Am liebsten liest sie Jane Austen

BISCHOFSZELL. An der Spitze der Bibliothek Bischofszell ist es zu einem Wechsel gekommen. Neue Präsidentin und damit Nachfolgerin von Elisabeth Geisser ist Frances Bischof. Sie glaubt an das Überleben des gedruckten Buches.

Georg Stelzner
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Elisabeth Geisser bleibt Leiterin der Bibliothek Bischofszell, Frances Bischof übernimmt von ihr das Amt der Präsidentin. (Bild: Georg Stelzner)

Elisabeth Geisser bleibt Leiterin der Bibliothek Bischofszell, Frances Bischof übernimmt von ihr das Amt der Präsidentin. (Bild: Georg Stelzner)

Ein Leben ohne Bücher ist für Frances Bischof unvorstellbar. Sie sind von Kindesbeinen an ständige Begleiter der gebürtigen Engländerin, die sich besonders für historische Themen interessiert. Im Moment ist das der Lebensalltag im Mittelalter. «Die Aufgabe, als Präsidentin Verantwortung für die Bibliothek Bischofszell zu übernehmen, hat mich gereizt», sagt Frances Bischof. Zudem sei der Zeitpunkt günstig gewesen. «Ich habe im vergangenen Herbst aufgehört, in meiner Sprachschule Englisch zu unterrichten, und im Ruhestand völlig untätig zu sein, das kommt für mich nicht in Frage.»

Funktionen jetzt getrennt

Die bisherige Präsidentin, Elisabeth Geisser, erfuhr von der Pensionierung der früheren Stadträtin und packte die Gelegenheit beim Schopf. Sie fragte Frances Bischof an und bekam eine Zusage. Als Grund für ihren Rücktritt nennt Elisabeth Geisser den Wunsch, eine Weiterbildung auf dem Gebiet der Medienpädagogik in Angriff zu nehmen. Dazu brauche sie Freiraum. Für beides reichten die zeitlichen Ressourcen nicht.

Zudem ist es nach Einschätzung Geissers besser, wenn ein und dieselbe Person nicht gleichzeitig Präsidentin und Leiterin der Bibliothek ist, wie das bis anhin der Fall gewesen sei. «Jetzt ist die Konstellation klar: Frances Bischof ist meine Chefin», erklärt Elisabeth Geisser, die während sieben Jahren das Amt der Präsidentin innehatte.

Bibliothek entwickelt sich

Elisabeth Geisser übergibt ihrer Nachfolgerin eine Einrichtung, die in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung genommen hat: Es wurde ein Online-Katalog eingeführt, die Beteiligung am «Buchstart», einem Projekt für Kleinkinder, beschlossen und die Möglichkeit geschaffen, Bücher digital auszuleihen. Seit zwei Jahren besteht in Form begleiteter Lektionen in der Bibliothek auch eine enge Zusammenarbeit mit der Primarschule und dem Kindergarten. «Das ist aktive Leseförderung», stellt Elisabeth Geisser, die seit zehn Jahren Leiterin der Bibliothek ist, erfreut fest.

Platznot ist ein Problem

Die neue Präsidentin übernimmt von ihrer Vorgängerin auch eine grosse Sorge. Der Standort im Sandbänkli ist als solcher durchaus schön. Er entbehrt auch nicht eines gewissen Charmes, genügt andererseits aber den heutigen Anforderungen je länger, je weniger. Frances Bischof erklärt, wo der Schuh drückt: «Die Bibliothek braucht dringend mehr Platz. Ein neuer grösserer Raum, der auch zum Verweilen einlädt, wäre unser Wunsch.» Nach den Vorstellungen der neuen Präsidentin soll eine Bibliothek nämlich nicht nur eine reine Ausleihstelle sein, sondern auch ein Ort, wo sich alle Generationen und Nationalitäten begegnen und Leseerfahrungen austauschen. «Ich habe gemerkt, dass ein solches Bedürfnis vorhanden ist.»

Das Buch als Kulturgut

Frances Bischof ist überzeugt, dass das gedruckte Buch der Konkurrenz durch moderne Errungenschaften wie den E-Reader standhalten wird. «Bücher sind beseelte Gegenstände, sie haben einen eigenen Charakter und sie sind nicht zuletzt ein Kulturgut», gerät die neue Präsidentin ins Schwärmen. Sie schätze es, blättern zu können. Eines ihrer Lieblingsbücher, «Pride and Prejudice» (deutsch: «Stolz und Vorurteil»), ein Werk der britischen Schriftstellerin Jane Austen (1775–1817), habe sie sogar mehrmals gelesen.

Der physische Kontakt mit den Seiten aus Papier sei durch nichts zu ersetzen, ist Frances Bischof überzeugt. «Ich besitze zwar ein Tablet, benutze es aber kaum», gesteht sie. Der Bibliothek Bischofszell bescheinigt Frances Bischof gute Überlebenschancen. Vorstellen könne sich sich jedoch Änderungen bei der Präsentation der Medien.