Abschied der «Kibizen»

MÄRSTETTEN. Nach 25 Jahren ist Schluss. Die Blaskapelle «Original Kemmentaler Kibizen» gab am Sonntag ihr letztes gemeinsames Konzert. 700 Fans reisten aus der ganzen Schweiz nach Märstetten.

Christof Lampart
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Ein bewegender Moment: Kapellmeister Werner Huber sagt den Fans adieu. (Bild: Christof Lampart)

Ein bewegender Moment: Kapellmeister Werner Huber sagt den Fans adieu. (Bild: Christof Lampart)

Seit einem Dutzend Jahren feierten die «Kibizen» ihr jährliches Fantreffen in der Märstetter «Weitsicht». Da war es selbstverständlich, dass die Stimmungsmacher auch ihren letzten Auftritt hier gaben. Und dies vor 700 begeisterten Fans.

«Das ist noch echte Blasmusik»

Tränen flossen – soweit ersichtlich – keine, aber dem einen oder anderen Fan war anzusehen, dass er nicht vorbehaltlos das Konzert geniessen konnte. «Ich muss immer daran denken, dass es das letzte Konzert ist», klagte Anna Müller, welche aus Zürich angereist war. Dabei war sie in guter Gesellschaft. Denn wer auf dem Parkplatz einen Blick auf die Nummernschilder warf, sah, dass Leute aus mindestens zehn Kantonen hier waren, um die 22 Mannen um Kapellmeister Werner Huber ein letztes Mal hochleben zu lassen. «Das ist noch echte Blasmusik, wie ich sie liebe. Wenn ich bei uns an ein Konzert der Musikgesellschaft gehe, dann kommt nur so amerikanisches Zeugs», findet Anne Maria Walzl aus Hüttlingen. «Wir sind seit über zehn Jahren dabei», erzählt sie und blickt zu ihrem Lebenspartner Werner Dumelin hinüber. Er bestätigt das Gesagte: «Diese Musik ist volksnah und geht einem ans Herz.» Egal, wen man auch an diesem Nachmittag fragte – die Antworten lauteten alle ähnlich. Und doch war nicht nur die Trauer greifbar, sondern immer wieder klang Verständnis für den getroffenen Entscheid durch. «Wenn es jemandem gesundheitlich nicht mehr so gut geht wie dem Werner Huber, dann muss man halt aufhören, so schade ich es auch finde», erklärt Heidi Messerli aus Raperswilen.

CD hören als Trösterli

Speziell Werner Huber holt auf der Bühne alles aus sich heraus. Was nichts anderes heisst, als dass er die Bläser aus Leidenschaft zur Höchstleistung anspornt. Da ein Schlager, dort eine Polka, dann ein Walzer. Hier wird Musik gespielt, deren böhmisch-mährische Klänge in einem keine spezielle Erinnerung auslösen – einfach, weil man das Gefühl hat, dass es diese wunderschönen Klänge schon immer gegeben hat. «Ich könnte stundenlang zuhören», seufzt eine Dame. Anne Maria Walzl hat schon eine Lösung – auch wenn diese einen Live-Auftritt nicht ersetzen vermag. «Ich haben noch eine schöne CD, so dass ich die «Kibizen» immer wieder anhören kann, wenn mir danach ist», sagt sie.