Aller Anfang ist schwer

Mit Christina Kreis verlässt bereits die dritte von fünf im Sommer 2008 eingestellten Primarschul-Leitungspersonen Amriswil wieder. Schulpräsident Markus Mendelin nimmt Stellung zu diesem «Kommen und Gehen».

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Eine Auswahl zu treffen, ist immer auch ein gewisses Risiko: Markus Mendelin. (Bild: Roger Häni)

Eine Auswahl zu treffen, ist immer auch ein gewisses Risiko: Markus Mendelin. (Bild: Roger Häni)

Seit knapp zwei Jahren gibt es an den Primarschulen der Volksschulgemeinde Amriswil-Hefenhofen-Sommeri Schulleiter. Jetzt kommt es schon zum dritten Wechsel. Worin liegen die Gründe?

Markus Mendelin: Die Kündigung von Christina Kreis hat uns völlig überrascht. Sie sagte uns, sie habe in Egnach quasi ihre Traumstelle gefunden. Das müssen wir akzeptieren.

Und wie kamen die ersten beiden, bereits vollzogenen Wechsel zustande?

Mendelin: Als wir vor zwei Jahren auf einen Schlag fünf Schulleiter eingestellt hatten, war der Stellenmarkt eher ausgetrocknet. Die Bewerbungen hielten sich im Rahmen. Eine Auswahl zu treffen, ist immer auch ein gewisses Risiko. Es ist schwer vorauszusagen, ob die Schulleitungsperson und das Team der Lehrerschaft zusammenpassen.

Wie in einer Ehe beruht die Beziehung auf gegenseitigem Respekt und dem Willen, gemeinsam vorwärtszugehen.

Dann passten die Schulleitungspersonen, die bereits wieder weg sind, also nicht so gut zum Team?

Mendelin: Es gab gewisse Probleme, ja.

War eine Umverteilung der Schulleiter auf die Schulhäuser ein Thema?

Mendelin: Nein, die anderen Schulleiter sind etabliert. Wenn sich zwei Partner gefunden haben, sollte man keinen Partnertausch vornehmen.

Wer trennte sich schliesslich von wem?

Mendelin: Alle Schulleitungspersonen haben von sich aus gekündigt. Sie stellten fest, dass sie zu wenig Akzeptanz hatten. Schulleiter haben relativ viele Freiheiten und sie müssen sich als Führungsperson vor Ort selber behaupten können. Das ist gar nicht so einfach. Die geleitete Schule hat bei uns noch wenig Tradition und die erste Generation von Schulleitern hat es besonders schwer. Ich sehe die Abgänge als natürliche Bereinigung. Anzahlmässig sieht es dramatischer aus, als es ist.

Werden denn bei den Schulleitungen dauerhafte Lösungen angestrebt, oder sind Wechsel sogar wünschenswert?

Mendelin: Dauerhafte Lösungen sind von Vorteil, wobei ich damit nicht 25 Jahre meine. Nach einer gewissen Zeit treten natürliche Abnützungserscheinungen ein. Fünf bis zehn Jahre Zeit braucht es aber schon, um die Schulentwicklung nachhaltig zu prägen. Unsere Schulleiter auf der Sekundarstufe werden im Sommer genau fünf Jahre im Amt sein.

Die angesprochenen Hans-Ulrich Giger und Bernhard Windler sind zwei Amriswiler Lehrer, welche die Schulleiterfunktion auf Sekundarstufe übernommen haben. Weshalb werden auf Primarstufe stets Auswärtige eingestellt?

Mendelin: Es können sich genauso einheimische Lehrer bewerben. Eine abgeschlossene Schulleiterausbildung ist aber sinnvoll. Wir haben die Abgänge auf Primarstufe im letzten Jahr durch gute Leute kompensieren können, die ins Team passen. Was die Nachfolge von Christina Kreis betrifft, haben wir die Stelle eben erst ausgeschrieben.

Wie lautet das Anforderungsprofil dieser Stelle?

Mendelin: Wir suchen vor allem eine Persönlichkeit, die jene Managementqualitäten mitbringt, die es für die Führung einer Schule braucht.

Hat sich das Schulleitermodell in Amriswil bewährt?

Mendelin: Jede Systemänderung braucht Zeit. Führung in der Schule ist ein Kulturwandel, der wie bei einer Firmenfusion nicht per Knopfdruck geschaltet werden kann. Auf Sekundarstufe hatten wir diese Zeit, auf Primarstufe noch nicht.

Festzuhalten ist, dass vieles ohne Schulleitung undenkbar wäre. Etwa das Projekt Brückenbauer (die Schule beteiligt sich aktiv an der Suche nach einer Anschlusslösung für ihre Schulabgänger, Anmerkung der Redaktion). Es braucht Leute, die vor Ort für Nachhaltigkeit sorgen können.

Und was macht Schulleiter auf Primarstufe unverzichtbar?

Mendelin: Die Schulleitungen sind in erster Linie für Personal- und Schulentwicklung verantwortlich. Nicht mehr «ich und meine Klasse», sondern «wir und unsere Schule» ist das Ziel.

Fächer- und stufenübergreifende Schulformen sind Themen, mit denen sich die Teams auseinandersetzen müssen. Die Schülerinnen und Schüler sind viel unterschiedlicher, als noch vor 10 oder 20 Jahren. Die Schule kann nicht so tun, als habe sich die Welt nicht verändert. Veränderte Familienformen, Mobilität, unterschiedlichste Erziehungsauffassungen und Wertezerfall verlangen nach verbindlichen Absprachen im Team, nach gemeinsam ausgehandelten Regeln und so weiter. Ohne Schulleitungen ist diese Organisationsentwicklung undenkbar. Interview: Roger Häni

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