AMRISWIL: Apothekerin mit Leib und Seele

Am Museumssonntag erzählte Rosmarie Studer viel Spannendes über die 120jährige Geschichte der Central-Apotheke. Zudem zeigte sie auf, wie sich das Berufsbild des Apothekers im Laufe der Zeit verändert hat.

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
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Rosmarie Studer mit einem Rezeptbuch aus dem Jahr 1921. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Rosmarie Studer mit einem Rezeptbuch aus dem Jahr 1921. (Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

«Rosmarie Studer ist eine Apothekerin mit Leib und Seele», sagte Ortsmuseumspräsident Eugen Fahrni bei seiner Begrüssung zum Museumssonntag. Sie führe eines der ältesten Fachgeschäfte in Amriswil und übe einen der ältesten Berufe überhaupt aus. Rund 70 Besucher kamen am Sonntagnachmittag ins Ortsmuseum, um den spannenden Erzählungen der Inhaberin der Central-Apotheke zu folgen.

Das Haus an der Bahnhofstrasse 14, das die Central-Apotheke beherbergt, wurde laut Katasteramt zwischen 1810 und 1848 erbaut. In dieser Zeit war Amriswil noch ein kleines Dorf: «Ein Vorort von Mühlebach und Hemmerswil», bemerkte die Erzählerin schmunzelnd. Zuerst diente die Liegenschaft als Seifensiederei und später als Kerzenfabrik und Stickerei. «Wann die Central-Apotheke genau gegründet wurde, ist nicht eindeutig belegt», berichtete Rosmarie Studer. Um 1896 eröffnete die Familie Steiner an der Bahnhofstrasse eine Apotheke. Von 1954 bis 1987 führte Dr. Hans Rudolf Weber die Central-Apotheke. Er sei ein engagierter Apotheker mit ausserordentlich grosser Fachkompetenz gewesen. Berühmt waren auch seine Verse, die er verfasste. Weber habe unter dem Pseudonym «Lio Pegran» mehrere Gedichtbände geschrieben.
Rosmarie Studer hatte 1985 das Staatsexamen an der ETH Zürich abgelegt. Danach begannen ihre Lehr- und Wanderjahre. 1987 übernahm sie die Leitung der Central-Apotheke. «Ich bin stolz, eine Apotheke zu besitzen, in der sich Tradition und Moderne verbinden», sagt Studer.

Das Berufsbild des Apothekers habe sich im Laufe der Jahre stark gewandelt: Apotheken entwickeln sich immer mehr zu modernen Dienstleistungszentren. Apotheker stellen aber heute noch individuelle Rezepturen unter anderem für Kapseln und Salben her. In der Central-Apotheke werde beispielsweise die Aurantia-Handcrème nach dem Rezept von Dr. Weber erzeugt und vertrieben.

Wie an Weihnachten fühlten sich die Besucher am zweiten Adventssonntag. Alle erhielten eine von der Central-Apotheke offerierte Aurantia-Handcrème sowie ein Appenzeller Biberli.