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AMRISWIL: "Dann wird es hier zur Todesfalle"

Am frühen Freitagmorgen ist die Seewasserleitung westlich der Turnhalle Freiestrasse geborsten. Drei Häuser sind stark betroffen. "Wir hatten grosses Glück", sagt Karl Spiess von der Regio Energie Amriswil.
Manuel Nagel
Anita Karaqi hält Ihre Tochter auf dem Arm und schaut sich den Schaden an. Hinter den beiden steht das Auto der Familie. Das Kindervelo und den Kindersitz der Tochter hat das Wasser vom Abstellplatz quer durch die stark verschmutzte Tiefgarage geschwemmt. (Bild: Manuel Nagel)

Anita Karaqi hält Ihre Tochter auf dem Arm und schaut sich den Schaden an. Hinter den beiden steht das Auto der Familie. Das Kindervelo und den Kindersitz der Tochter hat das Wasser vom Abstellplatz quer durch die stark verschmutzte Tiefgarage geschwemmt. (Bild: Manuel Nagel)

Als Saadet Klein um zehn nach sieben ihre Tochter in die Schule verabschiedet, ist alles noch normal an der Rütistrasse 26a. Doch keine fünf Minuten später läutet ihr Nachbar Sturm. Unmittelbar vor dem Hauseingang spritzt Wasser in riesigen Mengen aus dem Boden: 300 Liter pro Sekunde seien es gewesen, sagt hinterher Karl Spiess, Geschäftsführer der Regio Energie Amriswil.

Saadet Klein ruft den Notruf und fordert Hilfe an – und kassiert zuerst mal einen Rüffel, sie solle sich beruhigen und nicht so schreien. "Ich musste so laut sprechen, denn ich stand am Fenster, und der Lärm war ohrenbetäubend", sagt Saadet Klein. Kurz nach der Alarmierung bietet ihr ein anderer Nachbarn an, sie solle ihm doch die Autoschlüssel geben, damit er auch ihr Auto aus der Tiefgarage fahren könne.

Anita Karaqi hält ihre Tochter auf dem Arm und schaut sich den Schaden an. Hinter den beiden steht das Auto der Familie. Das Kindervelo und den Kindersitz der Tochter hat das Wasser vom Abstellplatz quer durch die stark verschmutzte Tiefgarage geschwemmt. (Bild: Manuel Nagel)
Feuerwehrkommandant Andreas Bösch steht im Türrahmen und zeigt auf die Türe. Das Wasser drückte sie ein und schleuderte sie durch die Tiefgarage. Das, obwohl die Türe sich gegen das Wasser geöffnet hätte. (Bild: Manuel Nagel)
Feuerwehrleute haben eine Wassersperre errichtet. Der Rohrbruch ereignete sich oben links im Bild. (Bild: Manuel Nagel)
Feuerwehrleute haben eine Wassersperre errichtet. Der Rohrbruch ereignete sich oben links im Bild. (Bild: Manuel Nagel)
Feuerwehrleute haben eine Wassersperre errichtet. Der Rohrbruch ereignete sich oben links im Bild. (Bild: Manuel Nagel)
Die Einfahrt zur Tiefgarage der drei betroffenen Liegenschaften ist völlig verschmutzt. (Bild: Manuel Nagel)
Schlamm wurde in die Tiefgarage gespült. (Bild: Manuel Nagel)
Einige Autos wurden von den Bewohnern noch rausgefahren, bevor die Wassermassen in die Tiefgarage eingedrungen sind. (Bild: Manuel Nagel)
Ein Feuerwehrmann macht im Keller sauber. (Bild: Manuel Nagel)
Hier, westlich der Turnhalle Freiestrasse, ist die Leitung geplatzt. (Bild: Manuel Nagel)
Saadet Klein (Bewohnerin): "Alles im Keller ist kaputt. Am meisten schmerzen mich die Fotoalben mit Fotos aus der Kindheit und von meiner Mutter, die verstorben ist." (Bild: Manuel Nagel)
Lindita Ravnobanja (Hauswartin Rütistrasse 26): "Die Rütistrasse 26a, b und c – alle diese drei Liegenschaften sind stark betroffen. Nun braucht es viel Zeit, um den Dreck wegzuräumen." (Bild: Manuel Nagel)
Karl Spiess (Regio Energie Amriswil): "Wir hatten grosses Glück, dass die Leitung nicht in der Nacht geplatzt ist." (Bild: Manuel Nagel)
Schulkinder bestaunen die Wassermassen. (Bild: Saadet Klein (Bewohnerin))
Der ganze Hauseingangsbereich ist überschwemmt. (Bild: Saadet Klein (Bewohnerin))
Der Ausseneingang zum Kellergeschoss von oben herab fotografiert. (Bild: Saadet Klein (Bewohnerin))
Der Ausseneingang zum Kellergeschoss ist vollgelaufen. (Bild: Saadet Klein (Bewohnerin))
Langsam geht das Wasser zürück. (Bild: Saadet Klein (Bewohnerin))
Gegenstände schwimmen im Keller herum. (Bild: Saadet Klein (Bewohnerin))
Bei diesem Bettgestell und der Schmutzlinie ist gut zu sehen, wie hoch das Wasser im Keller stand. (Bild: Saadet Klein (Bewohnerin))
Das Wasser hinterliess ein grosses Chaos in den Kellerabteilen. (Bild: Saadet Klein (Bewohnerin))
Der Keller war bis zum Fenster mit Wasser gefüllt. (Bild: Saadet Klein (Bewohnerin))
Überall liegen Sachen, die vom Wasser herumgeschwemmt wurden. (Bild: Saadet Klein (Bewohnerin))
Die Wassermassen drückten die kleine Mauer beim Abgang zur Tiefgarage einfach ein. (Bild: Saadet Klein (Bewohnerin))
Die Wassermassen drückten die kleine Mauer beim Abgang zur Tiefgarage einfach ein. (Bild: Saadet Klein (Bewohnerin))
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Wasserrohrbruch in Amriswil

