ALTNAU: Eine Bank in Goldgräberstimmung

20 Fünflieber, zwei Goldvreneli und 12 Kubik Sand: Die Raiffeisenbank Regio Altnau feierte die Grundsteinlegung ihres Neubaus im Dorfkern. Die Zuschauer durften im Sand nach Wertvollem graben.

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Bauleiter Flavio Conte und Verwaltungsratspräsident Martin Häni bereiten das Loch für den Grundstein vor. (Bild: Andrea Stalder)

Bauleiter Flavio Conte und Verwaltungsratspräsident Martin Häni bereiten das Loch für den Grundstein vor. (Bild: Andrea Stalder)

Seit Monaten verfolgen die Dorfbewohner die Bauarbeiten vor ihrer Haustüre. Die einen durch die Gucklöcher in der Wand, ­andere über die Webcam. Nun bot die Grundsteinlegung des Neubaus Gelegenheit für Einblicke in den Baufortschritt. «Das ist für unsere Bank ein historischer Tag.» Mit diesen Worten eröffnete Martin Häni, Verwaltungsratspräsident der Raiffeisenbank Regio Altnau, den offiziellen Akt. «Jetzt geht es so richtig los. Tag für Tag wird man sehen, wie das Projekt in die Höhe wächst.» Er erinnerte die Zuhörer an die bisherigen Etappen des Bauvorhabens – von der ersten Thematisierung des akuten Platzmangels in der alten Bank 2012 über die Bewilligung des Gestaltungsplans 2015 bis hin zum Abriss der alten Gebäude im Herbst vergangenen Jahres. Der Bezugstermin ist auf Herbst 2018 geplant.

Architekt Elmar Hasler vom Architekturbüro Baumschlager-Eberle lobte in seiner Ansprache das Qualitätsdenken der Bauherrschaft. «Wir haben viel bei diesem Projekt gelernt», hielt er fest. Dafür habe man sich intensiv mit dem Dorfbild auseinandergesetzt. Rasch sei dem Team klar geworden: «Mit ein bisschen Architekturkosmetik kommen wir hier nicht weit», erklärte er. «Wir haben passend zum Ortsbild ein geneigtes Dach gewählt.» Die Verwendung von ortstypischen Materialien wie Holz und Verputz gehören zum Konzept. «Wir generieren Qualität und Identität – keinen Fremdkörper», betonte der Architekt.

Ein Zylinder mit reichem Inhalt

Neugierige begutachteten derweil den Grundstein: einen Zylinder aus Metall mit Datum, Schriftzug und einem interessanten Innenleben. «Er enthält die Pläne der Architekten», sagte Bruno Fattorelli, Vorsitzender der Geschäftsleitung. «Dazu Zeitungen, die das aktuelle Zeitgeschehen festhalten, ein Dokument mit dem aktuellen Zinssatz sowie einen Behälter mit Münzen.» Ein Tag im Kontext zur Geschichte: Die Anwesenden durften ihre Namen auf eine Liste eintragen, die im Inneren des Grundsteins die Zeit überdauern wird. Ausgerüstet mit Helmen und einer Schaufel zog eine Delegation los, um das Metallobjekt symbolisch in die Erde zu legen. Symbolisch deshalb, weil der Grundstein in den nächsten Tagen noch verschweisst wird – und erst dann seinen festen Platz im Fundament der neuen Bank einnehmen wird.

Kleine Schaufeln aus Plastik und ein Sandhaufen von beachtlicher Grösse lenkten nur wenige Schritte entfernt die Blicke auf sich. «Wir haben extra 12 Kubik Sand hergebracht», erklärte ­Bauleiter Flavio Conte. Darin ­versteckt: zwei Goldvreneli und 20 Fünfliber in bunten Büchsen. «Jetzt herrscht hier Goldgräber-Stimmung», sagte Fattorelli. Nicht nur Kinder schaufelten, was das Zeug hält. «Da ist was!», rief als Erster Rolf Stüssi aus Altnau und hielt mit einem stolzen Lächeln die erste goldfarbene Büchse in die Höhe. Nach und nach förderten auch andere Goldgräber kleine Schätze zu- tage. «Ich habe meine Kinder zu diesem Anlass mitgenommen», sagt Gemeinderätin Moni Brauch­li. «Das ist ein Tag, an den sie sich ihr Leben lang erinnern werden.»

Hana Mauder Wick

kreuzlingen@thurgauerzeitung.ch