Abschied vom Schneckentempo

Das Glasfasernetz reicht in Zihlschlacht-Sitterdorf jetzt bis in den östlichen Gemeindeteil. Der Standortnachteil der dortigen Weiler existiert nicht mehr. Die Einwohner profitieren ebenfalls vom wesentlich schnelleren Internet.

Georg Stelzner
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Gemeindepräsidentin Heidi Grau bespricht mit Bruno Müller, Bereichsleiter bei der Telekabel Bischofszell AG, die Verbesserungen.

Gemeindepräsidentin Heidi Grau bespricht mit Bruno Müller, Bereichsleiter bei der Telekabel Bischofszell AG, die Verbesserungen.

ZIHLSCHLACHT-SITTERDORF. «Es funktioniert tadellos, ich bin begeistert», sagt Massimo Pignari. Vor zwei Jahren ist er mit seiner Familie von St. Gallen nach Helmishub umgezogen. Im idyllischen Weiler fühlte sich Pignari auf Anhieb wohl. Getrübt wurde seine Zufriedenheit lediglich durch die schlechte Internet-verbindung. «Meine Frau und ich sind diesbezüglich auf zeitgemässe Bedingungen angewiesen», erklärt der im Sanitärbereich tätige Einwohner. «Deshalb freuen wir uns besonders über das neue Angebot.»

Bedürfnis vorhanden

Heidi Grau, Gemeindepräsidentin von Zihlschlacht-Sitterdorf, bestätigt, dass Pignari kein Einzelfall ist. «Viele Bewohner der Weiler rund um Blidegg schätzen das schnellere Internet und sind froh, jetzt zur modernen Kommunikationswelt zu gehören.» Der Gemeinderat habe sich zum Handeln entschlossen und diese Verbesserung in den Katalog der Legislaturziele 2011 bis 2015 aufgenommen, weil eine zeitgemässe Internetverbindung auch in ländlichen Gebieten heute ein Bedürfnis sei. So müssten etwa die Bauern ihre Daten dem Landwirtschaftsamt per Internet übermitteln.

Bruno Müller, Bereichsleiter bei der Telekabel Bischofszell AG, die im vorliegenden Fall als Provider fungiert, pflichtet der Gemeindepräsidentin bei: «Internet ist heute Standard und ein Grundbedürfnis.» Auch Einwohner in kleinen Siedlungen dürften beim Surfen im Internet eine Erwartungshaltung geltend machen, die über das vorgeschriebene Minimum hinausgeht.

Nutzung bestehender Rohre

Bei der Realisierung des Projekts galt es laut Heidi Grau, verschiedene Punkte zu berücksichtigen. So habe man eine Variante gesucht, bei der keine neuen Gräben für die Leitungen ausgehoben werden mussten. Dies aus Kostengründen und aus Rücksicht auf die Landwirtschaft. Die Gemeindepräsidentin erklärt, wie die Lösung aussieht: «Wir können die bestehenden Rohranlagen der Stromversorger nutzen und stellen ihnen im Gegenzug das Kommunikationsnetz für ihre Bedürfnisse zur Verfügung.» Die Kooperation mit der Telekabel Bischofszell AG war an die Bedingung geknüpft, dass mindestens 50 Prozent der Hausanschlüsse im betroffenen Gebiet am Projekt beteiligt sein müssen. Dieser Wert wurde nach Auskunft Bruno Müllers deutlich übertroffen: «Von insgesamt 95 Wohneinheiten haben 64 ein Kunden-Abonnement bei uns abgeschlossen.» Bei manchen Einwohnern habe es Überzeugungsarbeit gebraucht, andere seien gleich Feuer und Flamme gewesen, ergänzt Heidi Grau und würdigt das Engagement von Gemeinderat Xaver Jans in dieser Angelegenheit.

Ausdruck von Solidarität

Die Politische Gemeinde Zihlschlacht-Sitterdorf hat sich mit einem Betrag von 309 000 Franken an den Investitionskosten beteiligt. Dafür war die Zustimmung der Gemeindeversammlung nötig. Diese wurde im Jahr 2015 erteilt. «Ich bin stolz darauf, dass die Stimmbürger grünes Licht erteilt haben, denn darin kommt eine solidarische Haltung gegenüber den diesbezüglich benachteiligten Gebieten zum Ausdruck», sagt Heidi Grau.

Helmishub gehört zu den Weilern in der Gemeinde Zihlschlacht-Sitterdorf, die vom schnelleren Internet profitieren. (Bilder: Georg Stelzner)

Helmishub gehört zu den Weilern in der Gemeinde Zihlschlacht-Sitterdorf, die vom schnelleren Internet profitieren. (Bilder: Georg Stelzner)