187 Bauobjekte unter Schutz

In Arbon läuft derzeit die Revision der Ortsplanung. Strittigstes Papier ist der Schutzplan. Damit verknüpft sind nämlich Eigentümerinteressen. Darum hat es viele Einsprachen gegeben.

Max Eichenberger
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Die Mole im alten Arboner Hafen soll nach dem Willen der Kommission neu in den Schutzplan aufgenommen werden. (Bild: Max Eichenberger)

Die Mole im alten Arboner Hafen soll nach dem Willen der Kommission neu in den Schutzplan aufgenommen werden. (Bild: Max Eichenberger)

ARBON. Die Arboner Ortsplanung ist noch ein Modell aus dem letzten Jahrhundert. Die Entwicklung seit 1996 hat sie überholt. Eine Anpassung ist schon alleine daher fällig. Praxis und Vorgabe ist, die Planungsinstrumente alle zehn bis 15 Jahre zu überarbeiten. Auf kantonaler Ebene ist das Planungs- und Baugesetz seit Anfang 2013 in Kraft. Bis 2018 muss die Stadt Arbon ihren Zonenplan und das Baureglement ohnehin anpassen.

Nicht schalten und walten

Das ist eine relativ komplizierte, technische Angelegenheit. Gesondert läuft das Verfahren beim Schutzplan, mit dem sich das Stadtparlament am 18. März befassen wird. Dies auch deshalb, weil damit der grösste Aufwand verbunden ist. Das hat damit zu tun, dass die Interessen von Grundeigentümern tangiert werden.

Wenn eine Liegenschaft im Schutzplan aufgeführt ist, ist der Handlungsspielraum bei geplanten Veränderungen zumindest eingeschränkt. Bei Schutzauflagen gewärtigen die Besitzer Einbussen bei einem allfälligen Wiederverkauf. So verwundert es denn auch nicht, dass eine erste öffentliche Auflage gegen hundert Einsprachen nach sich gezogen hatte.

Dreimal mehr als 1996

Im Vergleich zu 1996 wird sich die Zahl der baulichen Objekte im Schutzplan verdreifachen – auf gegen 200. Nach den denkmalpflegerischen Bewertungen müsste die Stadt gar 430 Bauobjekte mit einer Schutzverfügung belegen. Grundlage dafür ist einerseits das Hinweisinventar des Kantons, worin alle Gebäude erfasst und in fünf Kategorien klassifiziert sind. Die als «besonders wertvoll» und «wertvoll» eingestuften Objekte gelten als schutzwürdig. Dieser Anteil ist in der Gemeinde mit einer Altstadt und zahlreichen historischen Bauten wie Arbon vergleichsweise hoch. Weniger restriktiv ist das Schutzkonzept der Stadt. «Wir haben darin eigene Kriterien festgelegt», sagt Stadtammann Andreas Balg.

Ein Weg aus dem Dilemma

Mit sogenannten Strukturschutzzonen versucht die Stadt Arbon auf sie zukommende mögliche Probleme elegant zu entschärfen – und den Grundeigentümern damit nicht jeglichen Spielraum zu beschneiden, wenn sie bauen oder umbauen wollen. Das bedeutet, dass in einem Gebiet, das in dieser Zone liegt, lediglich die Strukturen übernommen werden müssen, wenn ein Haus abgebrochen und ein Neubau erstellt wird.

Ein typisches Beispiel ist der Heinehof, die einstige Arbeitersiedlung an der Landquartstrasse. Im Schutzplan aufgeführt ist der Kopfbau des Ensembles, die übrigen Gebäude sind in der Strukturschutzzone. Wenn dort gebaut wird, muss die Situation des Ensembles gewahrt bleiben. Nach demselben Muster verfährt die Stadt auch bei anderen Siedlungen. Balg zufolge werden diese Strukturschutzzonen Teil des neuen Zonenplans sein, der in Revision ist.

Ergänzt und gestrichen

Nachdem die Einsprachen bereinigt worden sind, figurieren laut Stadt-/Raumplaner Thomas Wiegend noch 187 Bauobjekte (ursprünglich 192) im Schutzplan. Die Kommission des Parlaments, die Kaspar Hug präsidiert, will der Liste noch vier hinzufügen: darunter die Mole im alten Hafen und der «Frohsinn». Sieben Gebäude kippt sie raus; das evangelische Alters- und Pflegeheim ist das bekannteste. Eines hat sich von selber ausgelöscht: Das einstige Saurer-Zentralmagazin ist 2012 nämlich in Flammen aufgegangen.

Zankapfel Wunderbar

Wohl vor dem Hintergrund der mittelfristigen Pläne der ZuK Immo AG entbrannte in der Kommission eine Diskussion um das Hotel Wunderbar. Abklärungen durch Experte Heinz Pantli hätten ergeben, so Kaspar Hug, dass es nebst der sozialgeschichtlichen Bedeutung des ehemaligen Saurer-Kantinenbaus «keine stichhaltigen Gründe» gebe, den Holzbau unter Schutz zu stellen.

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