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AMRISWIL: Auf den Spuren einer Vermissten

Mit «Verschwindibus» lancieren Andreas Müller und Florian Rexer ein fahrendes Kleintheater, das Fiktion und historische Wahrheit mischt und das Publikum stark in die Geschichte einbindet.
Rita Kohn
Tragen die Idee: Florian Rexer und Andreas Müller. (Bild: Rita Kohn)

Tragen die Idee: Florian Rexer und Andreas Müller. (Bild: Rita Kohn)

Rita Kohn

rita.kohn@thurgauerzeitung.ch

Was geschah mit Martha Bu­schor? 1917 verschwand die Thurgauerin an ihrem 25. Geburtstag spurlos. 100 Jahre später macht sich eine Gruppe von Frauen und Männern auf Spurensuche. Dazu müssen sie erst die Lebens-, Leidens- und Liebesgeschichte der jungen Frau näher kennen lernen. Wo hat sie ihre Kindheit verbracht, wo wurde sie zuletzt gesehen, was ging ihrem Verschwinden voraus?

Die Gruppe, die sich auf die Spurensuche macht, erlebt die historischen Winkel der Stadt Amriswil in einem ganz neuen Kontext. Sie werden als Passagiere eines Postautos zu den verschiedenen Schauplätzen gebracht und erleben die kleine Martha, die Jugendliche, die junge Frau. Dass Martha Buschor keine reale Persönlichkeit, sondern die Hauptfigur eines eigens für dieses Projekt geschriebenen Theaterstücks ist, bleibt dabei im Hintergrund. Sie bekommt alleine durch die historischen Kulissen und die damit verbundenen Geschichten ein Eigenleben.

Aufführung in drei Städten geplant

Verschwindibus heisst das Projekt, das vom Amriswiler Andreas Müller und Regisseur Florian ­Rexer ins Leben gerufen worden ist. Es ist ein ungewöhnliches Projekt, das die beiden erarbeitet ­haben. Grundlage dafür war das Theatertaxi, das einst in Hamburg verkehrte. Zu kleinräumig, befanden Andreas Müller und Florian Rexer. Aber die Idee selber, Theater auf einem sehr eingegrenzten Raum zu erleben, sprach die beiden an. Bald stand der Gedanke im Raum, auf einen Bus zu setzen. Entschieden haben sich Andreas Müller und Florian Rexer für ein Postauto. Das, weil etwa die Zusammenarbeit mit den AOT nur im Oberthurgau möglich gewesen wäre. «Uns wurde deshalb empfohlen, Kontakt mit Postauto Schweiz auf­zunehmen», schildert Andreas Müller. Dort haben die Theatermacher offene Türen vorgefunden. «Sie waren sofort interessiert.»

Drei Vorstellungsorte mit je zwei Vorstellungen stehen inzwischen konkret fest: Am 16. September kreuzt Verschwindibus durch Amriswil, am 28. Oktober durch Frauenfeld und am 4. November durch Weinfelden. Jeweils an die 40 Personen können eine Aufführung erleben. «Wir können uns auch vorstellen, noch andere Städte zu besuchen», stellt Andreas Müller klar. Es käme ganz drauf an, welche Stadt am Projekt interessiert sei.

Eine völlig andere Art des Theaters

Sowohl Andreas Müller als auch der Theaterprofi Florian Rexer waren überrascht, wie offen bisher alle auf das neuartige Theaterprojekt reagiert haben. «Die Kulturstiftung des Kantons Thurgau hat uns einen namhaften Betrag zugesprochen», sagt Andreas Müller. Für ihn sei das auch ein Zeichen dafür, dass sie mit ihrem Projekt einen neuen Weg beschritten hätten, der zumindest für Aufmerksamkeit sorgt. «Ich wüsste nicht, dass irgendwo sonst ein solches Theaterprojekt bestehen würde», sagt auch ­Florian Rexer, der sich auf die Herausforderung freut, die es darstellt, in einem Postauto ein Theaterstück zu inszenieren, das einen Reality-Charakter bekommt.

Die beiden Initianten sind sich bewusst, dass es nicht ganz einfach sein wird, die Idee unter die Leute zu bringen. «Es kann sich kaum jemand etwas darunter vorstellen», sagt Florian Rexer, der schon mit seinen Dinner-Events und den Schlossfestspielen Hagenwil gezeigt hat, dass er mit ungewöhnlichen Situationen und Örtlichkeiten durchaus ­umzugehen weiss. Er möchte mit dem Verschwindibus an den Trend anknüpfen, fiktive ­Geschichten real erscheinen zu lassen. «Dieses Genre boomt», weiss der Theaterregisseur. Mit dem Verschwindibus würden sie genau das bieten können: Die Zuschauer seien sehr nahe am Geschehen, eigentlich mittendrin. Sie sind aber keine Mitwirkenden im eigentlich Sinne.

Professionelle Schauspieler und Laien

Was sich bei den Schlossfestspielen Hagenwil bewährt hat, wird auch beim Verschwindibus zum Tragen kommen. Das Stück wird von Profischauspielern aufgeführt, ergänzt wird das Ensemble durch talentierte Laien. Unter anderem sind Kinder im Einsatz, die entweder bereits auf der Bühne standen oder im Theaterkurs an der Schule zeigten, dass sie sich für diesen Einsatz eignen.

«Das Publikum wird bekannten Gesichtern begegnen», verspricht Florian Rexer mit einem Lächeln. Neben den beiden Initianten selber sind dies unter anderem Rahel Roy, Doris Haudenschild, Falk Döhler oder Hanneke Alefsen. In späteren Aufführungen im Rahmen von Verschwindibus – die beiden Initianten hoffen, dass auf den ersten Vorstellungsblock weitere folgen – soll es neue Geschichten mit teilweise auch anderen Schauspielerinnen und Schauspielern geben.

Die Idee hat sich zum Projekt entwickelt

Heute blicken die beiden Initianten nicht ohne Stolz auf das Konzept in ihren Händen. Was sich anfänglich aus einer Idee in gemütlicher Runde entwickelte, hat eine eigene Dynamik bekommen und ist zu einem fertigen Projekt herangewachsen. Noch ist viel Arbeit zu leisten, bis der Verschwindibus Mitte September Fahrt aufnehmen kann.

Gespannt sind Andreas Müller und Florian Rexer vor allem, wie das Konzept beim Publikum ankommt. Sie hoffen, dass die ­jeweils zweimal 40 Plätze pro Spielort ausgebucht sein werden. So könnte sich aus dem Projekt ein festes Angebot mit neuen Geschichten entwickeln.

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