Ab in den Wald

Ermatingen 1500 Kinder, Frauen und Männer nahmen am Wochenende den Orientierungslauf frisch-fröhlich unter die Füsse. Aus unterschiedlichen Gründen, wie die Umfrage der Thurgauer Zeitung zeigt.

Desirée Müller
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Adolf Kempf aus Reckingen im Oberwallis ist mit seinen neunzig Jahren schon sehr lange im Orientierungslauf aktiv. «Ich lebte sieben Jahre in Australien und merkte schnell, dass ich ohne Kompass und Karte nicht weit komme im Busch.» Auch nach seiner Rückkehr in die Schweiz blieb seine Leidenschaft fürs Laufen in der Natur und für das Kartenlesen. Ums Punktesammeln ging es ihm aber nie. «Einfach so zu rennen, ist doch langweilig», sagt Adolf Kempf. Das findet auch Marc Eyer aus Nidau bei Biel. Der Läufer lernte in den vergangenen 35 Jahren durch den Sport die ganze Schweiz kennen. «Ich kam durch den OL an Orte, die ich sonst nie besucht hätte. Mir gefällt bei diesem Sport auch der Hauch von Abenteuer», sagt Eyer. Nachwuchsläufer Sven Kehrle aus Zürich hat viel Potenzial. «Es wäre schon sehr cool, mal ein bekannter OL-Läufer zu werden. Ich liebe es einfach zu rennen», sagt der Schüler und macht sich bereit für den Start.

Einmalige Kombination aus Sport und Natur

Martina Seiterle aus Winterthur läuft in der Kategorie Elite mit; sie hat einen Namen in der OL-Szene. «Mir gefällt das Ungewisse beim Orientierungslauf. Ich stehe am Start und bekomme eine Karte in die Hand, die ich noch nie zuvor gesehen habe. Das ist doch cool.» Ihre Kollegin Linda Marti aus Sirnach stimmt ihr voll und ganz zu. «Es gibt einfach nichts Vergleichbares. Die Kombination aus Sport und Natur ist einmalig.» Valentin Humbel aus Birmensdorf ist 85 Jahre alt und noch top in Form. «Die Atmosphäre ist sehr familiär im Orientierungslauf. Das hat mir schon immer gefallen. Dazu ist der Sport generationenübergreifend. Ich renne oft zusammen mit meinem Enkel.» Lisa Hubmann aus Märwil findet das Sprinten auf der Finnenbahn langweilig. «Jeder Orientierungslauf ist anders. Es gibt auf der ganzen Welt keinen gleichen. Das finde ich toll», sagt die elfjährige Schülerin.

Roland Hug aus Weinfelden ist der Leiter Infrastruktur des OL-Weekends. «Beim Orientierungslauf muss man rennen und gleichzeitig den Kopf gebrauchen. Diese Herausforderung gefällt mir. Ich finde es auch herrlich, wenn ich mich so richtig über mich selbst aufregen kann, wenn ich einen falschen Weg einschlage.» Cyrill Meier aus Berg SG ist der Laufleiter. «Ich nehme jedes Jahr an verschiedenen Läufen teil. Nun kann ich den Vereinen etwas für ihren Einsatz zurückgeben. Darum bin ich heute hier.» Sein Kollege Peter Schoch aus Hörhausen schätzt die Einfachheit des Sports. «Es gibt keine Vorrunden oder Qualifikationen. Es kann jede und jeder teilnehmen. Die allgemeine Fröhlichkeit unter den Leuten imponiert mir. Alle lassen ihre Rucksäcke im Zelt, und zwar unbewacht. Noch nie wurde etwas gestohlen. Es gab auch noch keinen Zwischenfall wegen Dopings.»