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ABGÄNGE: Arboner Stadtpräsidenten: Auf dem Schleudersitz

Die Stadt ist politisch wegen der finanziell schwierigen Rahmenbedingungen ein sehr hartes Pflaster. Die meisten Stadtpräsidenten sind in den letzten Jahrzehnten nicht ganz freiwillig aus dem Amt geschieden.
Markus Schoch
Wer im Arboner Stadthaus das Sagen hat, hat keinen leichten Stand. (Bild: Archiv/Raoul Waeber)

Wer im Arboner Stadthaus das Sagen hat, hat keinen leichten Stand. (Bild: Archiv/Raoul Waeber)

In Arbon kann es an der Spitze der Stadt keiner auf Dauer Recht machen. Fast alle geraten früher oder später so stark unter Druck, dass sie sich beruflich neu orientieren wollen beziehungsweise meist müssen.

Der Letzte in der Reihe ist Andreas Balg (FDP), der nächstes Jahr nicht mehr antritt. «Er möchte seiner Familie und seinen Freunden nicht mehr länger die Widrigkeiten und Anfeindungen, welche dieses Amt in der Öffentlichkeit in Arbon mit sich bringt, zumuten», schreibt seine Partei in einem Communiqué.

Schon in den 1980er Jahre ist von einer Führungskrise im Stadthaus die Rede. Aus den Reihen der Freisinnigen wird der Ruf nach einer «neuen Regierung» laut. Ortsvorsteher und Gemeindeammann Josef Staub hält sich aber im Amt und geht 1985 ordentlich in Pension. Die FDP hebt Christoph Tobler auf den Schild. Der Gemeindeammann von Neukirch an der Thur verspricht «frischen Wind» und setzt sich in einer Kampfwahl gegen Hans Geisser von der CVP durch.

Ständig Streit statt Neuanfang

Nach 14 Jahren muss Tobler das Büro im Stadthaus räumen. Stadtrat Giosch Antoni Sgier drängt ihn 1999 aus dem Amt. Der CVP-Mann verspricht, mit «Trott und Filz» aufzuräumen. Sgier weiss zwar eine Mehrheit der Wähler hinter sich, doch bei den Parteien hat er keinen Rückhalt. Selbst seine eigene versagt ihm im Wahlkampf die Unterstützung. Und der Stadtrat spricht sich geschlossen für Tobler aus. Sgier beschwört den Neuanfang. Doch das ist ein frommer Wunsch. Der Stadtrat und Sgier werden keine besten Freunde. An einer Gemeindeversammlung im September 2000 redet der Stadtammann Klartext. Seine Kollegen würden ihn als Lügner bezeichnen und ihm vorwerfen, führungsschwach zu sein und sie als Dreck zu behandeln. Es wird danach nicht besser.

Im Mai 2002 machen sich FDP, SP und SVP auf die Suche nach einem Gegenkandidaten zu Sgier. Fündig werden sie im September in der Person der parteilosen Lydia Buchmüller – Kunsthistorikerin und Raumplanerin aus Basel. Die 43-Jährige verspricht einen Neuanfang «mit Stil und Kompetenz». Interesse meldet auch Peter Gubser (SP) an, verzichtet aber auf eine Kandidatur. Im Februar 2003 entscheiden sich die Arboner deutlich für einen personellen Wechsel an der Spitze der Stadt aus. Doch auch die, mit vielen Vorschusslorbeeren bedachte, Buchmüller wird nicht glücklich in Arbon. Sie überwirft sich schnell mit dem Stadtrat, der ihr bereits im Oktober 2004 die Pesonalverantwortung entzieht. Sie sei menschlich und fachlich nicht auf der Höhe, begründet das Gremium seinen Entscheid. Buchmüller ist isoliert, der Vertrauensverlust setzt ihr gesundheitlich zu. Ein Anwalt verhandelt in ihrem Auftrag mit dem Stadtrat die Modalitäten des Rücktrittes, den Buchmüller schliesslich auf Ende Jahr gibt.

Das Stadtammann-Amt bleibt begehrt: Für die Nachfolge von Buchmüller stellen sich gleich vier Kandidaten zur Wahl, von denen es drei auch ernst meinen: Frau Vizestadtammann Veronika Merz (SP), der Romanshorner Primarschulpräsident Marius Ettlinger (CVP) und Martin Klöti (FDP) aus Rapperswil, der im Juli 2005 mit haushohem Vorsprung das Rennen macht. Klöti ist der geborene Politiker. Ihm gelingt es, die Wogen in Arbon zu glätten. Doch strebt er politisch nach Höherem: Klöti bewirbt sich als Regierungsrat im Kanton St. Gallen und schafft die Wahl im Frühling 2012. Als glänzender Kommunikator habe er es verstanden, Arbon gut zu verkaufen, für positive Schlagzeilen zu sorgen und der Stadt ihre Reputation zurückzugeben, werden seine Verdienste bei der Verabschiedung im Parlament gewürdigt. In seine Fussstapfen treten wollen Wirtschaftsförderer Andreas Balg (FDP) und Stadtrat Patrick Hug, der sich im September 2012 geschlagen geben muss. Balg sitzt aber nicht fest im Sattel. Bei der Wiederwahl 2015 macht ihm Peter Gubser das Amt streitig - allerdings erfolglos.

Markus Schoch

markus.schoch@thurgauerzeitung.ch

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