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ALTNAU: Keine nassen Füsse mehr

70 Jahre alt ist die «Kathry», nun braucht das historische Fischerboot eine Restauration. Diese übernimmt der Verein für ein Bodensee-Fischereimuseum, denn bald soll das Boot wieder auf den See hinausfahren.
Viola Stäheli

Viola Stäheli

viola.staeheli@thurgauerzeitung.ch

Es riecht nach Holz. Die Sägen kreisen, die Späne fliegen. Hier in der Bootswerft von Stefan Züst ist die Arbeit in vollem Gange. Im Mittelpunkt steht die «Kathry» – ein Urtyp der Boden- seefischereiboote. «Bis in die 1960er-Jahre betrieben die Fischer am Untersee gemeinsamen Fischfang», erklärt Kurt Egloff, der Verantwortliche für die «Kathry» und Mitglied des Vereins für ein Bodensee-Fischereimuseum. Die Fischer nutzten dafür Schiffe wie die «Kathry», sogenannte Segner. Es sind grosse, aus Holz gefertigte Boote, auf denen bis zu 12 Fischer Platz fanden. Auf dem Untersee gab es insgesamt vier solcher Segner, heute ist aber nur noch die «Kathry» fahrtüchtig. Sie wurde als zweitletztes Boot im Jahre 1947 in der noch existierenden Werft Beck auf der Reichenau gebaut.

Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass es die «Kathry» heute noch gibt. Nachdem die Fischer keine Verwendung mehr für das Schiff hatten, wurde es verkauft, motorisiert und als Schlammsammler verwendet. Doch auch dafür konnte die «Kathry» irgendwann nicht mehr gebraucht werden und landete im Werkhof Kreuzlingen. Dort entdeckten sie der Eigner der «MS Delphin» Roland Neuenschwander und der Ermatinger Max Grüninger. Sie retteten das Schiff vor dem Verschrotten, reparierten es und verkauften die «Kathry» an den Verein für ein Bodensee-Fischereimuseum.

«Heute ist es unsere Hauptaufgabe, dieses Schiff zu erhalten und zu betreiben», sagt Vereinspräsident Benedikt Kutter. Der Stolz ist aus seiner Stimme zu hören. Seit zehn Jahren nutzt der Verein die «Kathry» für Fahrten auf dem Untersee mit Interessierten, Geld verlangte er dafür nicht. «Wir sind ein gemeinnütziger Verein und ausschliesslich auf Mitgliederbeiträge und Spenden angewiesen», sagt Kutter.

Nach 70 Jahren ist Restauration notwendig

Nach 70 Jahren zeigte die «Kathry» aber Altersbeschwerden. «Bei den Fahrten hatte man sicher keine trockenen Füsse», sagt Kurt Egloff. Er ist einer der fünf Freiwilligen, welche mit der «Kathry» auf den See fahren. Der Verein entschied deshalb, nun eine grössere Restauration vorzunehmen. Nur so kann der letzte Segner erhalten bleiben.

«Bis jetzt haben wir schon 400–500 Arbeitsstunden investiert», sagt Othmar Huber, Projektverantwortlicher der Restauration. An fünf Tagen in der Woche wird an der «Kathry» gearbeitet. Die Helfer sind alle Mitglieder des Vereins, ihre Arbeit ist ehrenamtlich. Die Beteiligten kennen sich mit Holz aus – unter ihnen sind Zimmerleute, Förster und Schreiner. Trotzdem fehlt das Fachwissen für die Restauration eines Holzbootes. Dafür kann der Verein auf den Altnauer Bootsbauer Stefan Züst zurückgreifen. In seiner Werft und unter seinen Anweisungen findet die Restauration statt.

«Die Aussenseiten bleiben im Originalzustand erhalten, in erster Linie wechseln wir den Boden aus», sagt Huber. Ausserdem waren Teile des Hecks und des Bugs morsch, auch diese Teile werden ersetzt. «Ziel ist es, dass man am Schluss die Restaurationsarbeiten nicht sieht», sagt Huber.

Trotz der unentgeltlichen Arbeitsstunden belaufen sich die Kosten der Restaurierung gegen 50000 Franken. Auch diesen Betrag will der Verein mit Spenden begleichen und hofft weiterhin auf Zustüpfe. Läuft alles nach Plan, sollten die Restaurierungsarbeiten im Oktober abgeschlossen sein. «In der nächsten Saison werden wir wieder mit der ‹Kathry› auf den See hinausfahren», sagt Huber zuversichtlich. Und dann bleiben die Füsse mit Sicherheit trocken.

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