100 Prozent Kreuzlingen

Es war einmal eine Stadt an der Grenze der Schweiz. Die Lage brachte es mit sich, dass Menschen aus aller Herren Ländern sie bewohnten – vor allem solche aus dem grossen Nachbarland. Die Stadt zog ausserdem Touristen an, denn der See, an dem sie lag, war wunderschön.

Chretzer
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Es war einmal eine Stadt an der Grenze der Schweiz. Die Lage brachte es mit sich, dass Menschen aus aller Herren Ländern sie bewohnten – vor allem solche aus dem grossen Nachbarland. Die Stadt zog ausserdem Touristen an, denn der See, an dem sie lag, war wunderschön. Kein Wunder, dass sie überall in der Welt bekannt war.»

Moment, denkt sich der Chretzer. Da übertreibt der Erzähler doch. Kreuzlingen ist unstrittig etwas Besonderes, aber weltberühmt doch eher nicht. Plötzlich fallen ihm die Schuppen von den Augen: Genf, das sich am Chrüzlinger Fäscht so prächtig präsentierte, ist wie Kreuzlingen – nur grösser! Statt 200 000 haben wir 20 000 Einwohner, statt über 20 internationale Organisationen haben wir eine internationale Schule. Der Chretzer will gerade neidisch werden, dann erinnert er sich: Genf ist nicht nur berühmt für seine Schönheit, sondern auch berüchtigt für seine Schulden. Und schon ist der Neid wie weggeblasen. Er lebt lieber in einer kleinen Stadt mit vergleichsweise kleinen Problemen. Zumal er auf Französisch nicht deutsch und deutlich blubbern kann.