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«Als wär es gestern passiert»

Der Romanshorner Günther Neururer verschwand vor fünf Jahren spurlos und hinterlässt eine grosse Ratlosigkeit. Seine Familie glaubt nicht, dass er tot ist und hofft jeden Tag aufs neue auf eine Rückkehr.
Andrea Kern
Berichterstattung über das Verschwinden: Trotzdem führten die Hinweise nicht zu Günther Neururer. (Bild: Andrea Kern)

Berichterstattung über das Verschwinden: Trotzdem führten die Hinweise nicht zu Günther Neururer. (Bild: Andrea Kern)

An einem Samstagnachmittag machte sich Günther Neururer zu einem Spaziergang auf und kehrte nicht mehr zu seiner Frau und seinen beiden Kindern zurück. «Er wollte am Bahnhof eine Zeitung holen», erzählt Michelangelo Arcuri, der in Italien lebende Schwager des Verschwundenen. Ob er die Zeitung gekauft habe und was danach geschehen sei, wisse niemand. Verschwunden ist Günther Neururer am 10. Januar vor fünf Jahren.

Ein vorbildliches Leben

«Die fünf Jahre sind schnell vorbeigegangen», sagt Michelangelo Arcuri nachdenklich. «Es ist immer noch gleich, wie am ersten Tag. Man könnte meinen, es sei gestern passiert.» Keinerlei Anzeichen habe es gegeben, dass etwas im Leben von Günther nicht stimmen könnte, führt der Schwager aus. Ein vorbildliches und gewissenhaftes Leben habe er geführt, sowohl innerhalb der Familie als auch bei der Arbeit. «Jeder hätte gerne solch einen Vater gehabt. Wir fragen uns noch immer, wieso er einfach verschwunden ist.»

«Sozialhilfe ist wichtig»

Nach dem Verschwinden von Günther Neururer habe das Sozialamt Romanshorn sowohl psychologisch als auch finanziell geholfen, sagt Michelangelo Arcuri. «In solch einem Fall lernt man, wie wichtig die Sozialhilfe ist, und man muss zufrieden sein, dass man in einem Land wie der Schweiz lebt, wo die Sozialhilfe so gut funktioniert», lobt der Schwager das schweizerische System. Denn so etwas könne jedem passieren.

Auch das persönliche Umfeld habe die Familie von Anfang an unterstützt, führt Arcuri dankbar aus. «Die Nachbarn helfen uns auch jetzt noch und unterstützen uns, wenn wir Hilfe brauchen.» Der Schwager selber kommt regelmässig aus Italien in die Schweiz zu Besuch, um die Familie seiner Schwester zu unterstützen.

Vorwärts schauen

Vor allem die Kinder, die ja mittlerweile erwachsen seien, aber auch die Ehefrau, warteten jeden Tag darauf, dass er nach Hause kommt. Es sei hart für die Familie, sagt der Schwager, der selber auch zwei Kinder hat, betrübt. «Meine Schwester versteht noch immer nicht, was passiert ist. Das Verschwinden des Ehemannes und Vaters hinterlässt ein grosses Fragezeichen.» Niemand habe eine Erklärung. «Trotzdem musste sie vorwärts schauen und die Kinder erziehen.»

«Dann brennt wieder ein Licht»

Zu Beginn des Jahres wurde vom Bezirksgericht Arbon das Verschollenheitsverfahren öffentlich bekanntgemacht. Falls Günther Neururer bis zum 28. Februar in einem Jahr nicht auftaucht und auch keine Hinweise mehr eingehen, wird er als verschollen erklärt. Dadurch können an die Familie Sozialversicherungsrenten ausbezahlt werden, falls Anspruch darauf besteht. «Rechtlich ändert sich zwar etwas, aber auf der emotionalen Ebene wird sich kaum was ändern», ist sich Michelangelo Arcuri bewusst.

«Man kann von niemandem Abschied nehmen, solange man nicht genau weiss, was passiert ist.» Die Familie habe noch keinen Augenblick daran geglaubt, dass Günther Neururer nicht mehr leben könnte. Die Hoffnung, dass der vermisste Familienvater plötzlich wieder vor der Türe stehen werde, verschwinde nie.

Hoffnung gibt den Angehörigen laut Arcuri auch der Fall der verschwundenen Frau aus Deutschland, die kürzlich in einem Wald im Kanton Bern aufgetaucht ist. Da habe es zwölf Jahre gedauert. «In solch einem Moment brennt wieder ein Licht», beschreibt er seine Gefühle und fügt an: «Irgendwann wird er vielleicht wieder auftauchen.»

Günther Neururer (Bild: zVg)

Günther Neururer (Bild: zVg)

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