Als es in der Schule noch das Fräulein Lehrerin gab

Aline Brauchli unterrichtete 44 Jahre die Unterstufe in Mühlebach. Anhand ihrer Biographie war vieles um den Wandel im Lehrberuf zu erfahren.

Hugo Berger
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AMRISWIL. Nicht nur Amriswiler waren am Mittwoch im Schulmuseum Mühlebach anzutreffen. Auch aus anderen Teilen des Kantons waren ehemalige Schülerinnen und Schüler von Aline Brauchli zur ersten der vierteiligen Veranstaltungsreihe zum Thema «Der Lehrberuf im Wandel» angereist. Diese Reihe wird aus Anlass des 10. Geburtstags des Schulmuseums Mühlebach zusammen mit dem Amt für Volksschule und der Pädagogischen Hochschule Thurgau organisiert.

Frauen an den Herd

Aline Brauchli unterrichtete die damals noch selbständige Primarschule Mühlebach von 1920 bis 1964. Die Historikerin Elisabeth Joris schilderte die Probleme der damaligen Lehrerinnen und wie diese allmählich die Schulstuben eroberten.

Weibliche Lehrkräfte waren um die Jahrhundertwende selten anzutreffen. Allenfalls bekamen sie eine befristeten Vertrag oder eine Teilzeitanstellung als Handarbeitslehrerin. Nicht vorstellbar war, dass eine schwangere Frau Unterricht erteilte. Noch bis in die 70er-Jahre verdienten die Frauen weniger als ihre männlichen Kollegen. Die Wende kam mit dem Lehrermangel Ende der 70er-Jahre. Im Bankwesen und vor allem in der Informatik wurden viele neue Stellen geschaffen, die dem Lehrberuf vorgezogen wurden.

Leidenschaft für ihren Beruf

Wie Aline Brauchli ihre Zeit als Lehrerin in Mühlebach erlebte, erfuhren die Besucher von den angehenden Primarlehrkräften Enriqueta Taboas und Manuel Nagel. Sie schildern Brauchli als «emanzipierte, willensstarke Frau mit unermesslicher Leidenschaft für ihren Beruf».

Bereichert wurde der Abend mit Episoden, welche die Nichte von Brauchli, Regula Mathyer, erzählte. So wurde das Geheimnis gelüftet, warum die Lehrerin stets einen Ring trug, wenn sie zum Einkaufen nach St. Gallen ging: Sie hatte festgestellt, dass eine Frau mit Ring zuvorkommender bedient wird. Besonders ans Herz gewachsen sei ihr das Schulhaus Mühlebach, in dem sie bis 1988 gewohnt habe, erzählte die Nichte und fügte bei: «Ihre grösste Sorge war, was aus dem Schulhaus einst wird. Sie hätte grosse Freude, wenn sie wüsste, dass es heute ein lebendiges Schulmuseum ist.»