14 Stunden über dem offenen Ozean

Bei der Gasballon-Weltmeisterschaft haben der Hohentanner Kurt Frieden und der Schlatter Pascal Witprächtiger den dritten Platz erreicht. Trotz des anvisierten Sieges beim Gordon Bennett Race sind die beiden sehr zufrieden.

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Sichere Landung: Tanja Witprächtiger und Verena Büchel nehmen die Piloten Pascal Witprächtiger und Kurt Frieden in Nordspanien in Empfang. (Bild: pd)

Sichere Landung: Tanja Witprächtiger und Verena Büchel nehmen die Piloten Pascal Witprächtiger und Kurt Frieden in Nordspanien in Empfang. (Bild: pd)

Herr Frieden, wie lange dauerte Ihr diesjähriges Rennen mit dem Gasballon beim Gordon Bennett Race?

Kurt Frieden: Wir waren 62 Stunden in den Luft. Gestartet sind wir am Sonntagmorgen um sechs Uhr im französischen Nancy. Gelandet sind wir am Dienstagabend um acht Uhr in der Nähe von León in Nordspanien.

Weiter im Gasballon gefahren sind nur ein französisches und ein deutsches Team. Sind Sie zufrieden mit dem dritten Rang?

Frieden: Ja, sehr. Wir sind absolut zufrieden und glücklich. Mehr war einfach nicht möglich, noch länger in der Luft zu bleiben, wäre zu riskant gewesen.

Weshalb wäre das Risiko zu hoch gewesen, länger zu fahren?

Frieden: Wir hatten unseren Ballast am dritten Abend aufgebraucht. Anfangs hatten wir 660 Kilo Sand in den Säcken. Indem man Ballast ablässt, kann man mit dem Gasballon steigen. Und ohne die Möglichkeit, weiteren Ballast abzuwerfen, hätten wir ohnehin bald landen müssen. Da dies in der Nacht sehr riskant ist, entschieden wir uns, am Dienstagabend noch vor dem Eindunkeln runter zu gehen in Nordspanien.

Im Internet konnte man Ihre Fahrt mitverfolgen. Sie flogen auch über den Atlantik. Ist das nicht gefährlich, Herr Witprächtiger?

Pascal Witprächtiger: Mit den heutigen Hilfsmitteln und den Prognosen unseres Meteorologen Daniel Gerstgrasser war es ein kalkulierbares Risiko. Am Montagabend um acht Uhr haben wir die französische Küste hinter uns gelassen und am nächsten Morgen um zehn Uhr waren wir wieder über spanischem Festland. Zur Not führten wir in unserem Korb auch ein Schlauchboot und Überlebensanzüge mit. Aber natürlich sind wir froh, dass die Fahrt übers Meer so gut geklappt hat. Noch vor 15 Jahren hätten wir uns das nicht getraut.

Des Nachts über dem Meer, was für eine Stimmung herrscht da?

Witprächtiger: Es ist schön. Alles ist ruhig und man muss sich keine Gedanken zu Konflikten mit Lufträumen machen. Es waren für uns 14 Stunden zum Geniessen.

Sind Sie nach dieser langen Fahrt nicht sehr müde?

Witprächtiger: Nein, ich fühle mich fit. Wir haben im Ballonkorb einen Schlafplatz eingerichtet. Kurt und ich haben uns während des Rennens alle vier Stunden abgewechselt. Der eine fuhr, der andere schlief.

Kann man denn in diesem engen Korb gut schlafen?

Witprächtiger: Es schläft sich wunderbar. Wir haben eine Klappe im Korb, wo wir die Füsse rausstrecken können. Wir konnten uns ausstrecken und so lässt es sich sehr gut schlafen. Kurt hat jeweils schon wenige Minuten nachdem er in den Schlafsack gekrochen ist friedlich geschnarcht.

Herr Frieden, kehren Sie nun direkt in die Schweiz zurück?

Frieden: Nein, wir fahren mit dem ganzen Team wieder nach Nancy. Dort findet am Freitag die öffentliche Siegerehrung statt und am Samstag folgt das grosse Festbankett für die Teams.

Werden Sie auch an künftigen Gordon Bennett Races teilnehmen?

Frieden: Ja, sicher. Es ist immer wieder ein spannendes Erlebnis.

Interview: Mario Testa