84 000 Franken Honorar für Awit

ARBON. Nach dem Scheitern der Vertragsverhandlungen mit dem designierten Gastro-Partner PSG ist die Pächterfrage weiter ungelöst. Der Vermittlungsauftrag an die Awit Consulting AG kostet die Stadt Arbon trotzdem 84 000 Franken.

Max Eichenberger
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Beim Strandbadrestaurant (Bild) wie beim Panorama-Restaurant Seepark hat die Stadt zwar noch keinen neuen Pächter fix unter Vertrag; Gespräche liefen aber, heisst es im Stadthaus. (Bild: Max Eichenberger)

Beim Strandbadrestaurant (Bild) wie beim Panorama-Restaurant Seepark hat die Stadt zwar noch keinen neuen Pächter fix unter Vertrag; Gespräche liefen aber, heisst es im Stadthaus. (Bild: Max Eichenberger)

Der Vertrag mit der Awit Consulting AG sei mittlerweile von der Stadt gekündigt und die Abgeltung per Saldo aller Ansprüche von der Awit akzeptiert worden. Das lässt der Arboner Stadtrat das Parlament wissen.

Der Betrag von 84 038 Franken – hauptsächlich sind das Pauschalhonorare – liege weit unter den ursprünglichen Ertragserwartungen der Awit. Ein Erfolgshonorar wurde nur in einem Fall fällig.

Die Vereinbarung

Dabei sah es zunächst ganz anders aus. Mitte Juni war durchgesickert, dass der Stadtrat mit der Peter Schildknecht Gastronomie AG, St. Gallen, ein wirtschaftlich vielversprechendes Konzept für die städtischen Gastronomiebetriebe umsetzen wolle. Am 29. Juni folgte dann die Bestätigung aus dem Stadthaus. In einer offiziellen Mitteilung gab der Stadtrat die Unterzeichnung einer entsprechenden Vereinbarung bekannt. Vorerst würde PSG das Panorama-Restaurant Seepark und das Strandbadrestaurant führen und diese «Leuchtturm-Betriebe» schrittweise entwickeln.

Die Wende

Doch am 10. September folgte dann die überraschende Wende: Die auf der Basis der zuvor abgeschlossenen Vereinbarung geführten konkreten Vertragsverhandlungen hätten sich zerschlagen, gab der Stadtrat ziemlich überraschend bekannt.

Das «Gesamtpaket mit der Form der Zusammenarbeit und der Erwartungshaltung» habe nicht gestimmt, begründete er das Scheitern. Ausser Spesen also nichts gewesen, so das ernüchternde Fazit.

Das Konzept

Dabei hatte sich der Stadtrat mit einem wirtschaftlich optimierten Gesamtkonzept unter professioneller Führung eine bessere Rentabilität der stadteigenen Gastrobetriebe versprochen – statt Verluste zu schreiben. Zudem sollte ein neuer Partner in die Betriebe investieren.

Die Stadt hatte eine Empfehlung des externen Berichts zur Aufgaben- und Leistungsüberprüfung aufgenommen, als er die Pacht aller sechs städtischen Gastrobetriebe ausschreiben liess. Damit hatte er die Awit beauftragt und mit der Beratungsfirma dafür einen erfolgsabhängigen Vertrag geschlossen.

Die Vorwürfe

An seiner Sitzung vom 27. Oktober hatte das Parlament politisch das Debakel aufzuarbeiten versucht. Das Fingerspitzengefühl gegenüber bisherigen Pächtern hätte gefehlt, ebenso die Transparenz im Ausschreibungsverfahren. Darum war auch der Vorwurf der Günstlingswirtschaft erhoben worden.

Befremden löste einerseits die Wahl des Beratungsunternehmens Awit aus. Dessen Kernkompetenz liege in einem anderen Bereich als der Gastronomie, hiess es im Parlament. Auch von persönlichen Verbindungen zwischen Stadthaus und Auftragnehmerseite war da die Rede.

Schliesslich äusserte Andrea Vonlanthen den Verdacht, es habe den Anschein, die Ausschreibung sei exakt auf ein Unternehmen zugeschnitten worden – nämlich die PSG. Und wohl erst, als der Stadtrat in den Verhandlungen aufgrund der breiten Kritik anders aufgetreten war, habe sich der designierte Pächter zurückgezogen.

Die Antworten

SVP-Fraktionschef Andrea Vonlanthen hatte sich an der folgenden Budgetsitzung am 8. Dezember zudem nach der Höhe der Vergütungen an die Awit erkundigt. Weil die Sitzung jedoch bis nach Mitternacht gedauert hatte, kündigte der Stadtrat die Antwort für später an. Jetzt liefert er sie nach.

Danach habe der Stadtrat Anfang November «ausserterminlich» das Auftragsverhältnis mit der Awit gekündigt. Der Dienstleistungsvertrag habe neben der «Entwicklung der Ausschreibung» die «laufende Suche (nach einem Pachtpartner), das Heranführen der Interessenten in die Arbeitsgruppe und das Vorbereiten von Absichtserklärungen oder Vorverträgen» umfasst, heisst es in der Antwort weiter.

Die Beraterkosten

Laut Stadtrat werden die von Awit erbrachten Leistungen mit gut 84 000 Franken abgegolten. In diesem Betrag seien die vereinbarten Pauschalhonorare eingerechnet. Zudem wurde ein Erfolgshonorar fällig nach der Wiederverpachtung der Wirtschaft zum Schloss. Pachtnehmer ist seit März Christoph Bacher. Ein zusätzliches Erfolgshonorar ist hinfällig geworden, weil es mit der PSG Gastronomie AG letztlich dann doch zu keinem Vertragsabschluss gekommen ist.

Laut Stadtrat wäre PSG bereit gewesen, 700 000 Franken zu investieren: sowohl in das Panorama-Restaurant wie in das Strandbadrestaurant. Ein Teil des Honorars hätte sich nach der Höhe des von einem Investor beigebrachten Kapitals bemessen. Die Awit, bezieht sich der Stadtrat auf deren Aussage, sei bei diesem Auftrag «weit unter ihren Ertragserwartungen» geblieben. Sie wolle jedoch das Verhältnis zur Stadt nicht strapazieren und akzeptiere die Kündigung «per Saldo der Ansprüche». Der Auftrag hatte ursprünglich eine Erfolgshonorierung «bis 24 Monate nach Vertragsbeendigung» vorgesehen.

Die neue Pächtersuche

Zwischenzeitlich ist die Pächtersuche von neuem aufgenommen worden. Gespräche würden geführt, heisst es aus dem Stadthaus. Der Stadtrat hat sich in der Person von Josef Müller, Präsident von Gastro St. Gallen, einen neuen Berater an seine Seite geholt. Seit Herbst ist nach dem Rückzug von Martin Brühwiler das Panorama-Restaurant Seepark geschlossen. Den Pachtvertrag mit der Fish&Grips GmbH für das Strandbadrestaurant hatte der Stadtrat zuvor schon gekündigt – nach nur einer Saison.

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