Gegenstände sind ersetzbar, Menschenleben nicht

Eine verständliche Reaktion sei das, findet Feuerwehrkommandant Andreas Bösch, doch er rät eindringlich davon ab, in so Fällen noch Sachen retten zu wollen. Kurz nach halb acht war Bösch bereits vor Ort, und da stand das Kellergeschoss schon mannshoch im Wasser. "Für manche schaut es so aus, als würden wir nicht sofort loslegen", sagt Bösch. Doch einerseits sei bei Hochwasser der Schaden bereits da, andererseits müsse er zuerst auch sicherstellen, dass kein Strom im Wasser ist. "Die Sicherheit der Bewohner und meiner Leute hat absolute Priorität."

Wie gefährlich unüberlegte Rettungsaktionen sein können, zeigt der Feuerwehrkommandant anhand des unterirdischen Eingangs zur Tiefgarage. Die Türe, die sich gegen das Wasser geöffnet hätte, hielt dem enormen Druck nicht stand und wurde quer durch die Garage katapultiert. "Wenn zu diesem Zeitpunkt jemand sein Auto hätte retten wollen und von Teilen der Türe getroffen worden wäre, derjenige wäre tot", sagt Bösch. Gegenstände seien ersetzbar, Menschenleben jedoch nicht. Sei jemand im Keller und es dringe Wasser ein, dann werde es zur Todesfalle. Deshalb mussten auch sämtliche Bewohner das Mehrfamilienhaus verlassen, und die Feuerwehr stellte sicher, dass niemand mehr im Keller oder in der Garage ist, um etwas zu holen.

Glück, dass es nicht in der Nacht passiert ist

Die Regio Energie Amriswil (REA) wurde von ihrem System alarmiert, dass die Seewasserleitung einen starken Druckabfall habe und Unmengen von Wasser verbraucht würden. Obwohl die REA den entsprechenden Abschnitt sofort abgestellt hatte, flossen weiterhin grosse Wassermassen aus dem Erdreich. "Wir hatten grosses Glück", sagt Karl Spiess, "dass das nicht mitten in der Nacht geschehen ist." Dann wäre es viel schwieriger geworden, den Rohrbruch zu lokalisieren.
Nun analysieren Spezialisten das Wasserrohr mit einem Durchmesser von 40 Zentimetern und wie es repariert werden muss. REA-Mitarbeiter Daniel Bill dokumentiert derweil die Schäden in der Tiefgarage und in den Kellern. Bei Saadet Klein ist nichts mehr zu retten. Ihr Kellerabteil stand bis zur Decke unter Wasser. Das meiste lasse sich ersetzen, nicht jedoch ihre Fotoalben. Dieser Verlust schmerzt am meisten.

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