Als Praktikantin am Pflegebett

ARBON. Das Regionale Pflegeheim Sonnhalden ist auch Ausbildungsplatz. Praktikantinnen lernen viel für ihren späteren Berufsweg. Eine Schnupperwoche zeigt vorgängig, ob eine Eignung besteht, später den beruflichen Weg als Pflegefachfrau einzuschlagen.

Hedy Züger
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Aus der Praktikantin Quendresa Kryeziu wird bald eine Schwesternhilfe. (Bild: Hedy Züger)

Aus der Praktikantin Quendresa Kryeziu wird bald eine Schwesternhilfe. (Bild: Hedy Züger)

Arbeit und Kompetenzen im Gesundheitswesen sind genau geregelt – das gilt für alle Ausbildungsstufen. Ob Pflegefachfrau oder Fachangestellte Gesundheit: Die ersten beruflichen Sporen verdienen sich manche dieser kompetenten Helferinnen am Kranken- oder Pflegebett als Praktikantin ab.

Schnupperwoche zeigt es

«Praktikanten sind bei uns keineswegs das fünfte Rad am Wagen», bemerkt Franz Böh, Leiter Pflegedienst im Regionalen Pflegeheim Sonnhalden. «Sie gehören ins Team und dürfen intern sogar an Weiterbildungsanlässen teilnehmen.

» Bevor ein Praktikumsjahr vereinbart werden kann, muss der oder die Schulentlassene im Pflegeheim eine Schnupperwoche absolvieren. Da zeigt sich bald, ob zur Neigung für ältere Menschen die Eignung hinzukommt.

Lehrstellen sind rar

Das Pflegeheim Sonnhalden bietet vier Praktikumsstellen, davon sind drei für 2010/11 besetzt, für die vierte nimmt die Heimleitung Bewerbungen entgegen.

Dieser Platz vier ist eher ein Glücksfall, denn es melden sich in der Regel mehr Interessenten als Stellen zur Verfügung stehen.

Verschiedene Mitarbeiterinnen im Regionalen Pflegeheim haben vor ihrer Lehrzeit das Praktikumsjahr absolviert und danach als Schwesternhilfe gearbeitet. Diese Vorbildung half bei der Abklärung, ob der Spital- oder Heimalltag die richtige berufliche Richtung ist. Die Lehre wurde zum Teil auswärts absolviert.

Später kehrte die eine und andere Fachangestellte Gesundheit ins «Sonnhalden» zurück, wo sie viele Jahre früher als Praktikantin begonnen hatte. Zwei Pflegefachfrauen auf der zweiten Station kamen ebenfalls mit bedeutendem beruflichem Rucksack zurück. Auch zwei Rotkreuzhelferinnen blicken auf ein früher absolviertes Praktikumsjahr im Pflegeheim Sonnhalden zurück.

Guter Einstieg

Quendresa Kryeziu schliesst ihr Praktikumsjahr demnächst ab. Ihr räumt das Heim an der Rebenstrasse 57 die Möglichkeit ein, anschliessend ein Jahr lang als Schwesternhilfe im Heim zu arbeiten. Die junge Frau mit kosovarischen Wurzeln verbessert sich so die Chance, später eine Lehre zu absolvieren. Diese Erfahrung hat sie nun gemacht: Der Einsatz für kranke oder pflegebedürftige Menschen gefällt ihr. Sie kann sich gut vorstellen, später mehr Verantwortung zu tragen.

Drei Bereiche

Das betriebliche Ausbildungsprogramm sieht für Praktikantinnen und Praktikanten drei Bereiche vor: Hauswirtschaftliche Arbeiten auf der Station, Betreuungsaufgaben sowie Grundpflege an den Pensionären. Zum Aufgabenbereich gehören kleinere Reinigungsarbeiten, zum Beispiel in der Stationsküche, Bettenmachen, Wäscheversorgung und allgemeine Unterhaltsarbeiten.

Die Praktikanten beteiligen sich an der Alltagsgestaltung der Pensionäre und sie helfen rund um die Mahlzeiten mit.

Hilfe bei der Toilette

Die jungen Helfer unterstützen die Bewohner bei der Toilette dreimal täglich sowie beim Duschen und Ankleiden, sie dürfen bei der Einnahme der Medikamente helfen, Einträge in den Pflegebericht vornehmen und Beobachtungen oder Veränderungen melden. Ganz wichtig: Auch sie haben die Schweigepflicht einzuhalten.

Die Kompetenzen sind bereits auf dieser Stufe abgegrenzt; das Wägen dürfen Praktikanten durchführen, nicht aber Messen des Blutdrucks oder des Blutzuckers.

Am Sterbebett

Quendresa Kryeziu fügt bei, dass nicht immer das gleiche Arbeitsprogramm gilt, die Praktikanten wechseln sich bei manchen Aufgaben ab. Diplomatisch meint sie, dass es ganz liebe Patienten gebe und solche, die etwas anspruchsvoller seien. Einmal konnte Quendresa Kryeziu beim Herrichten einer verstorbenen Bewohnerin dabei sein.

Sie lernte dabei, dass dieser letzte Dienst zum Leben gehört, eine Beziehung abschliesst und für sie eine gute Erfahrung bedeutet.