AMLIKON-BISSEGG: Schwere Zeit für Familie Weber

Das Bundesgericht hat Ernst und Heidi Weber ein unschönes Weihnachtsgeschenk gemacht. Es verbietet der Bauernfamilie den Bau eines grossen Betriebsgebäudes in Wolfikon.

Mario Testa
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Heidi Weber und ihre beiden Hunde vor der Remise in Wolfikon, die nun ebenfalls zurückgebaut werden muss. (Bild: Mario Testa)

Heidi Weber und ihre beiden Hunde vor der Remise in Wolfikon, die nun ebenfalls zurückgebaut werden muss. (Bild: Mario Testa)

Mario Testa

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@thurgauerzeitung.ch

Wie es nun weitergeht, weiss Heidi Weber nicht. «Wir werden über die Festtage wohl einen Familienrat abhalten und dann entscheiden, wie es weitergehen soll», sagt sie. Dabei wären Pläne für die Zukunft vorhanden gewesen. Dank eines grossen neuen Betriebsgebäudes mit Stallungen für die Mutterkühe und Pferde sowie Einstellhallen für die Maschinen, hätte der Betrieb eine wirtschaftliche Basis gehabt. «Unser Sohn würde den Betrieb übernehmen, aber natürlich nur, wenn er davon auch leben kann. Und das ist unter den jetzigen Umständen schwierig», sagt Heidi Weber. Die jetzigen Umstände bedeuten: aus dem erhofften Ausbau wird nichts – im Gegenteil. Sogar die bereits erstellte Remise steht nach dem Urteil aus Lausanne wieder auf wackligen Beinen (siehe Kasten).

Die Gemeinde Amlikon-Bissegg und der Kanton Thurgau hatten das Baugesuch für das grosse Betriebsgebäude bewilligt, Pro Natura zog diesen Entscheid jedoch vors Bundesgericht und erhielt recht. Die Richter folgten der Argumentation des Verbands, dass es sich beim geplanten Baugrundstück um eine weitgehend unberührte Geländekammer in einem Landschaftsschutzgebiet mit einer wichtigen Vernetzungsfunkion handelt, und dort nicht gebaut werden darf. «Das Urteil freut uns sehr. Die Bundesrichter haben den Landschaftsschutz ernst genommen», sagt Markus Bürgisser, Geschäftsführer von Pro Natura Thurgau. «Eine der wenigen verbliebenen, offenen Landschaftskammern im Thurgau ist nun geschützt. Ein landwirtschaftliches Betriebszentrum gehört da einfach nicht hin.» Als Wirtschaftsverhinderer sieht sich der Verband nicht. «Wir haben uns einzig dafür eingesetzt, dass geltende Gesetze umgesetzt werden. Zudem steht oder fällt ein Bauernbetrieb nicht mit der Grösse der Gebäude, sondern mit dem vorhandenen Landwirtschaftsland», sagt Bürgisser.

Die alte Scheune steht seit über 50 Jahren dort

Heidi Weber versteht das Urteil des Bundesgerichts nicht. «Wenn diese Scheune nicht schon seit über 50 Jahren hier stehen würde, wären wir ja nie auf die Idee gekommen, hier bauen zu wollen», sagt Weber. «Aber schon unser Vorgänger hatte solche Pläne und liess extra Wasser und Strom hier raus ziehen. Er hat diese Pläne dann aber nicht umgesetzt, weil seine Frau und dann auch er krank wurden und sie den Hof verkaufen mussten.» Die Wildtiere, die sich im Vernetzungskorridor bewegen, wären ihrer Meinung nach auch gut am Neubau vorbei gekommen. «Ich sehe oft Rehe, Dachse und Füchse, die zwischen den Pferden und Kühen umherstreifen. Denen scheint das nichts auszumachen.» Zudem wäre der geplante Grossstall nicht höher geworden als die jetzige Remise und nur von Zezikon aus gut zu sehen gewesen. «Ansonsten hätte er sich gut in die Landschaft eingefügt», findet Heidi Weber. Sie ist sich sicher: «Wenn Pro Natura in Zukunft irgendwo ein Bauernhof verhindern will, stehen wir nun als Präzedenzfall da.»

Othmar Schmid, Gemeindepräsident von Amlikon-Bissegg, ist ebenfalls enttäuscht vom Bundesgerichtsurteil. «Wir bedauern den Entscheid und müssen nun schauen, wie es weiter geht. Aber wenn die Umweltverbände sich derart gegen ein Projekt wehren, wird es schwierig», sagt Schmid. Zudem würden die Bundesrichter nur anhand der Unterlagen entscheiden und seien nie für einen Augenschein vor Ort gewesen, das empfinde er als störend.

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