Abwasser fliesst über die Grenze

Tägerwilen baut seine Kläranlage zurück und lässt sein Schmutzwasser künftig in Konstanz reinigen. Die Stimmbürger bewilligten an der Versammlung die Kreditgarantie von 3,2 Millionen Franken.

Nicole D'orazio
Drucken
Teilen
Jörg Sinniger Gemeinderat Tägerwilen (Bild: Nicole D'Orazio)

Jörg Sinniger Gemeinderat Tägerwilen (Bild: Nicole D'Orazio)

TÄGERWILEN. Die Kläranlage in Tägerwilen stösst an ihre Grenzen. Die Kapazitätsgrenze von 7000 Einwohnergleichwerten – das sind Einwohner und Gewerbebetriebe zusammen – wird seit vier Jahren erreicht und immer wieder überschritten. Ein Anschluss an die Kläranlage in Konstanz hat sich bei den Planungen als günstiger und ökologischer herausgestellt als ein Ausbau der ARA in Tägerwilen.

«Die Anlage in Konstanz hat einen guten Ausbaustandard und ist nicht ausgelastet. Unser Interesse ist bei unseren Nachbarn sehr willkommen», sagte Gemeinderat Jörg Sinniger an der Gemeindeversammlung am Montagabend. «Zudem wissen wir, dass die Stadt Kreuzlingen mit ihrem Anschluss und der Zusammenarbeit zufrieden ist.»

Von allen an der Kläranlage beteiligten Parteien – Konstanz, Kreuzlingen und Bodanrück – lägen deren Zustimmungen für den Anschluss von Tägerwilen-Gottlieben vor, sagte Sinniger weiter. Die Beteiligungsquote von Tägerwilen betrage 4,4 Prozent. Die einmalige Anschlussgebühr belaufe sich auf 1,44 Millionen Franken.

Für den Anschluss sind Druckleitungen von der ARA Tägerwilen unterhalb der Konstanzerstrasse, ums Zollhaus bis zum Pumpwerk Schänzle sowie drei neue Pumpen nötig. Für die Bauarbeiten sowie den geplanten Rückbau der Becken der eigenen ARA wird mit Kosten von 2,08 Millionen Franken gerechnet. «Vom Total von 3,5 Millionen übernimmt Gottlieben einen Anteil von 303 000 Franken. Das gibt für uns also 3,2 Millionen Franken», sagte Sinniger.

Anschluss erst 2017

Mit dem Anschluss wird 2017 gerechnet, da die Bauarbeiten nur in den Wintermonaten durchgeführt werden können, ergänzte Gemeindeammann Markus Thalmann. «Ich denke, wir werden zwei Winter benötigen.» Das bestehende ARA-Gebäude wolle man nicht abbrechen, sondern umnutzen. «Es wäre ideal für einen kleinen Gewerbebetrieb», ergänzte Thalmann. Die 102 anwesenden Stimmbürger bewilligten die Kreditgarantie grossmehrheitlich.

Chance für weitere Arbeiten

Die Bauarbeiten in der Konstanzerstrasse werden auch gleich dazu genutzt, die Wasser- und Stromleitungen im Tägermoos zu sanieren und zu erweitern. «Das ist dringend nötig, der heutige Zustand ist nicht mehr gesetzeskonform», erklärte Gemeinderat Willy Sauter. Durch die Leitungslänge von über einem Kilometer könne im Störungsfall die vorgeschriebene Abschaltung innerhalb von zwei Minuten durch den zu niedrigen Kurzschlussstrom nicht erreicht werden. An der Konstanzerstrasse wird deswegen eine neue Trafostation erstellt. Auch werde ein Leerrohr zwischen der neuen Trafostation und der Zollanlage eingebaut. Die Versammlung stimmte dem Kredit von 820 000 Franken einstimmig zu.

Belag wird auch saniert

Auch die Holperpiste auf der Konstanzerstrasse sollte bald Geschichte sein. «Die Stadt Konstanz nutzt die Gelegenheit und wird die Strasse und den Radweg sanieren», sagte Thalmann. Die Sanierung sei für 2016 oder 2017 vorgesehen.

Aktuelle Nachrichten