AMRISWIL: Benzin aus der Steckdose

Den Elektrofahrzeugen gehört die Zukunft. Auch die Regio Energie Amriswil (REA) verfügt bereits über zwei Stromtankstellen. Nun lud sie zu einem Informations- und Networking-Anlass ins Pentorama.

Manuel Nagel
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Nach den beiden Referaten nehmen die Besucher vor dem Pentorama das Mittagessen ein und sehen sich die verschiedenen E-Mobile der Amriswiler Garagisten an. (Bilder: Manuel Nagel)

Nach den beiden Referaten nehmen die Besucher vor dem Pentorama das Mittagessen ein und sehen sich die verschiedenen E-Mobile der Amriswiler Garagisten an. (Bilder: Manuel Nagel)

Manuel Nagel

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@thurgauerzeitung.ch

«Das Verkehrsproblem lösen wir mit Elektrofahrzeugen nicht», sagte Urs Schwegler ohne Umschweife. Doch der Referent brachte den Zuhörern andere Vorteile der mit Strom betriebenen Autos näher.

Die REA und die regionale Energieberatungsstelle baten am Dienstag zu einem Branchentreff «Elektromobilität und Solarstrom» ins Pentorama, und rund 200 Vertreter von Gewerbe und Industrie, der politischen Parteien und der umliegenden Gemeinden folgten der Einladung zu diesem Informationsanlass.

Stadtrat André Schlatter wies in seinem Grusswort darauf hin, dass Amriswil Energiestadt sei, und er hielt ein Plädoyer für die 2000-Watt-Gesellschaft. Früher seien Elektromobile vor allem ein Thema der Grünen gewesen. Heute sei die Zielrichtung bei den politischen Parteien jedoch mehr oder weniger dieselbe, meinte der CVP-Mann.

Mit E-Mobilen stiege Verbrauch nur gering

Urs Schwegler, der sich schon jahrelang mit Elektromobilität beschäftigt, wartete mit interessanten – und für den einen oder anderen wohl auch überraschenden – Fakten auf. So lasse er seine Studenten berechnen, wie viel mehr Strom man benötigte, würden sämtliche Fahrzeuge in der Schweiz elektrisch angetrieben. Die Schüler könnten das Ergebnis, welches stets zwischen 10 und 20 Prozent liege, jeweils kaum glauben und rechneten immer nach – um das Resultat dann doch zu bestätigen. Bereits seien zwei Millionen Elektrofahrzeuge weltweit in Betrieb, deren Wirkungsgrad zwei- bis viermal höher sei als bei Verbrennungsmotoren.

Aber Schwegler verhehlte auch nicht, dass es auch Probleme gibt. So sei es gerade in Mehrfamilienhäusern schwierig, sein E-Mobil zu laden. Und wenn in Zukunft in einer Tiefgarage die Hälfte aller Wagen über Nacht aufgeladen werden wollen, so müsse man die Hauszuleitung verstärken – was grosse Kosten nach sich ziehe.

Doch gerade Hausbesitzer mit einer Solaranlage schafften sich ein Elektroauto an, weil es finanziell attraktiver sei, möglichst viel eigenproduzierten Strom selber zu nutzen, als ihn ins Netz einzuspeisen.

Tarifstrukturen gilt es zu überdenken

Raphael Schneggenburger vom Elektrizitätswerk Thurgau (EKT) referierte danach über das Stromnetz und legte dar, wie herausfordernd für die örtlichen EWs die extremen Spannungsänderungen im Netz sind. An einem kalten Winterabend sei der Stromverbrauch am höchsten, aber kaum Solarstrom vorhanden. An einem schönen Pfingstmontag hingegen werde viel Solarstrom produziert, jedoch kaum einer brauche dann Strom. Auch täglich um 14 Uhr, wenn die Solaranlagen viel Strom liefern, sei der Verbrauch gering, was für das Netz nicht ideal sei. Da müsse man Anreize schaffen, zu dieser Zeit mehr Strom zu beziehen, und die aktuellen Tarifstrukturen überdenken.

Auch Schneggenburger gewährte den Anwesenden einen Blick in die Zukunft. Für 2040 rechne man, sei ein Drittel aller Fahrzeuge elektrisch angetrieben.

Veranstaltung

«Elektromobilität und Solarstrom in Amriswil», 26. August, 9–16 Uhr, auf dem Marktplatz. Weitere Infos gibt es unter: www.reamriswil.ch