74jährige sprang vom Balkon

Eine Frau wollte sich vor dem beissenden Rauch in Sicherheit bringen, sprang vom Balkon und zog sich dabei mittelschwere Verletzungen zu.

Max Eichenberger
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Der Brand entwickelte sich in einem Kellerabteil im südlichen Bereich des Wohnblocks.

Der Brand entwickelte sich in einem Kellerabteil im südlichen Bereich des Wohnblocks.

Der Brand im Mehrfamilienhaus Landquartstrasse 54 war am Morgen ausgebrochen. Alarmmeldungen von Bewohnern und Nachbarn gingen um 8.03 Uhr bei der Notrufzentrale ein.

Dunkle Rauchsäule

Die Stützpunktfeuerwehr Arbon war mit rund 50 Personen rasch vor Ort, ebenso rückten Rettungssanitäter aus. Stickiger, beissender, dunkler Rauch quoll aus den Kellerfenstern im südlichen Bereich des Blocks die Fassade und durchs Treppenhaus hoch. Der Block wird von neun Partien bewohnt. Binnen weniger Minuten stieg eine Rauchsäule hoch, die kilometerweit zu sehen war.

«Es ging wahnsinnig schnell»

«Es ist alles wahnsinnig schnell gegangen», berichtet eine Bewohnerin, welcher der Schock noch in den Gliedern sass. «Ich war beim Morgenessen, dann drang plötzlich penetranter Rauchgestank in die Nase. Ich habe dann den Block gar nicht mehr gesehen vor lauter Rauch», berichtet eine Nachbarin.

Den meisten frühzeitig alarmierten Bewohnern gelang die Flucht durchs Treppenhaus ins Freie. «In den unteren beiden Stockwerken sah man wegen des stickigen Rauches fast nichts», schildert eine Frau, die im dritten Geschoss wohnt. Eine ältere Mieterin hatte Glück, dass sie eben die Zeitung aus dem Briefkasten holte, als vom Keller herauf der Rauch drang. Ein jüngerer Mann kletterte auf der Westseite vom Balkon hinab auf den Rasen.

In Panik gesprungen

Eine 74jährige Frau, die wegen des starken Rauchs in Panik geraten war, der ihr den Fluchtweg durchs Treppenhaus abgeschnitten hatte, sprang aus dem Balkon. Sie wollte sich so trotz Warnungen von Nachbarn, die sie davon abhalten wollten, in Sicherheit bringen. Beim Aufprall aus rund vier Metern Höhe – und weil sie offenbar auch noch das untere Balkongeländer touchiert hatte – zog sie sich mittelschwere Verletzungen zu. Mit der Ambulanz wurde die Frau ins Kantonsspital Münsterlingen überführt. Vom oberen Stockwerk rettete die Feuerwehr einen 71jährigen Mann über die Leiter aus seiner misslichen Lage. Er hatte auf dem Balkon ausgeharrt. Die Betreuung durch Sanitätsdienst und die Nachbarschaftshilfe funktionierte vorbildlich.

Verdacht auf Rauchgasvergiftung

Zwei Bewohnerinnen, die wegen der Rauchentwicklung über Atembeschwerden klagten, wurden ambulant mit Sauerstoff versorgt. Wegen Verdachts auf Rauchgasvergiftung wurden zwei Feuerwehrleute zur näheren Abklärung ins Kantonsspital St. Gallen verbracht. – Der Brandermittlungsdienst der Kantonspolizei hat seine Arbeit aufgenommen. Ebenfalls beigezogen wurde ein Elektrosachverständiger.

Eine Autobatterie?

Der Brandherd befindet sich – das gilt als erhärtet – in einem Kellerabteil. Die Ursache ist offiziell noch nicht bekannt. Mehrere Quellen berichteten, dass es mit dem Strom im Haus öfters schon Probleme gegeben hat und es zu Kurzschlüssen gekommen ist.

Die Rede war auch davon, dass ein Bewohner seine Autobatterie aufgeladen und am Netz angehängt haben soll. Das ist allerdings nicht bestätigt. «Zu Spekulationen können wir uns zum jetzigen Zeitpunkt nicht äussern. Die Brandursache zu eruieren ist jetzt Sache der Ermittler», sagt Bezirksstatthalter Arnaldo Homberger vor Ort. Feuerwehrkommandant Hans Schuhwerk glaubt, dass schon bald Klarheit geschaffen werden kann.

Eine Wohnung unbewohnbar

Die meisten Bewohner konnten inzwischen wieder in ihre Wohnungen zurückkehren. Eine Wohnung ist unbewohnbar, weil die Türe offenstand und Rauchpartikel eindrangen. Vermutlich hat das Schloss bei der überstürzten Flucht nicht eingeschnappt.

Vor Ort wird die Frau nach dem Sprung vom Balkon medizinisch versorgt. (Bilder: Max Eichenberger)

Vor Ort wird die Frau nach dem Sprung vom Balkon medizinisch versorgt. (Bilder: Max Eichenberger)

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