Abbruchpläne schockieren Mieter

Die Häuser an der Thurfeldstrasse sind alt und renovierungsbedürftig. Aufgrund eines neuen Gestaltungsplans sollen sie abgerissen werden. Die langjährigen Bewohner müssen sich eine neue Bleibe suchen.

Sabrina Bächi
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Walter Knill (stehend) und seine Nachbarn tauschen sich in seiner Gartenlaube aus und besprechen das weitere Vorgehen. Bild: Sabrina Bächi

Walter Knill (stehend) und seine Nachbarn tauschen sich in seiner Gartenlaube aus und besprechen das weitere Vorgehen. Bild: Sabrina Bächi

Der Schock sitzt ihnen tief in den Knochen. Die Mieterinnen und Mieter der Meyerhans Personalhäuser an der Thurfeldstrasse in Weinfelden haben dicke Post erhalten, die sie aufgeschreckt hat. Am 31. August wurden sie zu einer Informationsveranstaltung eingeladen, an der der neue Gestaltungsplan für ihr Quartier Sangenfeld West vorgestellt wurde. Neue Wohnblöcke sind dort geplant, und dafür müssen ihre Häuser abgebrochen werden.

«Es sind 32 Wohnungen und etwa 45 Personen von diesem Gestaltungsplan betroffen», sagt Walter Knill, der seit fast 40 Jahren an der Thurfeldstrasse wohnt. «Wir haben noch keine Kündigung erhalten und die Informationsveranstaltung hat viele Fragen offengelassen», sagt er. «Als Mieter können wir keine Einsprache erheben, aber wir möchten, dass die Öffentlichkeit weiss, dass hier Häuser abgebrochen werden sollen, in denen immer noch Menschen leben. Viele davon sind langjährige Mieter.»

Neues Bauprojekt erhitzt die Gemüter

Am Donnerstagabend haben sich die Anwohner der Thurfeldstrasse getroffen und über ihre Situation diskutiert. «Das Bauprojekt ist überrissen, unmenschlich und brutal», sagt Elias Tobler. «Warum können die Häuser nicht in Etappen ersetzt werden, wenn sie baufällig werden? Eines wurde erst vor dreissig Jahren komplett renoviert und jetzt soll es abgerissen werden, das verstehe ich nicht.» Das Projekt wirft Fragen auf, vor allem aber bangen die Mieter um ihre Existenz.

Die Ungewissheit macht allen zu schaffen. Schlaflose Nächte und Resignation sind die Folge. «Warum soll ich noch jäten, es lohnt sich gar nicht mehr», sagt Brigitte Inauen bedrückt, «ich denke nur noch ans Zügeln.» Die innere Unruhe sei das Schlimmste, da sind sich alle einig.

«Man hat uns bis jetzt keine Hilfe zugesichert, um eine neue Wohnung zu finden. Als ich danach fragte, wurde ich darauf verwiesen, dass ich im Internet eine Wohnung suchen könne», sagt die 78jährige Helga Bänziger. «Dabei habe ich gar kein Internet. Das war einfach kaltschnäuzig.» Vom Abbruch der Häuser ist auch die 92jährige Marie Fauser betroffen. Ob sie nach 45 Jahren im gleichen Haus wieder ein neues Zuhause finden wird, bezweifelt sie. Zudem fragen sich die Bewohner der Meyerhans Miethäuser, ob sie nicht schon viel früher hätten informiert werden können.

Anlageblatt lässt Böses erahnen

Paul Thoma lebt schon sein ganzes Leben an der Thurfeldstrasse. Er machte in den Heizungsunterlagen einen schrecklichen Fund. Bereits bei der Wartung im Juni 2015 wusste der Angestellte der Technischen Betriebe Weinfelden offenbar, dass das Haus an der Thurfeldstrasse 8 abgebrochen werden soll. «So steht es hier auf dem Anlageblatt – und so musste ich davon erfahren», sagt Thoma entrüstet. «Dass es so endet, hätten wir nie gedacht», resümiert Walter Knill enttäuscht.