Abhängen an vertrautem Ort

ARBON. Fledermäuse sind Nützlinge. Sie nisten oft in nächster Nähe von uns Menschen. Das lassen sich leider nicht alle gefallen – obwohl das gar nicht so klug ist.

Hedy Züger
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Eine beringte Breitflügelfledermaus hängt an einem Ast. (Bild: Sergey Ryzhkov/fotolia)

Eine beringte Breitflügelfledermaus hängt an einem Ast. (Bild: Sergey Ryzhkov/fotolia)

Was ist denn das? Kleine, braune und trockene Kegelchen auf dem Boden – alle gleichförmig – sorgen an mancher Adresse für Fragezeichen. Es handelt sich um den Kot von Fledermäusen. Die Tiere ziehen sich hinter Rollläden, auf den Estrich und an andere verborgene Orte zurück, um ihren Nachwuchs aufzuziehen und führen eine sogenannte Wochenstube durch. Auch in Arbon sind derlei Kegelchen natürlich bereits entdeckt worden: Die braunen Hinterlassenschaften verraten die Kurzaufenthalter.

Reges Nachtleben

Da Fledermäuse nachtaktiv sind, bekommen wir von den überraschend eingezogenen Untermietern meist wenig zu sehen. Am ehesten können sie in der Dämmerung beobachtet werden, wenn sie lautlos aus dem Versteck fliegen und auf Insektenjagd gehen. «An der Sonnenhügelstrasse durften wir während Jahren 40 bis 60 Breitflügelfledermäuse betreuen», sagt Erica Willi; sie ist die Präsidentin des Natur- und Vogelschutzvereins Meise.

Ein Segler in der Höhle

Inzwischen bewohnen, wie sie erklärt, nur noch wenige Tiere das betreffende Dachgeschoss. In der Umgebung von Roggwil wurden Braune Langohren gesichtet. Grosse Abendsegler bezogen in den Egnacher Seewiesen in Baumhöhlen ein günstiges Quartier. Welche Fledermausarten sich an der Bahnhofstrasse sowie im Buchhorn in Frasnacht kurzzeitig einquartierten, konnte hingegen noch nicht bestimmt werden.

Rauhäute, Zwerg-, Wasser- und Zweifarbenfledermäuse siedeln sich ebenfalls in Arbon an. Tierschützern ist das bekannt, weil sie, gelegentlich verletzte, flugunfähige Tiere dieser Arten in Obhut nehmen und aufpäppeln – was einem einiges abverlangt.

Der Mensch macht sich breit

Wenig Verständnis haben Tierschützer, wenn sie hören, dass Fledermäuse vertrieben werden. Bereits verschwanden viele natürliche Nischen, die sich zur Aufzucht der Brut eigneten, weil sich der Mensch überall breitmacht; und wenn sie als Ersatz einen etwas abenteuerlichen menschennahen Unterschlupf finden – wie etwa Rolladenkästen – will man ihnen den nicht gewähren.

Fledermauskästen als künstliche Nistplätze zu platzieren, das funktioniere bisher nur zum Teil, sagt Willi. Fledermäuse seien standorttreu – sie mögen die ihnen bekannte Adresse – und hängen dort am liebsten ab.

Klug ist das Fledermauswissen

«Fledermäuse können den Geburtstermin etwas steuern», sagt Willi, «bei Regen und Kälte haben sie zu wenig Futter und daher nicht genug Milch um die Winzlinge während sechs bis acht Wochen zu säugen.» Den Fledermäusen jedenfalls würde es gut tun, wenn wir Menschen etwas mehr auf sie achten würden. Lautet doch ein altes englisches Sprichwort über die menschliche Klugheit: «He knows where the bat lives» – er weiss, wo die Fledermaus wohnt. • THURGAU 21

Erica Willi Präsidentin Natur- und Vogelschutzverein Meise (Bild: pd)

Erica Willi Präsidentin Natur- und Vogelschutzverein Meise (Bild: pd)