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AMRISWIL: Alle wollen auf den Turm

Die Evangelische Kirchgemeinde feierte dieses Wochenende das 125-jährige Bestehen ihrer Kirche. Zum Jubiläum kehrten viele ehemalige Amts- und Würdenträger an ihre alte Wirkungsstätte zurück.
Manuel Nagel
Karin Müller referiert über die Kirchenfenster. Auch Pfarrer Lukas Butscher und seine Frau Fiona (zweite Reihe) hören zu. (Bild: Manuel Nagel)

Karin Müller referiert über die Kirchenfenster. Auch Pfarrer Lukas Butscher und seine Frau Fiona (zweite Reihe) hören zu. (Bild: Manuel Nagel)

Manuel Nagel

manuel.nagel@thurgauerzeitung.ch

Für einmal musste selbst Dorf­original Walter «Hasli» Haas trotz seiner markanten und sonoren Stimme kapitulieren. Nach zwei Versuchen sah er ein: Es war zu laut in der evangelischen Kirche. Jubiläumsbesucher waren so in ihr Gespräch vertieft, dass Eugen Fahrni vom Organisationskomitee sie in den hinteren Teil der Kirche bat. Erst danach konnte Hasli seine Kurzgeschichte «Vor Gott sind alle gleich» erzählen.

Es war nur einer der vielen Programmpunkte an diesem Wochenende. Barbara Bieger und Vreni Aepli wussten Interessantes, ja gar Skandalöses über die Fresken zu berichten, während Karin Müller die farbigen Kirchenfenster erklärte.

Lustiges aus dem kirchlichen Leben erzählten der ehemalige Organist André Manz, der gar ein ganzes Buch mit Anekdoten verfasst hatte, und Eugen Fahrni. Der erinnerte sich an eine ältere Frau, die es mit dem Gebot «Du sollst nicht stehlen» nicht so genau genommen hatte. Nach ihrem Tod bekam Eugen Fahrni als damaliger Kirchgemeindepräsident einen Anruf von einem Notar. Ob er ein paar Gesangsbücher vermisse. In der Wohnung der alten Dame befanden sich 125 Exemplare – und auch die Ka­tholische Kirchgemeinde konnte noch 60 Gesangsbücher abholen.

Spielen mit 3680 Pfeifen

Doch so amüsant Fahrnis Erzählungen auch waren, seine Kirchturmbesteigungen am Vormittag schlugen sämtliche Erwartungen. «Über 250 Personen wollten heute Samstag auf den Turm», sagte er und rechnete vor, dass er und Daniel Laib achtmal hinaufsteigen mussten. Die Aussicht bei bestem Wetter beeindruckte auch so manche Kinder, welche am Fusse des höchsten Kirchturmes im Thurgau in einer Gumpiburg herumtollen oder an einem Malwettbewerb teilnehmen konnten. Und dann erlaubte Organistin Dagmar Grigarova sogar noch das Spielen auf ihrem Instrument mit den 3680 Pfeifen. Zudem erklärte Reto Candio die Kunstwerke über die Kardinalstugenden und die Evangelisten.

Den Samstag liess die Kirchgemeinde mit einem Apéro ausklingen, der den Charakter eines Klassentreffens hatte. «30 haben sich angemeldet», sagte Claudia Schindler, Präsidentin von Evangelisch-Amriswil-Sommeri, und war hocherfreut, dass sich noch weitere 20 ehemalige Vorsteher, Pfarrer, Diakone und Mesmer spontan eingefunden hatten.

Unter ihnen befand sich auch Jakob Kuratli. Der 79-Jährige wurde von allen herzlich begrüsst, so auch vom ehemaligen Pfarrer Johannes Stäubli. Er sei für die Pfarrer eine wichtige Bezugsperson gewesen, erinnert sich Kuratli gerne zurück. Ein ganz besonderes Verhältnis habe er zu Pfarrer Lukas Weinhold gehabt. Der habe ihm nämlich kurz vor Kuratlis Pensionierung drei Bienenvölker geschenkt. «Nach der Pensionierung bin ich in einen Imkerkurs gegangen», sagte Kuratli, «und immer wenn ich Lukas Weinhold in Wängi besuche, gehe ich zuerst zu den Bienen.»

16 Jahre lang amtete Kuratli, der nun in Bischofszell wohnt, als Mesmer in Amriswil. Er war 1992 beim 100-Jahr-Jubiläum der Kirche dabei und sass in der Baukommission, die für die Renovierung zuständig war. «Es ist schon auch ein wenig meine Kirche», meinte Kuratli nicht ohne Stolz.

Glocken als Gerüst für den Gottesdienst

Etwas Spezielles zum Jubiläum liess sich der aktuelle Pfarrer Lukas Butscher einfallen. Die fünf Glocken der Kirche und ihre jeweiligen Inschriften bildeten quasi das Gerüst seines Gottesdienstes am Sonntagvormittag. Jede der Glocken verkündigt ein Jesuswort. Butscher empfing die Besucher mit der hellsten Glocke («Lasset die Kinder zu mir kommen») und entliess sie mit dem Geläut der vierten Glocke («Meinen Frieden gebe ich euch»).

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