Aach: Pestizid- und Phosphor-Alarm

Die Gemeinde Salmsach hat mehrere Gebiete mit problematischen Altlasten. Sogar im Naturschutzgebiet an der Aach liegt Abfall. Hinzu kommt, dass auch die Gewässer belastet sind. So enthält die Aach einen reichhaltigen Cocktail an Pflanzenschutzmitteln.

Inge Staub/Markus Schoch
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SALMSACH. Altlasten im Boden auf zehn verschiedenen Flächen bereiten der Gemeinde Salmsach Sorgen. Wie die SBB bestätigen, gibt es – was bislang bezweifelt wurde – auch im Naturschutzgebiet an der Aach in Romanshorn Altlasten. Wie SBB-Mediensprecher Reto Schärli sagt, sei der Standort, der den SBB gehört, mittels einer historischen sowie technischen Untersuchung nach Altlasten untersucht worden. Das Gebiet sei 2006 vom Amt für Umwelt des Kantons Thurgau definitiv als belastet, aber weder als sanierungs- noch überwachungsbedürftig beurteilt worden. Bei der Untersuchung wurden laut Schärli Bauschutt, Bahnschotter, Kies und Schlackenablagerungen gefunden.

Gifte im Wasser

Neben den Altlasten im Boden sieht sich Salmsach auch mit Giften im Wasser konfrontiert. Wie eine Studie des Forschungsinstituts Eawag im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt belegt, führt die Aach einen reichhaltigen Pestizid-Cocktail mit sich.

Die Wissenschafter der Eawag haben im vergangenen Jahr fünf Schweizer Bäche auf ihren Gehalt an Pflanzenschutzmitteln untersucht. Einer der Bäche ist die Salmsacher Aach.

Der Thurgau war in die Untersuchung involviert. «Die Salmsacher Aach wurde ausgesucht, weil sie durch ein Gebiet fliesst mit einer der höchsten Obstbaudichten der Schweiz», sagt Heinz Ehmann, Leiter Abteilung Gewässerqualität beim kantonalen Amt für Umwelt.

Die Experten entnahmen die Proben oberhalb der Kläranlage Moos in Amriswil. Insgesamt wurden an den fünf Flüssen 104 verschiedene Pflanzenschutzmittel und Biozide gefunden. Das Wasser der Salmsacher Aach enthält 37 verschiedene Herbizide. Mehr Herbizide wurden in drei anderen Bächen entdeckt. Ausserdem fanden sich im Aach-Wasser dreizehn Fungizide und zehn Insektizide. Diese Zahlen sind mit denjenigen der anderen untersuchten Schweizer Gewässern vergleichbar.

Befürchtungen bestätigt

Das Ergebnis überrascht Heinz Ehmann nicht. «Es deckt sich mit Untersuchungen, die der Kanton in früheren Jahren gemacht hat.» Das Wertvolle an dieser Studie sei, dass ein sehr grosses Spektrum an Pflanzenschutzmittel erfasst wurde. «Mit der Studie wurden unsere Befürchtungen bestätigt.»

Entscheidend für die Wasserqualität ist nicht nur die Anzahl Stoffe, die ein Gewässer enthält, sondern vor allem deren Konzentration. Da bei Dutzenden von Pestiziden die Grenzwerte überschritten wurden, folgern die Eawag-Forscher, dass «eine Beeinträchtigung der Organismen in den Gewässern nicht ausgeschlossen werden kann». Von den fünf Flüssen war die Salmsacher Aach das am wenigsten belastete Gewässer.

Aufgrund der Studie sieht Heinz Ehmann nicht nur für die Salmsacher Aach, sondern auch für andere Thurgauer Fliessgewässer Handlungsbedarf. Der Kanton werde die Studie auswerten und mit den Landwirten Gespräche führen, wie man künftig Belastungen der Gewässer durch Pflanzenschutzmittel reduzieren könne.

Und dann noch das Abwasser

Doch enthält die Aach nicht nur Stoffe aus der Landwirtschaft, sondern auch das Abwasser aus der Kläranlage Amriswil. Zudem fliesst sie durch Gebiete mit Altlasten. Der Kanton hat, wie Heinz Ehmann sagt, keine Hinweise darauf, dass die Altlasten den Bach übermässig belasten würden. Die Belastungen durch die Kläranlage hielten die Grenzwerte ein.

Allerdings räumt Heinz Ehmann ein: «Die Qualität ist mässig.» Messungen des Kantons zeigen, dass auch der Phosphorgehalt zu hoch ist. Hinzu kommt, dass sich die Aach im Mündungsbereich staut. In ungünstigen Fällen, vor allem nach Niederschlägen, kann Aachwasser in den Badibereich gelangen. Ehmann verweist darauf, dass im letzten Sommer das Wasser der Badi von vier Messungen dreimal mit «sehr gut» und einmal mit «akzeptabel» beurteilt worden ist. Die Bevölkerung scheint diesen Messungen nicht zu vertrauen. Nur selten badet jemand in der Bucht.

Im Gemeinderat wurde deshalb angedacht, gemeinsam mit Romanshorn die Mündung der Aach zu verlegen. «Doch zunächst müssen wir diese Idee von Wasserbauingenieuren beurteilen lassen», sagt Vizegemeindeammann Martin Haas. Um einschätzen zu können, wie gefährlich die Altlasten sind, werde der Gemeinderat die Ergebnisse weiterer Untersuchungen abwarten.

Im Mündungsbereich staut sich bei Niederschlag das Wasser der Salmsacher Aach. (Bild: Reto Martin)

Im Mündungsbereich staut sich bei Niederschlag das Wasser der Salmsacher Aach. (Bild: Reto Martin)