350 Tonnen Fels versperren den Weg

Am Sonntag donnerte ein Felsbrocken auf den Waldweg oberhalb der Rengishalde. Dabei wurde die im Weg verlegte Wasserleitung der Trinkwasserversorgung Bischofszell beschädigt.

Rudolf Steiner
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Nur Sachschaden verursacht dieser steinerne Koloss, nachdem er sich von einer Felswand gelöst hat. (Bild: Rudolf Steiner)

Nur Sachschaden verursacht dieser steinerne Koloss, nachdem er sich von einer Felswand gelöst hat. (Bild: Rudolf Steiner)

BISCHOFSZELL. Sonntagnachmittag, kurz nach zwei Uhr, sei es gewesen, als er durch ein lautes Rumpeln aufgeschreckt worden sei, erzählt Bauer Andreas Bräuninger, der unterhalb des abgebrochenen Felsens in der Rengishalde an der Thur einen Bio-Bauernhof bewirtschaftet. Dann habe er auch sofort bemerkt, dass im Bach, der vom Junkersbühl und Gloggershaus her durch den Wald fliesst, plötzlich viel mehr Wasser gekommen sei.

Transportleitung geborsten

Daraufhin sei er den Wald hochgestiegen und habe die Ursache des Lärms und des gewaltigen Wasserschwalls schnell gesehen. Von der Felsnase am südöstlichen Rand des Felstrichters, in den der Bach in einem etwa zehn Meter hohen Wasserfall über den Felsen in die Tiefe stürzt, war ein monumentaler Felsbrocken abgebrochen und auf den Weg hinuntergedonnert. Die in dem nur wenig begangenen Weg eingelassene Transportleitung der Wasserversorgung der Technischen Gemeindebetriebe Bischofszell (TGB) wurde durch die Wucht des herabstürzenden Felsens zerstört. Obwohl das 300er-Rohr mit einem Durchmesser von 30 cm in eineinhalb Metern Tiefe verlegt ist, konnte es dem gewaltigen Druck nicht standhalten.

Norbert Zimmer, Bereichsleiter Wasserversorgung bei den TGB, schätzt, dass insgesamt etwa 1600 m³ Wasser ins Freie gelangt und den steilen Wald hinunter in die Thur geflossen sind. «Auf beiden Seiten des Flusses führen Transportleitungen von den Reservoirs Stocketen und Gruben bei Niederbüren zum Reservoir Freudenberg unterhalb des Hummelbergs», so Zimmer. Er verständigte umgehend die Kantonspolizei und den TGB-Monteur Eugen Niederer, der durch die Schliessung eines Schiebers den Wasserfluss stoppen konnte.

Aus der Molassezeit

Der auf den Weg gestürzte Felsbrocken besteht aus Sandstein und Nagelfluh und ist etwa vier Meter breit und hoch sowie etwa zehn Meter lang. Das ergibt bei einem Volumen von etwa 140 m³ ein Gewicht von 350 Tonnen. Geologe Oskar Keller aus Arbon ordnet das Gestein der Süsswasser-Molassezeit zu. «Es ist gut möglich, dass eingedrungenes und danach gefrorenes Wasser den Felsbrocken buchstäblich von der Wand weggesprengt hat», sagt der pensionierte Geologe, der das Gebiet an der Absturzstelle von seinen Arbeiten für die Erstellung der Geotope her gut kennt. Am späteren Sonntagnachmittag besichtigte auch Walter Bollier von der Bürgergemeinde Bischofszell, der der Wald gehört, den Schaden. «Ein solches Ereignis habe ich in meiner langen Amtszeit noch nie gesehen, das ist schon gewaltig», zeigt er sich beeindruckt.

Wer haftet für Schaden?

Für Bollier ist klar, dass für die Räumung entweder die TGB oder das Bauamt der Stadt Bischofszell verantwortlich sind. Bauverwalter Ernst Schönenberger hat die Absturzstelle inzwischen ebenfalls inspiziert und ist da etwas anderer Meinung. «Haftbar ist in diesem Fall ganz klar der Grundbesitzer, also die Bürgergemeinde Bischofszell. Und die geschädigte Partei ist eindeutig die Wasserversorgung der TGB», erklärt Schönenberger, der sich auch nicht erinnern kann, dass dort schon einmal etwas derartiges passiert ist.

Zur Klärung der Kompetenzen und der weiteren Schritte will man sich noch vor Weihnachten treffen. Für Zimmer ist klar, dass die beschädigte Wasserleitung samt Schieberschacht so schnell wie möglich repariert werden muss, da es sonst Engpässe bei der Wasserversorgung geben könnte.

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