Ade Zöllnerdorf?

Als ich die Nachricht von der (geplanten) Schliessung des Romanshorner Zollamts las, kamen in mir viele Erinnerungen hoch.

Mark Kilchmann-Kok
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Als ich die Nachricht von der (geplanten) Schliessung des Romanshorner Zollamts las, kamen in mir viele Erinnerungen hoch. Schliesslich kam ich vor vielen Jahren mal als Zolltechniker ins schöne Romanshorn (lustige Anekdote: Ich fuhr mit dem Zug nach Rorschach und bemerkte erst beim Aussteigen, dass ich in der falschen Stadt am Bodensee gelandet war – eine typische Verwechslung, die wohl manchem Nichtostschweizer früher passierte).

Schon bald erfuhr ich, dass Romanshorn das «Bähnler-, Pöstler- und Zöllnerdorf» genannt wird. Seither ist viel passiert, diese Berufsgattungen sind schon lange nicht mehr prägend. Jetzt soll die Zollstelle bei der Fähre weggespart werden.

Nun bin ich als ehemaliger Mitarbeiter sicher nicht objektiv. Aber nach meinen Erfahrungen hat das Romanshorner Zollamt immer viele Vorteile geboten: es ersparte Lastwagen (-fahrern) grosse Umwege, entlastete die verstopften Routen über Bregenz und Konstanz, erlaubte den Speditionen eine gut planbare, rasche Abfertigung in einer sehr effizienten Zollstelle (und verminderte damit den Stau in grossen Zollämtern). All dies kam auch der Umwelt zugute. Eine Grundlage dieser Vorteile ist natürlich der Fährbetrieb, der seinerseits von den einträglichen Lastwagentransporten profitiert. Ein Wegfall dieser Transporte wird ihn vor grosse, vielleicht unüberwindbare finanzielle Herausforderungen stellen.

Die Schweiz hat Milliardenbeträge in die Neat investiert, um genau solche umweltschonende Optimierungen der Transportwege zu erreichen. Es wäre widersprüchlich, solche Ziele in der Bodenseeregion aufzugeben, weil der Fährbetrieb geschlossen werden müsste. Das Romanshorner Zollamt ist ein wichtiges Element dieser «Bodensee-Neat». Ich verstehe, dass die Zollverwaltung nicht für den Fährbetrieb verantwortlich ist. Aber ich hoffe doch, dass es in der Bundesverwaltung Prozesse gibt, die Sparbemühungen auf grössere Zusammenhänge hin untersucht.