Am Ende mit der Geduld

Leuchtturm

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Jede Bevölkerung möchte ihr Land, ihre Stadt oder ihr Dorf immer in einer Blütezeit erleben. Es ist eines der Grundbedürfnisse des Menschen, wie es der Psychologe Maslow erforscht hat. Aber es ist nicht nur ein Grundbedürfnis, sondern auch ein Grundrecht der Bevölkerung, diese Blütezeit erleben zu dürfen.

Vor einigen Jahren begann in Romanshorn eine Renaissance, und Euphorie machte sich breit. «Endlich geht etwas in der Ortschaft im fernen Osten der Eidgenossenschaft!», dachten sich viele. Ziele wurden festgelegt, und der Rückhalt in der Bevölkerung war spürbar. Was aber damals anscheinend etwas vergessen wurde, war die Tatsache, dass der politische Mechanismus in der Schweiz ein langsamer ist und es Verhandlungen braucht, die Geduld, Ausdauer und exaktes Arbeiten verlangen. Dennoch, eine Entwicklung begann.

Doch sie ging nur in kleinen Schritten voran. Die Bevölkerung wurde skeptisch, und kritische Stimmen wurden zunehmend hörbar. Die verantwortlichen Politiker gerieten unter Druck, doch nicht weil sie ihr Versprechen brechen wollten: Nein, weil sie Resultate liefern wollten, um aufzuzeigen, dass sie keine Märchen erzählt hatten. Irgendwann verloren die Menschen die Geduld: Sie wollten nicht länger warten und zogen die Konsequenzen. Der Ton war unmissverständlich, die Massnahmen waren restriktiv.

Was zurück blieb, waren Verantwortungsträger, die neue Wege einschlagen mussten. Und etwas zufriedenere und etwas traurigere Bürger. Zudem eine Kleinstadt, die ein neues Kapitel schreiben wollte und es doch nicht tun konnte.

Sabir Semsi