Äpfel von flüssig bis getrocknet

STACHEN. Ausflug-Serie (21/24). In keiner anderen Region der Schweiz stehen so viele Apfelbäume wie im Oberthurgau. Auch die verarbeitenden Betriebe sind präsent. Sie laden ein zu einer kurzen Wanderung durchs Apfelland.

Mario Testa
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Ernst Möhl führt TZ-Redaktor Mario Testa und seine Wandergruppe mit Tatjana Dünner, Bettina Schiess und Willi Benz durch das Mostereimuseum. (Bild: Andrea Stalder)

Ernst Möhl führt TZ-Redaktor Mario Testa und seine Wandergruppe mit Tatjana Dünner, Bettina Schiess und Willi Benz durch das Mostereimuseum. (Bild: Andrea Stalder)

Die Mosterei Möhl wächst und wächst. Auch das betriebseigene Mostereimuseum bekommt das zu spüren, Ende Januar geht es zu und macht zusätzlichen Büros Platz. «Wir wollen aber ein neues Besucherzentrum errichten in den nächsten zwei Jahren und dort auch die Ausstellung des Mostoramas Wädenswil integrieren», sagt Ernst Möhl. Der Geschäftsleiter des Familienbetriebs nimmt sich Zeit für eine Führung und erzählt über die alten Maschinen, während die vier Mitglieder der Wandergruppe an ihrem Glas Apfelsekt «Cuve Jean Georges» nippen. «Diese Flaschenreinigungsmaschine war noch in Betrieb, als ich ein kleiner Bub war. Bis 1957 haben wir die benutzt», sagt der 63jährige Patron. Mittlerweile habe die Mechanisierung und Automatisierung im Betrieb weiter zugenommen, und während man heute 80 Prozent der Apfelmasse zu Saft pressen könne, seien es früher auf den alten, hölzernen Spindelpressen gerade mal etwa 50 Prozent gewesen.

Jean tönt edler als Hans

Das Museum gibt es seit dem 100-Jahr-Jubiläum der Mosterei im Jahr 1995. Die Exponate stammen aus der ganzen Schweiz, es sind Schenkungen, Einkäufe oder eigene ausgemusterte Maschinen. Auch alte Fotos hängen an der Wand. «Das isch aber en chäfrige Typ», sagt Willi Benz und zeigt auf eines der Bilder, das einen kräftigen Mann mit Schnauz zeigt. Möhl erklärt: «Das ist mein Urgrossvater Hans Georg – en rechtä Fätze – er hat die Firma gegründet. Nach ihm ist auch der Sekt benannt, nur halt auf Französisch. Das tönt laut den Werbern einfach edler.»

Eindrückliche Bilder zeigen sich beim Gang durch die Mosterei. Riesige Stahltanks mit Platz für rund zehn Millionen Liter Konzentrat und Saft, eine hochmoderne Abfüllanlage und viele Rohre befinden sich in den kühlen, labyrinthartigen Gängen und Hallen. Auch 27 Eichenfässer, in denen der Verkaufsschlager aus Stachen gärt.

Den Schluck aus der bekannten Bügelflasche muss sich die Wandergruppe aber erst verdienen. Zu Fuss geht es los, vorbei an Einfamilienhäusern, raus aus Stachen, kurz dem Autobahnzubringer entlang zur Obstsortensammlung Roggwil in Hofen. 320 verschiedene Apfel- und Obstbäume stehen dort in Reih und Glied, seit diesem Jahr auch 66 Nussbäume. An den Samstagen sorgen die Vereinsmitglieder mit ihrem Einsatz für den Erhalt seltener Sorten. «Im Frühling sorgen wir durch Aufpropfen für die Aufzucht neuer Bäume, im Sommer werden sie gepflegt und im Herbst ist Erntezeit», erklärt Ernst Forrer. Der 78-Jährige ist einer der Pflückchefs des Vereins. «Es ist ein schönes Hobby, alte Obstsorten erhalten zu können.» Grossherzog Friedrich, Nordhäuser Winterforelle, Kronprinz Rudolf. Spezielle Sortennamen sind zu entdecken im Schopf des Vereins, wo die Helfer ihre Tagesernte in die vielen Kisten sortieren. Benz und Testa entscheiden sich für einen Apfel der Sorte Goro zum Zwipf, ihre Partnerinnen Schiess und Dünner für Zwetschgen.

Bäume ächzen unter der Last

Weiter geht die Wanderung Richtung Westen, vorbei an vielen Hochstämmern und immer mehr Obstplantagen – mit Stangen und Seilen stützen die Bauern die mit roten, grünen und gelben Früchten schwer beladenen Äste. Dann gibt's endlich den wohlverdienten Saft, beim Mittagessen im Restaurant Burkhartshof. Grosse Portionen gibt es da im günstigen Menu.

Es folgt eine knapp stündige Wanderung vorbei an Kuglersgreut und Egnach. Der Bodensee erscheint in der Ferne, und wenig später steht die Gruppe vor der Öpfelfarm in Olmishausen – Touristenmagnet und Dorflädeli in einem. «Wir werden dieses Jahr fast überrannt», sagt Chefin Monika Kauderer. «Öpfelringli und die Geschenkkörbe sind der Renner.» Dann strömt eine grosse Gruppe herbei. Sie hat eine Führung durch die Öpfelringli-Produktion hinter sich und bekommt von Kauderer nun Schoggi mit Apfelstückli zu probieren.

Bild: MARIO TESTA

Bild: MARIO TESTA