«1000 Franken Busse sind abartig»

SALMSACH. Salmsach hat ein Problem mit Elterntaxis: Eltern chauffieren ihre Kinder zur Schule und holen sie wieder ab. Den Wagen parkieren sie jeweils im Parkverbot. Dort müssen sie nun mit einer Busse von 1000 Franken rechnen.

Michèle Vaterlaus
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Eine Tafel vor dem Schulhaus Bergli weist darauf hin, dass das Abstellen des Autos im Parkverbot teuer werden kann. (Bild: Reto Martin)

Eine Tafel vor dem Schulhaus Bergli weist darauf hin, dass das Abstellen des Autos im Parkverbot teuer werden kann. (Bild: Reto Martin)

Mittag, 11.45 Uhr, die Schulglocke läutet. Eine Mutter fährt mit ihrem schwarzen Kleinwagen auf den Lehrerparkplatz und wartet auf ihre Tochter. Diese stürmt kurz darauf zu ihrer Mutter, begrüsst sie, steigt ins Auto. Der Mutter machen es viele Eltern gleich. Morgens, mittags und abends herrscht ein Chaos vor dem Schulhaus Bergli in Salmsach. Doch was die Mutter macht, ist verboten: Wer seinen Wagen unbefugt auf dem Lehrerparkplatz vor dem Schulhaus Bergli in Salmsach abstellt, muss mit einer Busse von 1000 Franken rechnen.

Kurt Helg, Gemeindeammann Salmsach (Bild: Reto Martin)

Kurt Helg, Gemeindeammann Salmsach (Bild: Reto Martin)

Die Leute erziehen

Das Parkverbot gibt es schon länger. Die hohe Busse ist neu und wurde durch das Bezirksgericht festgelegt. Damit will der Salmsacher Gemeinderat endlich Ordnung in das Verkehrschaos bringen. Denn die Verbotstafel und mündliche Hinweise durch den Gemeindeammann Kurt Helg persönlich, durch den Schulkommissionspräsidenten oder den Schulleiter haben nichts genutzt. «Man muss die Leute einfach erziehen», begründet Helg die eingeführte Busse.

Für die Eltern ist das ein Ärger: «1000 Franken Busse anzudrohen ist abartig», sagte eine Frau an der letzten Gemeindeversammlung, an der das Thema heftig diskutiert wurde. Kurt Helg versteht dieses Problem nicht. «Die Firma Zinctec stellt uns grosszügig kostenlos Parkplätze nahe der Schulanlage zur Verfügung.» Diese befinden sich 160 Meter Richtung Hungerbühl entfernt. Eine Frau mit Zeitnot meinte aber: «Ich habe keine Zeit, mein Auto bei der Zinctec abzustellen. Ich fahre nach der Arbeit direkt zur Turnhalle, um die Jugendriege zu leiten. Das liegt nicht drin.» Auch dafür hat Kurt Helg nur ein Kopfschütteln übrig: «Das ist pure Bequemlichkeit.» In zwei Minuten sei man von der Zinctec beim Schulhaus. Diese Person vergesse zudem, dass das Verbot nur während dem Schulbetrieb von 7 bis 18 Uhr gelte. Zudem stünden auf dem Hartplatz 34 weitere Parkplätze extra für die Vereine zur Verfügung.

Angst um die Kinder

Eine Mutter, die das Kickboard ihres Sohnes in den Kofferraum packt, holt ihren Sprössling regelmässig mit dem Auto vom Kindergarten ab. «Ich habe Angst um meinen Sohn wegen des Verkehrs und wegen Pädophilen. Er ist noch zu klein, um die Gefahren zu erkennen», begründet sie. Sie stellt ihr Auto auf der Strasse ab. Die Parkplätze bei der Zinctec seien unpraktisch.

Doch das Abstellen des Autos ist auch auf der Strasse verboten. Für diese Vergehen ist aber nicht die Gemeinde zuständig. «Das macht die Kantonspolizei», sagt Kurt Helg. Als es ihm zu bunt wurde mit der Parkiererei, beispielsweise während der Bauzeit der Mehrzweckhalle, hat er die Polizei auch schon aufgeboten, Kontrollen durchzuführen. «Das werde ich wieder machen, wenn es nötig wird.»

Ein Bärendienst

Nicht nur das Verkehrschaos ist für die Gemeinde ärgerlich. Die Eltern erweisen ihren Kindern einen Bärendienst, wenn sie sie ständig zur Schule chauffieren. «Der Schulweg geht verloren», sagt Martin Haas, Salmsacher Gemeinderat und Präsident der Schulkommission. Der Weg sei aber eine wichtige Erfahrung. «Die Kinder lernen sich kennen, sie erleben etwas und sie bewegen sich. Das ist ein guter Ausgleich zur Schule.» Haas ist überzeugt: Wenn man die Kinder auf die Gefahren hinweist, ist der Schulweg in und durch Salmsach zumutbar.

Nicht alle wissen vom Verbot

Die Mutter, die ihre Tochter mit dem schwarzen Kleinwagen abgeholt hat, wusste nichts von dem Parkverbot. «Das habe ich gar nicht bemerkt.» Sie achte aber darauf, dass sie niemandem im Weg stehe, wenn sie auf ihre Tochter warte. Deshalb wird sie auch künftig im Parkverbot parkieren.