ALTNAU: Ein Hobby für gemütliche Tüftler

Hanspeter Kellenberger ist Kapitän des Dampfboots Copine. Früher war er passionierter Segler, doch mit dem Alter ist er auf die ruhigere Variante des Über-den-See-Schipperns umgestiegen.

Martina Eggenberger Lenz
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Hanspeter Kellenberger wassert sein Dampfboot jeweils im Hafen Altnau ein. (Bild: Thi My Lien Nguyen (Thi My Lien Nguyen))

Hanspeter Kellenberger wassert sein Dampfboot jeweils im Hafen Altnau ein. (Bild: Thi My Lien Nguyen (Thi My Lien Nguyen))

Martina Eggenberger Lenz

martina.eggenberger@ thurgauerzeitung.ch

Wenn Hanspeter Kellenberger an seinem Boot hantiert, dann ist ihm die Aufmerksamkeit der Passanten gewiss. Seine «Copine» ist ein Blickfang. Erstens wegen der Ästhetik des kleinen Schiffs mit den wertigen Holzeinlagen, zweitens wegen der Art des Antriebs. Der «Copine» muss man nämlich Dampf machen, um vorwärtszukommen.

Hanspeter Kellenberger heizt meist schon beim Trockenliegeplatz ein. Es dauert etwa eine halbe Stunde, bis das Feuer seine Kraft entfacht und der Druck im Dampfkessel hoch genug ist. Dann geht’s ans Einwassern. Immer mit an Bord: zwei Pack Holzscheite zum nachlegen und Öl, um die Teile des Motors zu schmieren. Ein bisschen technikaffin muss man schon sein, wenn man Dampfboot fahren will. Dem Altnauer Kapitän, einst gelernter Elektriker, ist die Freude an seiner Maschine anzusehen. Beruflich hat er zuletzt Zahnarzt-geräte vertrieben und repariert.

Es ist die dritte Saison, die er mit der «Copine» über den See schippert. Früher war der fitte Rentner passionierter Segler. Mit dem Alter habe er aber redimensioniert, erzählt er. Das Haus wurde durch eine Wohnung ausgetauscht, die Yacht durch das kleine Dampfboot ersetzt. Auf den Geschmack gekommen ist Kellenberger, weil ein Bekannter zuvor schon ein Dampfboot hatte. Wäre er nicht lieber auf ein Motorboot umgestiegen? «Nein, niemals. Dann hätte ich ja gleich mit dem Auto nach Meersburg fahren können», meint der Kapitän lachend.

Manchmal tauscht er den See mit dem Fluss

Hanspeter Kellenberger ist ein richtiger Seebub. Aufgewachsen ist er im Rietli Goldach, sein erstes «Böötli» hatte er mit 18. Er liebt es, auf dem Wasser unterwegs zu sein, ist aber auch froh, dass das Dampfboot nicht mehr so viel Arbeit macht wie einst die Segelyacht. Das Herumtuckern sagt dem bald 80-Jährigen zu. «Dieses Jahr war ich schon 35 Stunden unterwegs», erzählt er und kontrolliert die Anzeige des Drehzahlmessers. Wie vieles am Schiff hat Kellenberger auch dieses Instrument individuell auf die «Copine» anpassen müssen. Es gibt wenige Dampfboote auf dem See, und wenn etwas geflickt werden muss, kann man nicht einfach in eine Werft fahren.

Selber tüfteln und auspro­bieren heisst da die Devise. Das musste der Bootsbesitzer beim Kauf des Schiffs auch erfahren, als es um die Zulassung ging. Es gab einige Hürden zu nehmen, bis die Schweizer Bewilligung vorlag. Die «Copine», die einst «Karin» hiess, stammt ursprünglich aus Schweden, wo sie 2007 gebaut wurde. Sie kam über Berlin nach Bodman. War es Liebe auf den ersten Blick? «Es war ­damals das einzig verfügbare Boot», sagt Kellenberger und zuckt mit den Schultern. Er ist gut vernetzt, Mitglied in Dampfbootvereinen in der Schweiz und in Deutschland. Um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, lädt der Kapitän sein Schiff ab und zu auch auf den Anhänger und reist zu einem Treffen. Er fuhr mit der «Copine» schon auf der Lahn und durch Berlin. Hanspeter Kellenberger fühlt sich sehr verbunden mit dem Bodensee. Aber das gemütliche Herumgondeln auf Flusswegen ist für ihn momentan das Nonplusultra.