15 Stufen wie «Kitzbühel»

Wie geht man im Leben mit Veränderungen um? Das war das Thema, über das der ehemalige Skirennfahrer Silvano Beltrametti in Weinfelden referierte.

Christof Lampart
Drucken
Nach schwerem Unfall schaut Silvano Beltrametti wieder vorwärts. (Bild: art)

Nach schwerem Unfall schaut Silvano Beltrametti wieder vorwärts. (Bild: art)

Weinfelden. Anfang dieses Jahrtausends galt Silvano Beltrametti als einer der talentiertesten Skirennfahrer – weltweit. Dann kam das abrupte Aus als er bei einem Rennen in Val-d'Isère im Dezember 2001 stürzte und sich dabei eine Fraktur der Brustwirbelsäule und eine komplette Zertrennung des Rückenmarkes zuzog. Was in diesem Moment passierte, schildert Beltrametti im «Trauben» so: «In Sekundenbruchteilen verlor ich alles – meine Ziele, meine Träume, auf die ich während zehn oder mehr Jahre hingearbeitet hatte.

» Olympia-Sieger wollte er werden oder zumindest Weltmeister. 90 Minuten nach dem Unfall wusste er jedoch bereits, dass er dies nie mehr werden könnte.

Hilfe auf dem Weg zurück

Doch so brutal die Diagnose auch war – sie half Beltrametti klar zu sehen, und den Boden wieder unter die Füsse zu bekommen – auch wenn er im weiteren Leben keinen einzigen Schritt mehr gehen würde.

Heute klingt Beltrametti abgeklärt, wenn er sagt: «Die Neuorientierung fängt in den ersten Stunden nach der Katastrophe an.» Doch es sei gerade die als Spitzensportler antrainierte Fähigkeit, sich grossen Zielen in kleinen aber konsequenten Schritten anzunähern, die ihm auf dem «Weg zurück» geholfen habe. Als er nach zwei Tagen zum ersten Mal eigenständig ein T-Shirt anziehen konnte, habe er «ein Freudegefühl wie nach einem Sieg» erlebt.

Und wenn er heute mit seinem Rollstuhl eine 15stufige Treppe runter muss, dann komme ihm das «wie Kitzbühel» vor: «Eine Herausforderung, aber machbar.»

Wieder selbständig werden

Zwei Wochen nach der Verletzung fasste Beltrametti einen Entschluss: «Ich wollte alles tun, damit in irgendwann einmal wieder selbständig und zufrieden mein Leben führen könnte.» Nach viereinhalb Monaten war er immerhin so weit, dass er trotz seiner Behinderung ein eigenständiges Leben führen konnte.

Viel hätten zu seiner Neuorientierung aber auch Familie und Freunde beigetragen. Und auch der Umstand, dass der gelernte Zimmermann schon bald eine berufliche Neuausrichtung als Technischer Kaufmann beginnen konnte. «Dadurch hatte ich eine Aufgabe und konnte wieder nach vorwärts schauen.» Dies sei eine Eigenschaft, die man als Spitzensportler vorleben müsse: «Denn die Vergangenheit ist Vergangenheit. Ich kann nur die Gegenwart gestalten, damit die Zukunft besser wird.»