ABENTEUER: Happy Ente in der Schweiz

Patricia und Romano Tschudi aus Kesswil wanderten nach Bali aus. Mit dabei waren die Kameras der SRF-Sendung «Auf und davon». Das Heimweh war jedoch zu stark. Darum sind sie wieder an den Bodensee zurückgekehrt.

Viola Stäheli
Drucken
Teilen
Patricia und Romano Tschudi kehrten von ihrem Auswandererabenteuer zurück. Sie verkaufen jetzt selbst designte Enten. (Bild: Donato Caspari)

Patricia und Romano Tschudi kehrten von ihrem Auswandererabenteuer zurück. Sie verkaufen jetzt selbst designte Enten. (Bild: Donato Caspari)

Viola Stäheli

viola.staeheli@thurgauerzeitung.ch

Sie sind beide erkältet. «Ja, der Winter ist mir immer noch zu kalt», sagt Romano Tschudi. Im Haus von ihm und seiner Frau Patricia Tschudi ist es aber alles andere als winterlich: Überall stehen Dekorationsartikel, die einen Hauch Exotik verbreiten. In der Ecke sitzt ein Buddha, in einer Glasvitrine steht ein verziertes Holzei, und im Wohnzimmer steht eine ganze Sammlung von Entenfiguren auf dem Tisch.

«Das Klima war einer der Gründe, warum wir versucht haben, in Bali ein neues Leben aufzubauen», sagt Romano Tschudi. Er trinkt nachdenklich einen Schluck Kaffee. Beide wirken nicht bedrückt – im Gegenteil, ihre Augen strahlen, wenn sie von ihrer Zeit auf der indonesischen Insel Bali erzählen. Im Rahmen der SRF-Sendung «Auf und davon» haben die zwei versucht, auszuwandern. In Indonesien wollten sie ein Bed and Breakfast eröffnen – das hat auch geklappt. «Nach Anfangsschwierigkeiten lief alles wie am Schnürchen, wir hatten ausreichend Buchungen für unsere drei Zimmer und schon Land gepachtet, um ein richtiges kleines Ressort zu eröffnen», sagt Romano Tschudi.

Die Distanz war zu gross

Doch dann kam alles anders: Patricia hatte Heimweh, vor allem wegen Tochter Natascha. Die 30-Jährige lebt in Basel. «Ich hatte das Gefühl, den Faden zu ihr zu verlieren, denn auch Skype kann den direkten Kontakt einfach nicht ersetzen», sagt sie. Die räumliche Distanz und die Zeitverschiebung machte es für das Ehepaar schwierig, weiterhin das innige Verhältnis zu ihrer Tochter zu pflegen. So fiel der Entscheid, das Abenteuer abzubrechen und zurück nach Kesswil zu kehren. Tschudis sind die Ersten, die in der SRF-Sendung «Auf und davon» zurückkehren.

So einfach war das aber nicht: Ihr Haus, welches sie vor der Auswanderung gemietet und noch nicht gekündigt hatten, befand sich mitten in der Renovation. Kein Wasser, kein Strom. Also lebten die Tschudis vorerst in einem Wohnwagen. Daneben gab es aber noch ein viel grösseres Problem: Im Oktober sind sie in die Schweiz zurückgekommen, die SRF-Sendung «Auf und ­davon» wird aber erst jetzt im Winter ausgestrahlt. Erst morgen wird in der Sendung bekannt, dass die Tschudis zurück am Bodensee sind. Bis dahin sollte ihre Rückkehr nicht allzu bekannt werden.

Die Folge: Mehrere Buchungsanfragen für ihr Bed and Breakfast in Bali, gutgemeinte Ratschläge über Facebook oder auch ungewolltes Auffallen beim Einkaufen. «Es kamen in letzter Zeit immer wieder Leute auf uns zu, die uns fragten, was wir hier machen.» Sie hätten im Fern­sehen gesehen, dass sie nach Bali ausgewandert seien, erzählt Romano Tschudi. Bei einer solchen Frage kam das Ehepaar in einen Erklärungsnotstand.

Eingewöhnung in der Heimat

Zu alldem kam noch die Wiedereingewöhnung an die Schweiz. «Du gehst mit der Idee, dass sich dein Leben total umkrempeln wird, und acht Monate später bist du wieder zurück», sagt Romano Tschudi. Das ist nicht zuletzt aus finanzieller Sicht schwierig. Tschudis haben einen grossen Teil ihrer Ersparnisse in Bali verbraucht. In der Schweiz mussten sie sich wieder neu umsehen: Sie tritt ab März eine neue Stelle an, er konzentriert sich vermehrt auf den Onlineshop, welchen er bereits vor dem Auswanderungsversuch auf die Beine gestellt hatte. Im Angebot sind balinesische Dekoartikel, wie die Holzenten, die das Ehepaar selbst designt und in Bali herstellen lässt.

«Es ist schon zwiespältig, wieder in der Schweiz zu sein», gibt das Paar zu. Auf der einen Seite freuen sie sich darüber, auf der anderen Seite fehlt ihnen vor allem die balinesische Mentalität. «Irgendwie ist in Bali alles ein bisschen lebensfroher und offener», sagt er. Natürlich gibt es auch Schattenseiten, wie beispielsweise das grosse Problem mit der Korruption. Dafür geniessen sie den Schweizer Käse. «Ausserdem ist die Tierwelt in Bali wirklich eine Herausforderung», sagt sie lachend. Schlangen und Spinnen – mit beiden hat das Ehepaar ausreichend Bekanntschaft gemacht. Bereuen würden sie ihren Versuch nach Bali auszuwandern nicht. Schöne Begegnungen hätten sie gehabt und Freundschaften geschlossen, die noch immer halten.