleidungsindustrie in einem Film festgehalten.

Abschliessend zeigte der ehemalige Amriswiler Zahnarzt Rolf Hess einige Exponate seines Vaters Ruedi, wie Filmkameras und Urkunden von Amateur-Filmwettbewerben, an denen Ruedi Hess mehrfach ausgezeichnet wurde.

 

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer

amriswil@thurgauerzeitung.ch